Landarztpraxis ja – wenn die Rahmenbedingungen stimmen: Was Medizinstudierende sich wünschen
Pressemitteilung aus Sachsen
Dresden, 6. August 2026. Medizinstudierende in Sachsen stehen einer eigenen Niederlassung - auch im ländlichen Raum - grundsätzlich offen gegenüber, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das zeigt eine exemplarische Befragung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) von Medizinstudierenden an sächsischen Hochschulen. 71 Prozent der Befragten können sich vorstellen, sich zukünftig niederzulassen, 21 Prozent sind unentschlossen, 8 Prozent lehnen eine Niederlassung ab. Die Ergebnisse dieser Stichprobe zeichnen ein Stimmungsbild der Einstellungen der Studierenden.
Funktionierende Infrastruktur ist wichtig
Dr. Stefan Windau, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen, erklärt zur aktuellen Versorgungssituation: "Der tiefgreifende demografische Wandel, welcher sich auch in der Ärzteschaft zeigt, erschwert insbesondere in den ländlichen Regionen Sachsens die Nachbesetzung von Arztpraxen. Die Förderung der Weiterbildung sowie der vertragsärztlichen Tätigkeit ist hier ein Baustein, um auch zukünftig eine flächendeckende ambulante Versorgung zu gewährleisten. Entscheidend sind jedoch auch gesamtgesellschaftlich funktionierende Infrastrukturen in den Regionen."
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben im Fokus
Für fast alle der befragten Studierenden (98 Prozent), die sich eine Niederlassung vorstellen können oder noch unentschlossen sind, ist eine gute Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben als Motiv für eine eigene Praxisgründung besonders wichtig. Weiterhin relevant sind für die jungen Menschen eine flexiblere Gestaltung und verlässlich planbare Arbeitszeit (95 Prozent), weniger Bereitschafts-, Nacht- und Wochenenddienste (88 Prozent) und mehr Zeit für die Behandlung der Patientinnen und Patienten (78 Prozent).
Vorbereitung auf Niederlassung schon im Studium
Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass sich 92 Prozent der Studierenden eine gezielte Vorbereitung auf die Niederlassung bereits im Medizinstudium wünschen. Insbesondere rechtliche, betriebswirtschaftliche und administrative Themen zu einer eigenen Praxis sind für sie von Relevanz. Ein Blick nach Bayern zeigt mögliche Ansätze: Das Wahlfach "Ohne Sorge in die Niederlassung" wird bereits an den Universitäten München, Erlangen und Würzburg angeboten. Studierende befassen sich dort mit betriebswirtschaftlichen Themen aus der Perspektive von Praxisinhaberinnen und -inhabern. "Ein ähnliches Angebot an den medizinischen Fakultäten in Sachsen könnte dazu beitragen, Bedenken der Studierenden zu reduzieren und ihnen mehr Sicherheit für den Schritt in die Selbstständigkeit zu geben", sagt Alexander Krauß, Leiter der TK-Landesvertretung Sachsen.
Landarztpraxis unter bestimmten Bedingungen
Die befragten Studierenden geben an, dass der ländliche Raum nicht zu ihren bevorzugten Niederlassungsregionen zählt. Aber nur für 19 Prozent der Stichprobe ist eine Niederlassung in einer ländlichen Region unter keinen Umständen eine Option. Eine gute Verkehrsanbindung, die Nähe zu einer größeren Stadt, eine verlässliche medizinische Infrastruktur, finanzielle Unterstützung sowie Angebote wie Schule und Kindergarten am Ort werden am häufigsten als Bedingungen genannt, um zukünftig in einer ländlichen Region zu arbeiten. Alexander Krauß: "Die bundeslandspezifischen Programme wie Stipendien oder Zuschüsse zur Praxisgründung sind wichtig und werden von den Studierenden ausdrücklich nachgefragt. Politik und Selbstverwaltung sollten diese Angebote fortführen und gezielt ausbauen. Genauso entscheidend ist aber, dass ländliche Kommunen ihre Standortvorteile sichtbar machen: Eine gute Infrastruktur, Unterstützung bei Praxisgründung und Wohnungssuche sowie verlässliche Bildungsangebote für Kinder können den Ausschlag geben, damit sich junge Ärztinnen und Ärzte dauerhaft für eine Niederlassung vor Ort entscheiden."
Hinweis für die Redaktion
Die Befragung entstand im Rahmen einer Praktikumsarbeit bei der Techniker Krankenkasse in Kooperation mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Die Erhebung wurde im November und Dezember 2025 durchgeführt. 63 Studierende der Humanmedizin in Sachsen haben daran teilgenommen. Sie sind im Durchschnitt 25 Jahre alt, überwiegend weiblich und stammen mehrheitlich aus dem Bundesland Sachsen.