40 Prozent der Niedersachsen haben Probleme einen Arzt zu finden
Position aus Niedersachsen
Annette Hempen stellt in ihrem Kommentar fest: bei der geplanten Einführung eines Primärversorgungssystems muss gelten "digital vor ambulant vor stationär".
Die derzeit laufende gesundheitspolitische Diskussion über die Einführung eines Primärversorgungssystems stellt einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung unserer ambulanten Versorgung dar. Auch in Niedersachsen stehen wir vor der Herausforderung, die Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht durch das Versorgungssystem zu begleiten und zeitgleich die haus- und fachärztlichen Strukturen zu stärken. Die zwei Schlüsselfaktoren dabei sind aus TK-Sicht zum einen das Vorhandensein guter digitale Prozesse und zum anderen eine verbesserte Aufgabenteilung.
Eine Hausarztpflicht greift zu kurz
Für uns als TK-Landesvertretung Niedersachsen ist klar: Eine reine Pflicht, zuerst einen Hausarzt oder eine Hausärztin aufzusuchen, greift zu kurz, wenn nicht zugleich die geeigneten Werkzeuge und Unterstützungsstrukturen vorhanden sind, um Patientinnen und Patienten tatsächlich bedarfsgerecht zu begleiten. Wichtig ist uns, dass die Versorgung sowohl medizinisch sinnvoll als auch praktikabel für alle Versicherten bleibt. Dazu gehört aus unserer Sicht, dass bereits vor einem Arzttermin eine medizinische Ersteinschätzung erfolgt. Die Ersteinschätzung sollte aus Sicht der TK ärztlich entwickelt werden und an allen Zugangspunkten ins System verfügbar sein, also digital per App, aber auch am Praxistresen, telefonisch oder in der Notaufnahme.
Annette Hempen
Nur so lässt sich vermeiden, dass Patientinnen und Patienten unnötige Wege gehen, ohne dass im Vorfeld klar ist, ob zum Beispiel ein Facharztbesuch tatsächlich notwendig ist. Die TK-Position "digital vor ambulant vor stationär" unterstreicht diese Vorgehensweise.
69 Prozent wollen Ersteinschätzung
In Niedersachsen sehen wir bereits heute in Ergebnissen einer aktuellen Forsa-Umfrage, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, bei gesundheitlichen Beschwerden den richtigen ersten Ansprechpartner im System zu finden - fast 40 Prozent der Befragten geben an, Probleme bei der Arztsuche zu haben. Zeitgleich stößt die Idee einer Ersteinschätzung in Niedersachsen auf Zustimmung. 69 Prozent der Befragten können sich vorstellen, eine Ersteinschätzung zu nutzen. Gemeinsam mit den anderen Akteuren im Gesundheitswesen in Niedersachsen wollen wir uns als TK dafür einsetzen, dass die Patientinnen und Patienten auch in Zukunft gut durch das Gesundheitssystem begleitet werden. So kann eine zeitgerechte Versorgung zum Wohle der Versicherten verbessert und gewährleistet werden.