Das Projekt TeleDermatologie verfolgt das Ziel, die Behandlung von Patienten mit Hauterkrankungen durch multidisziplinäre, sektorenübergreifende und digitale Versorgungsstrukturen zu verbessern. Dazu wurde ein telemedizinisches Konsil zwischen Haus- und Fachärzten etabliert. Die Schwerpunkte liegen im Auf- und Ausbau telemedizinischer Strukturen. Gerade die Dermatologie bietet sehr gute Voraussetzungen, die Telemedizin zu nutzen. Die teilnehmenden Ärzte nutzen dafür eine App, die Veränderungen der Haut abbildet. Anschließend leiten sie die Daten an die Dermatologie der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) oder an kooperierende niedergelassene Dermatologen weiter. Von diesen Experten erhalten sie über die App anschließend eine konsiliarische Empfehlung zur weiteren Behandlung ihrer Patienten.

Das Versorgungsziel ist die Sicherstellung der Patientenversorgung bzw. dem Ausgleich des dermatologischen Facharztmangels im strukturschwachen Raum entgegenzuwirken. Bereits seit 2013 war es TK-Patienten möglich, eine poststätionäre Nachsorge über die DermaApp zu erhalten.

In eigener Sache

Im November 2019 wurde das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e.V. (DGTelemed) für den Telemedizinpreis 2020 nominiert. Das Projekt TeleDermatologie ist eins von acht Projekten, welches sich auf dem 10. Fachkongress am 13. und 14. Januar 2020 in Berlin vorstellen darf und die Chance, auf den Telemedizinpreis, hat. Die DGTelemed vergibt jährlich diesen Telemedizinpreis. Es werden damit Institutionen, Einzelpersonen oder interdisziplinäre Arbeitsgruppen bzw. Projektinitiativen ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße in der Telemedizin verdient gemacht haben. 

Die eingereichten Beiträge werden in zwei Stufen bewertet: Die Erstbewertung nimmt die Jury vor,  die sich aus Vertretern des DGTelemed-Vorstands und des wissenschaftlichen Beirates der Gesellschaft zusammensetzt. Sie entscheiden, welche sich auf dem Kongress dem Publikum zeigen dürfen. Die nominierten acht Bewerber stellen sich dann mit einer Poster-Ausstellung an beiden Tagen vor. Am zweiten Kongresstag wird das Projekt in einem Science Slams vorgestellt. Das anwesende Publikum ermittelt im Live-Voting den finalen Preisträger. Die Preisvergabe findet direkt im Anschluss statt.

Ausgangssituation

Bereits heute ist eine flächendeckende, dermatologische Versorgung von Patienten in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr sichergestellt. Wartezeiten für Termine von mehreren Monaten sind mittlerweile üblich. Gegenwärtig sind knapp 60 Hautärzte im Land niedergelassen. Diese können, gerade in der Fläche, die medizinisch erforderliche, dermatologische Versorgung nicht mehr im notwendigen und ausreichenden Maß anbieten. In Zukunft wird diese Problematik noch deutlich zunehmen. Zur Zeit sind die Hautarztpraxen im Land vor allem in Zentren und Mittelzentren (z. B. Rostock oder Schwerin) konzentriert. Gleichzeitig fehlen in ländlichen Gebieten, insbesondere im Osten und Süden des Landes, Dermatologen.

Beitrag zur Weiterentwicklung der Versorgung

Der Beitrag der neuen Versorgungsformen, die gesundheitliche Versorgung weiterzuentwickeln, wird durch die folgenden Aspekte gewährleistet:

  1. Die Verbesserung der Versorgungsqualität und die Reduktion von Versorgungsdefiziten: Die Implementierung und Nutzung der weiterentwickelten App kann zur langfristigen dermatologischen Versorgung der Patienten - insbesondere in ländlichen, strukturschwachen und vom Facharztmangel betroffenen Gebieten - beitragen.
  2. Die Verbesserung der Versorgungseffizienz durch Steuerung: Das bestehende Problemfeld, dass Hauterkrankungen häufig rezidivieren und erneut stationär versorgt werden, wird durch diese niedrigschwellige, interdisziplinär ausgerichtete und sektorenübergreifende, ambulante Versorgungsstruktur verbessert und dem Prinzip "ambulant vor stationär" gerecht.
  3. Die optimierte Zusammenarbeit zwischen den Versorgungsbereichen und Leistungserbringern: Durch gezielte Schnittstellenbildung und spezifische Handlungsempfehlungen werden vorhandene Potentiale effektiver genutzt. Außerdem werden dauerhaft, sektorenübergreifende Kompetenzen in der dermatologischen Patientenversorgung etabliert.
  4. Die Entwicklung fachlicher Kompetenzen: Die Rolle der Hausärzte wird durch das Versorgungsangebot gestärkt. Sie bilden in diesem Versorgungskonzept den Knotenpunkt in der Vernetzung zwischen Patienten und Spezialisten. Darüber hinaus können Leistungen von den Dermatologen an die Hausärzte delegiert werden. Dadurch können die dermatologischen Kompetenzen weiter verbessert werden.

