Erfurt, 6. März 2026. Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) und die Techniker Krankenkasse (TK) haben einen sogenannten Qualitätsvertrag zur Diagnostik und Therapie von Mangelernährung geschlossen. Damit sollen die Behandlungsqualität und der Behandlungserfolg besonders bei Patientinnen und Patienten in der Geriatrie, der Hämato-Onkologie sowie in der Strahlentherapie und der Gastroenterologie verbessert werden.
Bei Krebserkrankungen, bei Erkrankungen des Blutes bzw. der blutbildenden Organe und an Magen und Darm sowie im Alter ist die richtige Menge an Kalorien, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen von entscheidender Bedeutung. Gleichzeitig sind Studien zufolge 20 bis 30 Prozent der Patientinnen und Patienten bereits mangelernährt, wenn sie ins Krankenhaus kommen.

Zielgenauere Ernährung im Krankenhaus durch strukturiertes Vorgehen

"Der Vertrag mit der TK ermöglicht es uns, unsere Fachkräfte gezielt im Umgang mit Mangelernährung zu schulen und betroffene Patientinnen und Patienten entsprechend individuell zu beraten. Damit verbessern wir die Ernährungsversorgung unserer Patient:innen am UKJ nachhaltig.", sagt Dr. rer. nat. Viktoria Mathies (UKJ, Klinik für Innere Medizin II, Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie).

"Wir prüfen bei der vereinbarten Patientengruppe bereits bei Aufnahme, ob ein Risiko für eine Mangelernährung besteht. Ist dem so, erfassen wir den Ernährungszustand ausführlich, um während des Aufenthalts am UKJ eine individuelle Ernährungsberatung und -therapie zu ermöglichen. Eine unserer Aufgaben wird es sein sicherzustellen, dass die notwendige Ernährungstherapie auch nach der Entlassung fortgeführt wird.", so Dr. med. Kristin Häseler-Ouart (UKJ, Klinik für Geriatrie).

Im Rahmen des Qualitätsvertrags können diese Leistungen über speziell vereinbarte Zuschläge finanziert werden. Mangelernährung wird im interdisziplinären Austausch und in enger Abstimmung zwischen Ärztinnen und Ärzten, pflegerischem Personal und Ernährungsfachkräften begegnet.

Mangelernährung ist unterschätztes Gesundheitsrisiko

"Krankheitsbedingte Mangelernährung ist eines der am häufigsten unterschätzten Probleme des deutschen Gesundheitssystems. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) geht deutschlandweit von rund 55.000 vermeidbaren Todesfällen aufgrund von Mangelernährung pro Jahr aus - ein Fünftel der Krebstoten stirbt nicht an der eigentlichen Krebserkrankung, sondern daran, dass ihrem Körper nicht ausreichend Nährstoffe zugeführt werden", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. "Mit dem UKJ zusammen wollen wir deswegen jetzt in Thüringen erproben, wie wir dem mit geeigneten Maßnahmen begegnen können."

Der Erfolg der Maßnahmen wird vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) evaluiert. Darüber soll das Thema Mangelernährung langfristig in die medizinische Versorgung integriert werden.

Hinweis für die Redaktion

Ermöglicht wird der Qualitätsvertrag durch einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Er läuft zunächst gut zwei Jahre bis Dezember 2027. Der bundesweite Rahmen wird in der dazugehörigen Presseinformation erklärt.

Die TK versichert derzeit über 130.000 Menschen in Thüringen. 

Mehr zu Mangelernährung erfahren Sie im Interview mit Prof. Diana Rubin, Chefärztin im Zentrum für Ernährungsmedizin des Vivantes Humboldt-Klinikums und des Vivantes Klinikums in Berlin-Spandau und im Podcast zum Thema.