Arzneimittelausgaben: 67,4 Millionen Euro Einsparpotenzial allein in Thüringen
Pressemitteilung aus Thüringen
Erfurt, 8. Mai 2026. Nach den Ausgaben für den Krankenhausbereich stehen Arzneimittel auf Platz zwei der größten Kostenblöcke für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) gibt es im Pharmabereich deutliche Einsparmöglichkeiten.
"Nach unseren Auswertungen ließen sich allein in Thüringen rund 67,4 Millionen Euro über alle gesetzlichen Kassen einsparen, wenn die Preise der 30 umsatzstärksten Medikamente auf internationalem Niveau lägen", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. "Für das gesamte Bundesgebiet liegt das Einsparpotenzial bei 4,37 Milliarden. Angesichts der finanziellen Lage der Gesetzlichen Krankenversicherung können wir es uns nicht mehr leisten, dass Medikamente fast in allen Industrienationen günstiger sind als in Deutschland."
1,9 Milliarden für Arzneimittel gesetzlich versicherter Menschen in Thüringen
Laut aktuellen Daten des GKV-Spitzenverbandes bekamen gesetzlich versicherte Thüringerinnen und Thüringer im Jahr 2025 Arzneimittel im Wert von rund 1,9 Milliarden Euro verordnet. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um vier Prozent, im Vergleich zu 2020 sogar um rund 23 Prozent. Statistisch gesehen wurden jeder gesetzlich versicherten Person im Freistaat im Jahr 2025 Arzneimittel im Wert von rund 985 Euro verschrieben.
Hohe Arzneimittelpreise schaffen allein keinen Standortvorteil
Die Pharmaindustrie argumentiert immer wieder, hohe Arzneimittelpreise würden Medikamentenforschung und -produktion in Deutschland sichern.
"Die Zahlen widerlegen dieses Argument eindeutig", sagt Dressel. "Der Anteil der Pharmaindustrie an der gesamten deutschen Wirtschaftskraft (nationale Bruttowertschöpfung, BWS) liegt bei circa 0,8 Prozent. Das ist im europäischen Vergleich lediglich Platz 7, obwohl Deutschland gleichzeitig die höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf in Europa verzeichnet. In einer global vernetzten Industrie führen hohe Arzneimittelausgaben nicht automatisch zu einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik. Sie belasten lediglich die Beitragszahlenden der GKV und die Gewinne der pharmazeutischen Unternehmen werden unverhältnismäßig."
Deutschland Spitzenreiter bei Arzneimittel-Ausgaben
Zum Vergleich: In Deutschland betragen die Arzneimittelausgaben pro Kopf und Jahr rund 720 Euro. In Dänemark stehen Pro-Kopf-Ausgaben von rund 270 Euro einem BWS-Anteil von 4,9 Prozent gegenüber.
Pharmabranche im Entwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu wenig berücksichtigt
Die FinanzKommission Gesundheit hat Ende März Vorschläge gemacht, wie die Finanzen der GKV stabilisiert werden können, u. a. um Spielraum für nötige tiefgreifende Reformen im Gesundheitssystem zu haben. Eine zentrale Forderung darin ist, zu einer einnahmenorientierten Ausgabenpolitik zurückzukommen, also nicht mehr Geld auszugeben, als der GKV durch Beiträge zur Verfügung steht. Unter Berücksichtigung der Kommissionsvorschläge hat das Bundeskabinett am 29. April einen Entwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen und ins weitere parlamentarische Verfahren gegeben.
"Die Pharmabranche ist im Gesetzentwurf deutlich zu wenig berücksichtigt. Und die Maßnahmen und damit das Einsparpotenzial bleiben erheblich hinter den Empfehlungen der Expertenkommission zurück", sagt Dressel.
Damit der dynamische Herstellerabschlag richtig wirken kann, müsse er auf einem erhöhten Abschlag aufsetzen. Zudem müssen die Leitplanken für die Nutzenbewertung neuer Medikamente und der Kombinationsabschlag erhalten bleiben.
Hinweis für die Redaktion
Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP.
Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt.
Ausführliche Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet zusammengefasst:
Factsheet Arzneimittelausgaben
Weitere Vorschläge der TK, um die GKV-Finanzen zu stabilisieren, finden Sie auf unserer Themenseite. Die Daten zu den Arzneimittelkosten der Gesetzlich Versicherten Thüringerinnen und Thüringer finden Sie unter www.gkv-gamsi.de. Die Statistik wird vom GKV-Spitzenverband veröffentlicht.