Übertragbarkeit der Erkenntnisse

Die teledermatologische Behandlung wird in Mecklenburg-Vorpommern modellhaft angewandt. Eine Adaption auf andere Regionen mit ländlichem Charakter ist möglich. Die dermatologische Behandlung via Telemedizin ist weder an Ort und Zeit gebunden. Auch eine Übertragbarkeit auf andere Indikationen ist möglich. Dabei stellt die Abbildbarkeit einer Erkrankung die einzige Voraussetzung dar.

Evaluation

Mitte dieses Jahres startet die wissenschaftliche Evaluation des Projektes. Untersuchungsgegenstand ist die Messung, inwiefern sich die Qualität der dermatologischen Patientenversorgung in Mecklenburg-Vorpommern durch eine telemedizinische Mitbetreuung via App verbessert. Derzeit sind insgesamt 97 niedergelassene Hausärzte aus dem ambulanten Sektor, acht Notaufnahmen aus dem stationären Sektor und eine Rehaklinik aus dem Rehabilitationssektor an das System angeschlossen und nutzen die App. Das Ziel in diesem Jahr ist, weitere Ärzte aktiv anzusprechen. Weitere Informationen finden interessierte Ärzte auf der Projektseite.

Am 28. Februar 2021 endet das Projekt TeleDermatologie. 

Bezugnehmend auf diese Fragestellung werden folgende Hypothesen überprüft:

  1. Die Rate an Überweisungen vom Hausarzt an den Dermatologen kann durch den Einsatz der App reduziert und die Qualität der Versorgung verbessert werden. Die Fälle für die persönliche Behandlung werden somit auf schwere Fälle konzentriert.
  2. Die durchschnittliche Wartezeit der Patienten nimmt ab.
  3. Die Zufriedenheit der Patienten bzw. der behandelnden Ärzte mit der Organisationsform und dem Therapieergebnis steigen.
  4. Der Kostenaufwand für die dermatologische Versorgung mit der App ist geringer als ohne die Anwendung des Telekonsils.

Die Evaluation ist als Methodenmix konzipiert. Dabei wird zum einen auf Routinedaten der Krankenkassen zurückgegriffen und zum anderen, sollen Patienten und Ärzte befragt werden. Die Evaluation der App-Anwendung erfolgt in zwei Szenarien:

  1. In der Pilotphase erfolgt eine einarmige Kohortenstudie mit einer Interventionsgruppe. Dabei erfolgt die Weiterentwicklung, Testung und Implementierung der App mit dem Fokus der Evaluation auf die qualitative Erhebung bezüglich der Akzeptanz und des Nutzens seitens der Leistungserbringer und der Patienten.
  2. In der Projektphase erfolgt eine dreiarmige Kohortenstudie für den Vergleich der zweiten Kohortenstudie mit zwei Kontrollgruppen. Des Weiteren erfolgt dann der Technik-Roll-Out und die Anwendung der App im Rahmen der dermatologischen Versorgung.

Das Ziel ist die Evaluation von versorgungsrelevanten Endpunkten. 

Umsetzungspotential

Durch die leicht adaptierbare und gute Skalierbarkeit hat dieses Projekt großes Potential für die Übernahme in die Regelversorgung. Sofern Patienten kurzfristig keinen Termin bei Dermatologen erhalten, müssen sie nun nicht zwangsläufig eine Klinik aufsuchen. Sie können sich an ihren bereits behandelnden Hausarzt wenden und werden mittels Telekonsile trotzdem parallel von Spezialisten beraten bzw. behandelt. Darüber hinaus können mögliche Versorgungsdefizite ausgeglichen werden. So wird ein Beitrag zu einer ökonomischen Krankheitsversorgung geleistet.

Konsortialpartner

Die Konsortialpartner des Innovationsfondsprojektes sind die Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH Neubrandenburg (Infokom) und das Institut für angewandte Versorgungsforschung GmbH (inav).

Zum Hintergrund

Aus dem von der Bundesregierung aufgelegten Innovationsfonds werden von 2016 bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro (Anmerkung: 225 Mio. Euro für neue Versorgungsformen und 75 Mio. Euro für Versorgungsforschung) an förderungswürdige Projekte vergeben. Ziel ist es, die qualitative  Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland weiterzuentwickeln. Besonders innovative und sektorenübergreifende Projekte werden gefördert. Das Projekt TeleDermatologie  hat vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in der ersten Förderwelle des Innovationsfonds den Zuschlag erhalten. 

Die Mittel kommen von den gesetzlichen Krankenkassen sowie aus dem Gesundheitsfonds. Sie werden vom Bundesamt für Soziale Sicherung verwaltet. Angesiedelt ist der Innovationsfonds beim G-BA. Von den insgesamt 120 eingereichten Anträgen zur ersten Förderwelle im Bereich der neuen Versorgungsformen entschied der Innovationsauschuss die Förderung von 29 Projekten.