Zu Infektionskrankheiten gehören Krankheiten, die durch einen Erreger hervorgerufen werden. Das können Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten sein. Dauer und Schwere der Infektionskrankheit hängen vor allem vom Erreger und der gesundheitlichen Verfassung des Erkrankten ab.

Chlamydieninfektion

Chlamydien sind Bakterien, die verschiedene Erkrankungen verursachen, unter anderem Entzündungen von Augenhorn- und Bindehaut und Harnröhre mit möglichen Komplikationen wie Eileiterentzündung.

Die Harnröhrenentzündung ist die über Geschlechtsverkehr am häufigsten übertragene Krankheit und wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Chlamydien-Infektion bezeichnet.

Symptome können vermehrter, gelbgrünlicher Ausfluss aus der Scheide und Brennen während des Wasserlassens sein. Es kann zu Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut und der Eileiter sowie im Bauchinneren zu Verwachsungen kommen. Eine verstärkte Darmtätigkeit kann sich in ziehenden Beschwerden äußern.

Es besteht der Verdacht, dass es bei einer Infektion mit Chlamydien in der Schwangerschaft vermehrt zu vorzeitigen Wehen beziehungsweise vorzeitigem Blasensprung und Frühgeburtlichkeit kommen kann. Nach der Entbindung können häufiger Entzündungen der Gebärmutter auftreten.

Chlamydien sind sexuell übertragbar. Mütter mit einer Chlamydieninfektion können ihre Kinder während der Geburt anstecken. Bei infizierten Kindern kann dies zu Augenentzündungen sowie in seltenen Fällen zu einer Lungenentzündung führen. Die Beschwerden machen sich sieben bis 21 Tage nach der Ansteckung bemerkbar.

Wird eine Chlamydien-Infektion rechtzeitig behandelt, sind in der Regel keine Folgeschäden zu erwarten. Ist es zu Unterleibsentzündungen mit anschließenden Verwachsungen gekommen, kann dies das befruchtete Ei daran hindern, durch den Eileiter in die Gebärmutter zu wandern.

Es ist wichtig, beide Partner auf eine Chlamydien-Infektion zu untersuchen und zu behandeln. Die Behandlung mit einem Antibiotikum (Tetrazyklin) erstreckt sich im Normalfall über einen Zeitraum von zwei Wochen. Bei Schwangeren muss auf ein anderes Antibiotikum, zum Beispiel Erythromycin, zurückgegriffen werden.

Hepatitis B

Der Begriff Hepatitis bezeichnet eine Entzündung des Lebergewebes. Die Hepatitis B ist eine durch bestimmte Viren hervorgerufene Leberentzündung.

Bei der Hepatitis B besteht die Gefahr einer Chronifizierung der Erkrankung. Das bedeutet, dass die Entzündung nicht ausheilt und die Viren die Leber fortlaufend schädigen. Durch den anhaltenden Entzündungsvorgang mit Zellschädigung, Reparaturversuch und Ersatz von funktionstüchtigem Lebergewebe durch Narbengewebe kommt es zu einer eingeschränkten Leberfunktion und Verhärtung sowie Verkleinerung der Leber.

Da die Leber ein zentrales Stoffwechselorgan ist, hat eine Funktionsstörung weitreichende Folgen. Das verhärtete Lebergewebe bedeutet einen höheren Widerstand für das durchfließende Blut. Es kann zu Stauungen des Blutes kommen, was zu Wassereinlagerungen und Krampfadern in verschieden Organsystemen führt.

Die Leber bildet auch Blutgerinnungsstoffe, die zur Blutstillung erforderlich sind. Blutungen aus Krampfadern, zum Beispiel der Speiseröhre, können rasch lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Langfristig kann die Hepatitis B zu einer bösartigen Veränderung des Lebergewebes (Leberkrebs) führen.

Die Infektion erfolgt über Blut und Körperflüssigkeiten. Damit besteht das Risiko einer Übertragung des Virus auf das Neugeborene bei der Geburt. Das Ansteckungsrisiko kann durch eine besonders sorgfältige Geburtsplanung und gegebenenfalls einen Kaiserschnitt reduziert werden.

Toxoplasmose?

Die Toxoplasmose ist eine weit verbreitete Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten (Toxoplasma gondii) hervorgerufen wird. Da dieser Parasit Säugetiere, Vögel und Menschen befällt, gehört die Toxoplasmose zu den Zoonosen, das sind zwischen Tieren und Menschen übertragbare Erkrankungen.

In der Regel ist die Krankheit harmlos, und die meisten Infektionen verlaufen ohne jegliche Krankheitszeichen. Gefährlich sind Infektionen mit Toxoplasma gondii in der Schwangerschaft, da sie das ungeborene Kind schädigen können. Auch für Menschen mit einer geschwächten körpereigenen Abwehr ist die Krankheit bedrohlich.

