TK: An der Universität Leipzig gibt es das Wahlfach "Praxismanagement". Welche Inhalte vermitteln Sie dort - und welches Feedback erhalten Sie von Studierenden, die sich später für eine Niederlassung entschieden haben?

Dr. Thomas Mundt: Das Wahlfach gibt es seit etwa 15 Jahren. Es wird von einem Kollegen geleitet, der ursprünglich aus den Wirtschaftswissenschaften kommt und sich seit vielen Jahren mit der ärztlichen Niederlassung beschäftigt. Es werden darin alle wichtigen Fragen rund um die Gründung, Übernahme und Führung einer Praxis behandelt. Dazu gehören die Zulassung, Finanzierung, Rechtsformen, Kooperationen, Abrechnung, Steuern, Praxismarketing, Zusatzqualifikationen, Praxisbewertung und Teamarbeit. Das Wahlfach ist sehr gefragt und wird gut bewertet. Viele Studierende sagen, dass sie mit diesen Themen im Studium sonst kaum in Berührung kommen. Wir möchten Unsicherheiten abbauen und einen realistischen Eindruck von der ambulanten Arbeit vermitteln - auch davon, welche Verdienstmöglichkeiten eine Niederlassung bietet. Einige ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten heute ambulant, darunter auch Hausärztinnen und Hausärzte.

Dr. Thomas Mundt

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Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Praxis in Delitzsch und ärztlicher Leiter des KWASa-Standorts Leipzig

TK: Mit dem Programm LEIKA - dem Leipziger Kompetenzpfad Allgemeinmedizin - begleiten Sie Studierende bereits früh auf ihrem Weg in die ambulante Versorgung. Wie funktioniert das Programm, mit welcher Motivation wurde es gegründet und wie hat sich die Teilnahme in den vergangenen Jahren entwickelt?

Dr. Mundt: LEIKA ist ein freiwilliges Förderprogramm für Medizinstudierende ab dem 1. Semester während des gesamten Studiums. Pro Studienjahr gibt es bis zu 40 Plätze, die in der Regel vollständig belegt sind. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhält eine Patenpraxis. Dort hospitieren die Studierenden mindestens zwei Tage pro Semester, können aber auch länger bleiben oder später eine Famulatur absolvieren. Durch das Eins-zu-eins-Mentoring entsteht oft eine enge und langfristige Beziehung zu den Hausärztinnen und Hausärzten vor Ort. Zusätzlich bietet die Universität Seminare an, zum Beispiel zur Niederlassung. Die Studierenden lernen auch praktische Fertigkeiten wie Blutabnehmen und andere Tätigkeiten für die hausärztliche Praxis. Die Patenpraxen liegen in Leipzig und in vor allem auch in vielen ländlichen Regionen. Seit 2022 werden auch Studierende der Landarztquote in das Programm aufgenommen, damit sie besonders früh begleitet werden.

TK: Viele Praxisinhaberinnen und -inhaber stehen irgendwann vor der Herausforderung, eine Nachfolge zu finden. Was sollten sie bei der Planung und Gestaltung dieses Übergangs bedenken, und wie können sie potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger frühzeitig auf sich und ihre Praxis aufmerksam machen?

Dr. Mundt: Das wichtigste Wort ist: frühzeitig. Praxisinhaberinnen und -inhaber sollten sich möglichst zehn Jahre vor dem Ruhestand mit der Nachfolge beschäftigen - nicht erst ein oder zwei Jahre vor der Praxisaufgabe. Gute Erfahrungen machen wir mit Praxen, die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung beschäftigen und sich an der studentischen Lehre beteiligen, weil man da einfach die Möglichkeit hat, mit zahlreichen jungen Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu kommen. Und da kann durchaus auch jemand dabei sein, der sich vorstellen kann, auch zukünftig in der Praxis weiter zu arbeiten oder diese sogar zu übernehmen. 

Das ist eigentlich das Erfolgsmodell schlechthin. Viele Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung aus der Großstadt sind bereit, in eine ländliche Region zu fahren. Eine Fahrzeit von etwa 45 Minuten ist oft noch akzeptabel; bei längeren Strecken wird es schwieriger. Wer frühzeitig in Weiterbildung und Lehre investiert, kann sich über die Jahre ein Netzwerk aufbauen und dadurch leichter eine Nachfolge finden.

TK: Die Region Torgau gilt seit dem 1. Juli 2026 nicht mehr als unterversorgtes Gebiet. Welche Rolle haben dabei die verschiedenen Förder- und Begleitangebote sowie die Zusammenarbeit zwischen Lehrpraxen, Nachwuchsmedizinerinnen und -medizinern und den regionalen Akteuren gespielt - und was lässt sich daraus für andere ländliche Regionen ableiten?

Dr. Mundt: Ich habe die Entwicklung in Torgau über längere Zeit verfolgt. Dass die Region nicht mehr als unterversorgt gilt, dazu haben verschiedene Akteure beigetragen. Vor Ort wurden ein Ärztenetz und ein Weiterbildungsverbund gegründet. Besonders engagiert war da von Anfang an  Frau Dr. Hönigschmid aus Torgau. Wir vom Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Sachsen, dem KWASa, haben die Region unterstützt und Kontakte nach Leipzig und zu weiteren Weiterbildungsverbünden hergestellt. Der Leipziger Weiterbildungsverbund vermittelte Ärztinnen und Ärzte für Weiterbildungsabschnitte nach Torgau. 

Einige sind anschließend dort geblieben oder später bewusst in die Region gegangen. Sie waren bereit, eine längere Strecke zu fahren, weil sie in Torgau eine gute Weiterbildung und persönliche Betreuung bekommen haben. Wichtig waren auch die vielen Lehrpraxen, die sich in studentischer Lehre engagierten und vor allem das große persönliche Engagement vieler Ärztinnen und Ärzte vor Ort. 

Zusätzlich wurden neue Versorgungsmodelle entwickelt, zum Beispiel ärztlich geführte Medizinische Versorgungszentren und Anstellungen in bestehenden Praxen. So können junge Ärztinnen und Ärzte zunächst einsteigen, ohne sofort eine eigene Praxis gründen bzw. direkt übernehmen zu müssen. Für andere ländliche Regionen zeigt das Beispiel Torgau: Wenn regionale Akteure eng zusammenarbeiten, Nachwuchs frühzeitig angesprochen wird und eine gute Weiterbildung mit persönlicher Begleitung angeboten wird, kann die ärztliche Versorgung nachhaltig gestärkt werden.