Der Faktor Alter spielt nachweislich für die Lebenserwartung, den Blutdruck und sogar die mentale Leistungsfähigkeit des Gehirns eine entscheidende Rolle. Aber jeder Mensch altert auf seine Weise. Fest steht dennoch, dass ein gesunder Lebensstil im mittleren Lebensalter die Weichen positiv stellt.

Wichtig zu wissen: Der "Gesundheits-Booster" für das Gehirn tritt vor allem dann ein, wenn Sie früh damit anfangen, gesundheitsbewusst zu leben. 60-Jährige können sich beispielsweise laut einer großen schwedischen Studie durchschnittlich auf rund 3,5 zusätzliche Jahre ohne mentale Einschränkungen freuen, wenn sie sich ausgewogen und mediterran ernähren, Sport treiben und regelmäßige Bewegungspausen einlegen. 

Bluthochdruck macht selten Symptome, aber schadet trotzdem

Ab 65 Jahren steigt der Blutdruck immer öfter über den empfohlenen Grenzwert von 140 zu 90 mmHg. Liegt der Blutdruck regelmäßig über dem Grenzbereich, sollten Sie Ihren Blutdruck durch einen gesünderen Lebensstil und wenn nötig mit Hilfe von Medikamenten senken. Dazu raten alle Fachgesellschaften und die ärztlichen Leitlinien. Ein ständig zu hoher Blutdruck schadet den Gefäßen, überlastet das Herz und begünstigt eine Demenz. Wie weit der Blutdruck medikamentös gesenkt werden soll, wird individuell pro Patientin bzw. Patient festgelegt. 

Studienergebnisse und Empfehlungen sind nicht einheitlich

Wie weit der Blutdruck gesenkt werden soll, wird von internationalen Fachleuten seit vielen Jahren kontrovers diskutiert und als "Zielwert" bezeichnet. Für Menschen ab 65 Jahren gelten in Europa Zielwerte unter 140/90 mmHg als empfehlenswert, während amerikanische Fachgesellschaften in dieser Altersgruppe seit einigen Jahren Zielwerte von unter 130/80 mmHg empfehlen. Für beide Empfehlungen lassen sich wissenschaftlich nachgewiesene Vor- und Nachteile finden, was die Entscheidung nicht leichter macht. 

Zum Beispiel Australische Studie: Die Auswertung von 5 Studien mit insgesamt 28.000 Teilnehmenden aus 20 Ländern, ergab einen linearen Zusammenhang zwischen der Höhe des Blutdrucks und dem Risiko für eine Demenz. Je stärker der Blutdruck im fortgeschrittenen Alter gesenkt wurde, desto seltener erkrankten die Betroffenen an einer Demenz. Die Ergebnisse wurden im European Heart Journal veröffentlicht. 

Charité Berlin: In demselben Fachmagazin berichtete ein Forschungsteam der Charité Berlin von einer 10-jährigen Beobachtungsstudie, deren Ergebnisse gegen einen Zielwert von unter 140 zu 90 mmHg im hohen Alter sprechen. Nach ihren Erkenntnissen bringt dies für über 80-Jährige keine Vorteile mehr, kann aber das Sterberisiko erhöhen. Interessanterweise waren Frauen und Männer mit einem Blutdruck unter 140/90 mmHg noch stärker gefährdet, wenn Sie bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten. Eine moderate Senkung des Blutdrucks verbesserte im hohen Alter nachweislich die Lebenserwartung und reduzierte das Sturzrisiko

So finden Sie den passenden Zielwert

Mit einer koronaren Herzerkrankung sollten Sie Ihren Blutdruck in regelmäßigen Abständen überprüfen, auch wenn sie keine der seltenen, aber typischen Beschwerden wie Kopfschmerzen bemerken. Bestätigt sich dann die Diagnose Bluthochdruck, hängt es von ihrem konkreten Alter und ihrer gesundheitlichen Verfassung ab, welcher Zielwert durch eine medikamentöse Therapie angestrebt wird.

Das bedeutet für Sie: Welche Medikamente zum Einsatz kommen und wie hoch sie dosiert werden, hängt nach heutigen Erkenntnissen von ihrer individuellen Reaktion darauf ab. Wenn Ihnen beispielsweise im höheren Alter durch die Therapie schneller schwindlig werden, spricht dies meist für eine geringere Dosis und einen höheren Zielwert des Blutdrucks. Denn es nützt Ihnen nichts, wenn Sie das Risiko für eine Demenz senken, aber schneller stürzen. Gleiches gilt für Nebenwirkungen von blutdrucksenkenden Medikamenten zum Beispiel Reizhusten, Allergien oder Verdauungsprobleme. Vertragen Sie die verordnete Therapie gut, spricht nichts gegen eine entschiedene Senkung des Blutdrucks. Den Zielwert sollten Sie aber nicht an pauschalen Empfehlungen orientieren, sondern immer individuell in Absprache mit Ihrer Arztpraxis festlegen.