Die erstmalige Toxoplasmose-Infektion eines Erwachsenen verursacht normalerweise keine Beschwerden, sodass sie auch in der Schwangerschaft meistens unbemerkt bleibt. Vereinzelt treten Lymphknotenschwellungen (besonders am Hals), Fieber, grippeähnliche Symptome und Kopfschmerzen auf. Äußerst selten entwickelt sich eine Gehirnentzündung oder eine Entzündung am Auge.

Nach einer durchgemachten Toxoplasmose-Infektion besteht eine lebenslange Immunität. Für schwangere Frauen bedeutet das: Wenn sich eine Frau vor ihrer Schwangerschaft bereits mit Toxoplasma gondii infiziert hat und erkrankt ist, kann sie nicht erneut an Toxoplasmose erkranken, sodass in diesem Fall keine Gefahr für das Ungeborene besteht. Um eine schwangerschaftsrelevante Infektion auszuschließen, sollte der Zeitpunkt der Erstinfektion möglichst sechs Monate, aber mindestens sechs Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft gelegen haben.

Wann kann eine Infektion gefährlich werden?

Gefährlich ist vor allem die Erst-Infektion in der Schwangerschaft, da der Erreger über die Nabelschnur in den kindlichen Organismus gelangen kann. Eine Infektion in der Schwangerschaft kann zu schweren Schäden des Kindes und zu Früh- und Totgeburten führen.

Allerdings gehen nur etwa 30 bis 40 Prozent der Infektionen von der Mutter auf das Ungeborene über. In vier bis zehn Prozent dieser Fälle kommt es zu der gefürchteten angeborenen Toxoplasmose mit vielfältigen Missbildungen des Säuglings. Hierzu gehören eine Gehirnentzündung mit Wasserkopf (Hydrozephalus), Augenentzündungen und Verkalkungen im Gehirn, eine Vergrößerung von Leber und Milz, Gelbsucht, Herzmuskelentzündung, Lungenentzündung und eine geistige Behinderung.

Auch für abwehrgeschwächte Menschen birgt die Infektion große Risiken. Vor allem für Patienten, die eine Behandlung erhalten, die die Immunabwehr unterdrückt (zum Beispiel Chemotherapie bei Krebs) sowie für AIDS-Kranke kann die Toxoplasmose lebensbedrohlich werden. Es kann zu einer Gehirnentzündung (Hirntoxoplasmose) und dem Befall anderer Organe wie Herz, Leber oder Milz kommen. Unbehandelt kann die Toxoplasmose bei diesen Patienten innerhalb von wenigen Wochen tödlich verlaufen.

Wie kann man sich anstecken?

Der Erreger der Toxoplasmose vermehrt sich in den Zellen von Mäusen, Rindern, Schafen, Schweinen und Menschen und bildet dort infektiöse Zysten in der Muskulatur und in anderen Organen. Endwirt sind Katzen, die diese infektiösen Zysten (Oozysten) mit dem Kot ausscheiden. Die Zysten können Dauerstadien (Bradyzoiten) bilden, die viele Jahre lebensfähig sind und im Gehirn, im Auge und in der Muskulatur vorkommen.

Infektionswege für den Menschen sind:

  • Der Genuss von rohem oder nicht ausreichend durchgebratenem Fleisch infizierter Tiere. Mett und Schweinefleisch sind beispielsweise zu 25 Prozent mit Zysten infiziert.
  • Der Genuss von Nahrungsmitteln, die mit infektiösen Zysten kontaminiert sind (ungewaschenes Obst, Gemüse).
  • Aufnahme kontaminierter Erde (zum Beispiel bei der Gartenarbeit).
  • Der Kontakt mit erregerhaltigem Katzenkot, beispielsweise beim Reinigen des Katzenklos.

Die meisten Menschen wissen nicht, ob sie an einer Toxoplasmose erkrankt waren und womöglich durch Antikörperbildung vor einer weiteren Infektion geschützt sind. Im Alter von 40 Jahren hat jeder zweite Mensch Antikörper gegen Toxoplasma gondii.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Den besten Schutz vor Toxoplasmose bildet eine durchgemachte Erkrankung, da sich Antikörper gegen den Erreger bilden, die ein Leben lang im Organismus bleiben.

Schwangere und abwehrgeschwächte Patienten, die keine schützenden Antikörper besitzen, sollten sich durch folgende Maßnahmen vor einer Infektion schützen:

  • Verzicht auf den Verzehr von rohem oder ungenügend gebratenem Fleisch, also zum Beispiel rohes Mett oder Tartar. (Erhitzen mit einer Kerntemperatur von mindestens 50°C für mindestens 20 Minuten tötet den Erreger ab.)
  • Rohes Fleisch nur mit Handschuhen bearbeiten.
  • Gemüse und Obst vor dem Verzehr gut waschen.
  • Engen Kontakt zu Katzen und zu Katzenkot vermeiden.
  • Gartenarbeit nur mit Handschuhen durchführen.   

Wie wird eine Infektion festgestellt?

