Kaj Buchhofer von der Beratungsstelle Gewaltprävention hat das Projekt mit weiteren Kooperationspartnern entwickelt. Im Interview erklärt er, was das Besondere an der Online-Plattform gegen Mobbing ist.

TK: Herr Buchhofer, warum ist es wichtig, dass Schulen sich im Bereich Mobbing und Cybermobbing engagieren?

Kaj Buchhofer: Für Kinder und Jugendliche ist das Gefühl dazuzugehören und akzeptiert zu sein ein zentrales Bedürfnis. Aktuelle Studien, wie zum Beispiel die "Children´s Worlds+"- Studie, heben aber hervor, dass Kinder und Jugendliche besonders wegen Ausgrenzungs- und Gewalterfahrungen an Schulen besorgt sind. Schon beginnende Mobbingprozesse können für betroffene Schülerinnen und Schüler sehr belastend sein. Es ist daher wichtig, dass sie das Signal bekommen: An meiner Schule wird Mobbing nicht geduldet und ich weiß, an wen ich mich bei Sorgen wenden kann.

Kaj Buch­hofer

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Beratungsstelle Gewaltprävention der Schulbehörde Hamburg

TK: Wo setzt das Projekt "Gemeinsam Klasse sein" an?

Buchhofer: Die Schülerinnen und Schüler werden durch Filme, Erklärvideos, Rollenspiele und Gespräche für die Thematik Mobbing und Cybermobbing sensibilisiert. Sie lernen, dass alle etwas gegen Mobbing tun können und auch müssen, ansonsten bleiben sie in der passiven Rolle der "Dulder". Darüber hinaus gibt es viele gruppendynamische Übungen, durch welche die Klasse erfährt, dass man gemeinsam etwas schaffen kann - dass sie "gemeinsam Klasse" sind. Für Lehrkräfte haben wir gezielte Schulungsfilme entwickelt, um die Umsetzung an den Schulen zu unterstützen. Auch thematisiert einer dieser Filme die zentrale Rolle der Lehrkräfte bei der Mobbingprävention und Intervention. 

Die Eltern werden durch Elternflyer, Elternbriefe und selbst gestaltete Plakate einbezogen. Auf einem gemeinsamen Eltern-Nachmittag präsentieren die Schülerinnen und Schüler in ihrer Expertenrolle ihre Ergebnisse.

TK: Wo liegen die Schwerpunkte des Programms?

Buchhofer: Bei der Überarbeitung des Anti-Mobbing-Koffers von 2008 war uns wichtig, das Phänomen Cybermobbing zu integrieren: Cybermobbing ist ein soziales Problem und eine zusätzliche Möglichkeit zu schikanieren, darauf sollten Lehrkräfte und Eltern reagieren können. Unser Einstiegsfilm zeigt daher auch einen Mobbingprozess mit "analogen" und "digitalen" Mobbinghandlungen. Viele Bausteine thematisieren die Rolle der Zuschauenden im Mobbingprozess. Ein Leitspruch lautet in diesem Zusammenhang: "Es gibt bei Mobbing keine Unbeteiligten." Die Schülerinnen und Schüler lernen und erproben durch Rollenspiele daher konkret, welche Alternativen sie zur passiven Rolle des Zuschauens haben. Zu diesen Handlungsmöglichkeiten gehören zum Beispiel, auf die betroffene Person zuzugehen, dazwischen zu gehen oder Hilfe zu holen bei Erwachsenen.

TK: Wie können interessierte Schulen teilnehmen?

Buchhofer: Die Teilnahme an einer Fortbildung gehört zu den Grundvoraussetzungen, um am Projekt teilnehmen zu können. Auch ist wichtig, dass die Schulleitung das Projekt unterstützt, indem sie es zum Beispiel auf einer Schulkonferenz vorstellt und bei der Anmeldung Ansprechpersonen benennt.

Schulen können sich bei den in den Bundesländern zuständigen Fortbildungsinstituten anmelden. In Hamburg ist das die Beratungsstelle Gewaltprävention, die im nächsten Frühjahr wieder gemeinsam mit der TK eine Ausschreibung an die weiterführenden Schulen schicken wird.
Neben Hamburg wird das Projekt gerade in sieben weiteren Bundesländern an den Start gebracht, weitere sollen folgen. 

Hintergrund

Die Kooperationspartner "Beratungsstelle Gewaltprävention" der Behörde für Schule und Berufsausbildung Hamburg und die TK haben 2008 gemeinsam den "Anti-Mobbing-Koffer" entwickelt, den Vorläufer von "Gemeinsam Klasse sein". Der Koffer beinhaltete vielfältige Lehrmaterialien für eine Projektwoche zum Thema Mobbing für die Klassenstufen fünf bis sieben. Die Online-Plattform "Gemeinsam Klasse sein" holt die Inhalte des "Anti-Mobbing-Koffers" ins digitale Zeitalter. Das gesamte Material wurde fachlich überarbeitet und zeitgemäß digital aufbereitet. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Cybermobbing. Auch die Rolle der Mobbing-Zuschauer wird stärker in den Fokus gerückt. Infos unter: www.gemeinsam-klasse-sein.de