In Deutschland muss bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein, ein Gynäkologe ist dagegen nur im Bedarfsfall hinzuzuziehen. Die Hebamme übernimmt im Normalfall weitestgehend die Betreuung während der Geburt.

Im folgenden Abschnitt finden Sie wichtige Informationen über die Arbeit von Hebammen und Ärzten im Rahmen der Geburtshilfe und darüber, mit welchen Geburtsstellungen und -hilfen Sie für sich und Ihr Baby eine sanfte Geburt ermöglichen können.

Hilfe bei Wehen

Senkwehen

Bei unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf erlebt die werdende Mutter die Senk- oder auch Vorbereitungswehen zu Hause. Senkwehen treten unregelmäßig und in größeren Abständen auf (alle zehn bis 15 Minuten). Sie werden durch Entspannung schwächer, Geburtswehen nehmen dagegen zu. Bei zunehmender Wehentätigkeit kann ein Vollbad mit angenehmer Wassertemperatur entspannend wirken.

Die Entscheidung, wann man die Geburtsklinik aufsucht beziehungsweise die Hebamme oder den Frauenarzt informiert, kann schwierig sein. Im Zweifelsfall sollte eher nicht gewartet werden.

Geburtswehen

Diese Phase der Geburt verbringen die meisten Frauen mit ihrem Partner heutzutage in einer Klinik oder Geburtspraxis. Hier stehen optimale Betreuungsmöglichkeiten für Mutter und Kind zur Verfügung.

Die Überwachung des Kindes erfolgt über den Wehenschreiber (CTG). Dabei ist eine Überwachung in regelmäßigen Abständen bei unauffälligen Herztönen völlig ausreichend. Mit der sogenannten Telemetrie steht eine Überwachungsform zur Verfügung, bei der das CTG über Funk übertragen wird. Die Mutter wird auf diese Weise in ihrer Bewegungsfreiheit nicht so stark eingeschränkt.

Die Hebamme oder der Arzt beurteilen durch regelmäßige vaginale Untersuchungen zu Beginn der Wehen etwa alle zwei Stunden den Geburtsfortschritt.

Während der Eröffnungsperiode kann und soll sich die werdende Mutter bewegen, umhergehen und die Wehenpausen so entspannt wie möglich verbringen. Hier kann sie die im Geburtsvorbereitungskurs erlernten Techniken einsetzen, das Veratmen des Wehenschmerzes und die Entspannung in den Wehenpausen.

Bei Einsetzen der Wehen sollte sie sich Halt suchen, stehen bleiben und sich an der Wand beziehungsweise einem in vielen Kreißsälen zu Verfügung stehenden Seil festhalten oder am Rücken des Partners abstützen. Eine möglichst runde Rückenhaltung ist dabei wichtig.

Weitere entspannende Positionen finden viele Frauen auf dem Pezzi-Ball, der schon während der Schwangerschaft eine günstige Sitzhaltung erlaubt, oder auf Gymnastikmatten. Der Partner kann den Rücken massieren und in der Wehe Druck auf das Kreuzbein ausüben. Die Hebamme kann ihm diesen Punkt zeigen.

Viele neue Gebärbetten bieten hilfreiche Halterungen und Einstellungsmöglichkeiten, die Positionswechsel während der Geburt ermöglichen. Der Gebärstuhl lässt sich als schwingender Sessel in horizontaler und vertikaler Ebene verstellen.

Das Wichtigste ist eine möglichst entspannte Haltung in den Wehenpausen. Die Badewanne kann sowohl während der Eröffnungsperiode als auch bei der Geburt ein wohltuendes Medium sein.

Entbindungspositionen

Bei unauffälligem Geburtsverlauf entscheidet die Gebärende selbst, wie und wo sie ihr Kind bekommen möchte. Moderne Kreißbetten sind mit vielen variablen Einstellungen ausgerüstet. Manche sind so breit, dass der Partner sich dazulegen und beispielsweise den Rücken seiner Frau stützen kann.

Im Bett müssen Sie nicht starr auf dem Rücken liegen, sondern Sie können auf der Seite, in Kniestellung oder in der Hocke Ihr Kind zur Welt bringen.

Der Gebärhocker

Auf dem Gebärhocker sitzt die Frau auf einem nierenförmigen, niedrigen, vierfüßigen Stuhl und lehnt an ihrem Partner. Die Hebamme kniet vor ihr. In dieser Position unterstützt die Schwerkraft die Austreibungsphase und die Frauen haben oftmals ein sehr gutes Gefühl für die Pressrichtung. 

