Bislang wurden regional unterschiedlich hohe Kosten bei der Versorgung der Versicherten im Morbi-RSA nicht berücksichtigt. Dadurch konnten wohnortbedingte Unter- und Überdeckungen entstehen. Dass es regionale Kostenunterschiede gibt, hat der Wissenschaftliche Beirat in seinem Regionalgutachten zweifelsfrei festgestellt.

Fairness braucht Regionalisierung 

Auf der einen Seite gibt es Krankenkassen, die mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds bekommen, als sie für die Versorgung ihrer Versicherten in der Region brauchen. Mit diesen überschüssigen Mitteln bilden sie hohe Rücklagen oder finanzieren einen unterdurchschnittlichen Zusatzbeitragssatz.

Auf der anderen Seite sind Krankenkassen, die weniger Geld erhalten als sie für die Versorgung ihrer Versicherten in der Region benötigen. Diesen ungerechtfertigten Nachteil gleichen sie bislang dadurch aus, dass Versicherte aus anderen Regionen mit zur solidarischen Finanzierung dieses Nachteils über den bundesweiten Beitragssatz herangezogen werden.

Das bedeutet, dass Krankenkassen, die nur in Regionen mit besonders effizienten oder "schlanken" Versorgungsstrukturen aktiv sind, derzeit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Krankenkassen haben, die auch in Regionen mit einer hohen Versorgungsdichte aktiv sind. Dabei handelt es sich aber nicht um einen reinen Stadt-Land-Gegensatz oder um Unterschiede zwischen Bundesländern. Die Ursachen hierfür liegen in den Unterschieden bei den regionalen Versorgungsstrukturen und den daraus resultierenden Kosten.

Regionalkomponente gleicht Strukturunterschiede aus

Mit einer Regionalkomponente können die unterschiedlich hohen Deckungsquoten in den Regionen ausgeglichen werden. Es geht dabei nicht um die Finanzströme, die in ein Bundesland hinein oder herausfließen, sondern um den Ausgleich zwischen unter- und überdeckten Regionen - auch innerhalb einzelner Bundesländer. Eine Regionalkomponente gleicht somit von den Krankenkassen nicht beeinflussbare Strukturunterschiede aus. Das Geld für die notwendige Versorgung vor Ort steht auch mit einem Regionalfaktor im Morbi-RSA weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung.

Das im Entwurf beschriebene Regionalmodell berücksichtigt die als relevant identifizierten Einflussfaktoren ohne Berücksichtigung von Angebotsfaktoren wie z. B. Facharztdichte oder Krankenhausbetten - und soll die Ungerechtigkeit im System angehen. Doch auch nach Einführung eines Direktmodells verbleiben noch regionale Deckungsbeitragsunterschiede. Daher fordert die TK - wie vom Wissenschaftlichen Beirat als Weiterentwicklung empfohlen - zusätzlich einen nachgelagerten Ausgleich über ein sogenanntes Clustermodell. Hierfür würden auf Gemeindeebene anhand der Höhe der Deckungsbeiträge zehn Cluster gebildet, die dann wiederum als zusätzlicher Ausgleichsfaktor verwendet werden. Die Kombination aus Direkt- und Clustermodell kann die Fairness im Wettbewerb erhöhen und wird daher ausdrücklich begrüßt.

Regio­nale Deckungs­un­ter­schiede im Morbi-RSA

TK-Infografik zu regionalen Deckungsunterschieden im Morbi-RSA nach Landkreisen. Quelle: Wissenschaftlicher Beirat Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Die regionalen Deckungsunterschiede im Morbi-RSA gehen je nach Landkreis weit auseinander. Quelle: Wissenschaftlicher Beirat, Regionalgutachten Juni 2018

Durch eine Regionalkomponente im Morbi-RSA können die wohnortbedingten Unter- und Überdeckungen ausgeglichen werden. 

Dr. Jens Baas

Dr. Jens Baas (Vorstandsvorsitzender der TK) posiert für ein Porträtfoto. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Dr. Jens Baas ist Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.


TK-Vorstand Dr. Jens Baas zum Kabinettsentwurf zum Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz auf dem Blog Wir Techniker

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Wo exakt liegen die Probleme im Morbi-RSA? Und welche Vorschläge hat die TK, diese zu beheben? Mehr Infos dazu auf den TK-Themenseiten zur  RSA-Reform .