Die nach einer Infektion gebildeten Antikörper lassen sich durch eine Blutuntersuchung feststellen. Frauenärzte bieten diesen Bluttest an. Wenn Antikörper vorhanden sind, besteht ein weitgehender Schutz vor einer erneuten Infektion.

Außerdem ist der Erreger im Blut, aber auch in der Gehirnflüssigkeit (Liquor) direkt nachweisbar.

Vor der Geburt (pränatal) lässt sich das Erbmaterial von Toxoplasma gondii (Toxoplasmose-DNA) aus dem Fruchtwasser oder dem fetalen Blut gewinnen. Diese Untersuchung birgt allerdings einige Risiken vor allem für das Ungeborene. Deshalb nimmt sie der Arzt nur bei dringendem Verdacht auf eine Infektion und mögliche sich daraus ergebenden Konsequenzen vor. 

Für Toxoplasmose besteht eine eingeschränkte Meldepflicht, das bedeutet: Nach dem Infektionsschutzgesetz ist nur der direkte oder indirekte Erregernachweis bei einer Infektion, die im Mutterleib oder bei der Geburt erfolgt (sogenannte konnatale Toxoplasmose), nicht namentlich meldepflichtig. Diese Fälle werden an das Robert Koch-Institut gemeldet.

Wie wird eine Infektion behandelt?

In den meisten Fällen ist eine Behandlung der Toxoplasmose nicht erforderlich, da die Beschwerden gering sind und die Erkrankung nach kurzer Zeit von alleine ausheilt.

Eine Therapie mit Antibiotika ist in folgenden Situationen notwendig:

  • Toxoplasmose am Auge
  • Erst-Infektion in der Schwangerschaft
  • Aktive Toxoplasmose bei abwehrgeschwächten Menschen wie immunsupprimierte und AIDS-Patienten
  • Angeborene Toxoplasmose

Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien, aber auch Einzeller wie Toxoplasma gondii, abtöten oder ihre Vermehrung hemmen und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern.

Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika können allergische Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie Blutbildveränderungen auftreten. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.

Wird eine Erst-Infektion der Mutter in der Schwangerschaft festgestellt, so mündet diese nicht zwangsläufig in eine Infektion des Ungeborenen. Trotzdem wird der Frauenarzt die sofortige Therapie mit Antibiotika beginnen, um eine weitere Ausbreitung oder den Übergang der Infektion auf das Ungeborene zu verhindern.

Durch regelmäßige Antikörperbestimmung bekommt der Frauenarzt Informationen über den vermutlichen Infektionszeitpunkt und damit über die mutmaßliche Infektions- und Missbildungsgefahr für das Ungeborene. Bei Verdacht auf eine kindliche Infektion besteht die Möglichkeit, diese durch eine Nabelschnurblutuntersuchung abzuklären. Zusätzlich kann der Arzt durch Ultraschalluntersuchungen das Risiko einer kindlichen Missbildung näher eingrenzen.

Zikavirus

Die Weltgesundheitsorganisation ruft den Gesundheitsnotstand aus. Das Auswärtige Amt empfiehlt Schwangeren, Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen zu vermeiden. Auf dieser Seite finden Sie Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit, des Robert Koch- und des Bernhard-Nocht Instituts sowie des Auswärtigen Amtes auf einen Blick.

Das von Stechmücken übertragene Zikavirus hat sich laut WHO bereits in 25 Ländern Süd- und Mittelamerikas, der Karibik sowie in Ländern im Südpazifik und den Kapverdischen Inseln ausgebreitet. Und immer mehr Menschen stecken sich an: Alleine in Brasilien sind nach Expertenschätzungen seit dem ersten Auftreten des Virus im Jahr 2015 etwa eineinhalb Millionen Menschen infiziert.

Das Robert Koch Institut informiert

  • Welche Länder sind betroffen?
  • Wie wird das Zikavirus übertragen?
  • Wie groß ist die Gefahr, sich in Deutschland mit dem Virus zu infizieren?
  • Wie lässt sich eine Zikavirus-Infektion diagnostizieren?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen zum Zikavirus finden sie auf den Seiten des RKI:

Während Betroffene meist nicht einmal merken, dass sie infiziert sind, kann das Virus zu Fehlbildung von Kindern infizierter Frauen führen.

Empfehlung Auswärtiges Amt:

Schwangere sollten möglichst von nicht zwingend notwendigen Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen Abstand nehmen. Während einer unvermeidbaren Reise ist auf die konsequente Einhaltung persönlicher Mückenschutzmaßnahmen zu achten. Zum Beispiel:

  • lange bedeckende, möglichst helle Kleidung,
  • mehrmals täglich Auftragen von Repellentien auf unbedeckte Hautflächen,
  • Aufenthalt in mittels Klimaanlage und Fliegengitter mückensicheren Räumen bzw.
  • unter einem imprägnierten Moskitonetz.

Insbesondere schwangeren Reisenden wird eine Beratung durch einen Tropen- oder Reisemediziner mit Kenntnis der jeweiligen aktuellen epidemiologischen Situation vor Abreise dringend empfohlen.