Kreißbett

Das moderne Kreißbett ist elektrisch verstellbar und besteht aus drei Teilen, die jeweils separat bewegt werden können: einem Kopfteil, einem Mittelteil mit einer Aussparung für das Kind und einem Fußteil.

Für die Geburt ist es nicht unbedingt förderlich, im Bett zu liegen, weil in der horizontalen Lage die Schwerkraft nicht die Öffnung des Muttermundes unterstützen kann. Oft kann man daher das Bett zu einem Gebärstuhl oder -hocker umwandeln. In dieser Position kann sich der werdende Vater hinter die Schwangere setzen und sie halten, wenn sie es wünscht.

Wird eine Zangenentbindung oder Saugglockenentbindung notwendig, kann das Bett zusammengeschoben werden und die Beine können in seitlich befestigten Beinhaltern gelagert werden.

Der Dammschutz kann relativ einfach durchgeführt werden, weil die Arbeitshöhe für die Hebamme optimal ist. Für die abschließende Versorgung eines Dammschnitts oder -risses ist ein leichter Umbau des Bettes von Vorteil. Sollten Komplikationen auftreten, bei denen eine Narkose notwendig wird, kann diese auch im Kreißbett durchgeführt werden.

Mancher Kreißsaal bietet dem werdenden Elternpaar die Möglichkeit, zusammen in Kuschelecken oder Doppelbetten zu liegen. Diese fast private Atmosphäre fördert die Entspannung und kann somit die Geburt unterstützen. 

Wassergeburt

Geburtswannen für die Wassergeburt haben meist einen bequemen Einstieg und eingelassene Fußstützen. Sie sind größer als normale Badewannen und verfügen über einen speziellen Ausfluss, der im Notfall eine rasche Wasserentleerung der Wanne ermöglicht.

Eine Wassergeburt ist für jede Gebärende bei unauffälliger Schwangerschaft möglich. Voraussetzung sind ein normaler Geburtsverlauf, normale kindliche Herztöne und ein reifes Kind. Über die Möglichkeit einer Wassergeburt informiert die Hebamme und der betreuende Arzt.

Besonders nach vorangegangenen traumatisierenden Geburtsverläufen und großen Geburtsverletzungen hat die Wassergeburt einen positiven Effekt. Insgesamt ist die Zahl und Größe der Dammschnitte und Verletzungen in der Wanne geringer als bei einer konventionellen Geburt.

Das Neugeborene ist durch den sogenannten "Diving"-Reflex direkt nach der Geburt davor geschützt, Wasser einzuatmen. Der Reflex bewirkt, dass das Kind nicht atmet, solange es komplett von Wasser umgeben ist. Die geübte Hebamme hält das Neugeborene solange unter Wasser, bis es ganz geboren ist und legt es dann mit einer raschen Bewegung der Mutter auf die Brust.

Nach der Geburt ist darauf zu achten, dass das Kind nicht auskühlt. Warm-feuchte Handtücher können Mutter und Kind wärmen. Die Nachgeburtsphase kann in der Wanne oder im Kreißbett erfolgen. Die Wassergeburt bedeutet einen geburtshilflichen Fortschritt, da nicht nur die Sicherheit des Kindes unter der Geburt gegeben ist, sondern auch das Geburtserlebnis von Seiten der Frau als sehr positiv beurteilt wird.

Romarad

Das Romarad ist ein Geburtsgestell, in dem die Schwangere ihre liegende oder sitzende Position nach eigener Befindlichkeit selbst steuern kann. Es erinnert ein bisschen an ein Rhönrad mit gepolsterter Hängematte.

Der große Vorteil besteht nicht nur darin, dass die aufrechte Position ermöglicht wird, sondern auch in der Vorbeugung des Hohlkreuzes während der Geburt. In dem Sitz ist es nur schwer möglich, den Rücken zu überstrecken. Gleichzeitig können die Beine abgestützt oder in speziellen Laschen gelagert werden, sodass für die Schwangere in der Pressphase eine optimale Unterstützung gegeben ist.

Vierfüßlerstand

Von Naturvölkern ist die Gebärposition des Vierfüßlerstandes auch heute noch bekannt. Dadurch soll die Schwerkraft wirken und nach Möglichkeit das Hohlkreuz vermieden werden. Diese Entbindungsposition kann man auch im Kreißbett einnehmen. Sie hat den Vorteil, dass sich die Geburt in einer Höhe abspielt, in der zum Beispiel der Dammschutz gut durchgeführt werden kann.