Mobbing ist die häufigste Gewaltform an Schulen. Nach Aussage der Eltern ist bereits jeder zehnte Grundschüler einmal Opfer von Cybermobbing gewesen. In der Befragung von Schülerinnen und Schülern gaben in der Altersgruppe der 13- bis 17-Jährigen sogar 25 Prozent an, schon mal Cybermobbing erlebt zu haben. Teilweise mit schweren Folgen. Mobbing kann massive Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit haben. Dazu gehören zum Beispiel Ängste, Schlafstörungen und Depressionen. Gerade Kinder und Jugendliche sind emotional besonders verletzlich. Nicht selten leiden die Betroffenen noch jahrelang an den Spätfolgen. 

Um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen, haben die Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg und die Techniker Krankenkasse (TK) die Online-Plattform "Gemeinsam Klasse sein" ins Leben gerufen. Seit dem Schuljahr 2019/2020 stehen die Inhalte der Plattform bundesweit allen Lehrkräften zur Verfügung, die eine entsprechende Fortbildung absolviert haben. 

Corona wirkt als Verstärker

Die Umstellung des Schulbetriebs auf Fernunterricht und Kontaktbeschränkungen in Folge der COVID-19-Pandemie haben die Situation noch verschärft, weil Jugendliche das Internet jetzt intensiver nutzen und sich ihre sozialen Kontakte noch mehr dahin verlagert haben. Laut Studie fühlen sich die Opfer durch Cybermobbing vor allem verletzt (61 Prozent), mehr als die Hälfte (53 Prozent) reagiert mit Wut. Besonders alarmierend: Jeder Fünfte hat aus Verzweiflung schon mal zu Alkohol oder Tabletten gegriffen und fast jeder vierte Betroffene äußerte Suizidgedanken. Das entspricht einem Anstieg von 20 Prozent zu 2017, beim Alkohol- und Tablettenkonsum sind es 30 Prozent. 

Jugendliche helfen Jugendlichen 

Hilfe bei Online-Problemen wie Cybermobbing, Stress in sozialen Medien, Online-Abzocke und Datenklau bietet auch der Verein JUUUPORT e.V.. Das Besondere: Die JUUUPORT-Scouts sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 22 Jahren. Saskia Eilers, Redakteurin und Pressereferentin bei JUUUPORT: "Wenn junge Menschen von Cybermobbing betroffen sind, fällt es ihnen oft schwer, sich an erwachsene Vertrauenspersonen zu wenden. Die Beratung der JUUUPORT-Scouts ist vertraulich und erfolgt auf Augenhöhe, denn Gleichaltrige können die eigenen Online-Probleme meist sehr gut nachvollziehen.“ Die TK ist einer der Kooperationspartner des Vereins. 

Prävention, Beratungsstellen, Aufklärung

Das Bündnis gegen Cybermobbing gibt folgende Handlungsempfehlungen: 

  • Die bisherige Präventionsarbeit muss verstärkt werden und bereits an den Grundschulen beginnen. Kinder müssen den "sozialen Umgang im Internet" lernen. Eine verbesserte Lehrerfortbildung ist ein weiterer wichtiger Baustein. Wenn notwendig, sollte man auch Experten von außen in die Schulen holen.
  • Eltern sollten sich intensiver mit den Inhalten und Funktionsweisen vom Internet und den Sozialen Medien auseinandersetzen. Hier sind Kommunen, soziale Träger und Schulen gefragt, Eltern mit konkreten Angeboten zu unterstützen.
  • Wünschenswert wären für alle Betroffenen flächendeckende Mobbingberatungsstellen sowie anonyme Hotlines, an die sich Hilfesuchende wenden können - in Schulen oder im sozialen Umfeld.
  • Neben den Schulen und der Gesellschaft, muss auch die Politik ihrer Verantwortung nachkommen. Zum Schutze der Opfer fordert das Bündnis gegen Cybermobbing ein (Cyber-)Mobbinggesetz, das es in Österreich schon seit 2016 gibt.