Dresden, 30. Juli 2026. Die Digitalisierung der Krankenhauslandschaft in Deutschland kommt voran. Sachsen liegt im Bundesvergleich vorn. Das zeigt die dritte Erhebung des Konsortiums "DigitalRadar Krankenhaus" im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Mit einem durchschnittlichen digitalen Reifegrad von 60,3 von 100 Punkten belegt Sachsen Platz eins unter den Bundesländern, gefolgt von Berlin mit 59,4 Punkten. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 55 Punkten, das berichtet die Techniker Krankenkasse (TK).

"Die Digitalisierung der sächsischen Kliniken macht erfreuliche Fortschritte - jetzt muss sie konsequent bei den Patientinnen und Patienten ankommen und über die Grenzen einzelner Einrichtungen hinauswirken", sagt Alexander Krauß, Leiter der TK-Landesvertretung Sachsen. "Unser Ziel ist ein digital vernetztes Gesundheitswesen, in dem Daten aus dem Krankenhaus strukturiert in der elektronischen Patientenakte liegen und nahtlos in der Praxissoftware der Hausärztin oder des Hausarztes nutzbar sind."

Sächsische Kliniken legen um 73 Prozent zu

Bundesweit hat sich der DigitalRadar-Score seit dem Start des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) im Jahr 2020 deutlich erhöht: von 33,3 Punkten im Jahr 2021 auf nun 55 Punkte. Das entspricht einem Zuwachs von rund 65 Prozent; bei sächsischen Kliniken beträgt die relative Verbesserung rund 73 Prozent. Insgesamt nahmen an der dritten Erhebung 1.531 Krankenhäuser teil, darunter alle sächsischen Kliniken.

Zu den besonders fortgeschrittenen Einrichtungen zählen auch die sächsischen Sana-Kliniken, etwa das Lausitzer Seenland Klinikum und die Sana Kliniken Landkreis Leipzig, die beim digitalen Reifegrad über dem Bundesdurchschnitt liegen. "In den vergangenen Jahren haben wir im Rahmen des KHZG intensiv in das Digitalisierungsniveau, die technische Ausstattung und IT-Sicherheit investiert: So haben wir beispielsweise mit Einführung der digitalen Patientenakte die interdisziplinäre Zusammenarbeit gestärkt, die Dokumentationsqualität verbessert sowie über ein digitales Monitoring der Antibiotika-Therapie die Patientensicherheit erhöht. Diese und viele weitere Maßnahmen greifen bereits jetzt ineinander und bilden die Grundlage für eine moderne, strukturierte, intraoperable Patientenversorgung der Zukunft", sagt Dr. Roland Bantle, Cluster-Geschäftsführer Sana Kliniken Sachsen. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass eine nachhaltige Entlastung des Personals durch Digitalisierung eine Herausforderung bleibt und Prozessoptimierungen künftig stärker in den Förderfokus rücken müssen."

Digitalisierung stärker in Behandlung spürbar machen

Der digitale Reifegrad wird in sieben Dimensionen gemessen und basiert auf der Selbsteinschätzung der Krankenhäuser. Die aktuelle Auswertung zeigt, dass in allen Bereichen Fortschritte sichtbar sind. Die technischen und organisatorischen Strukturen sind digitaler, das Krisen- und Risikomanagement sowie die Leistungsfähigkeit der Systeme haben sich verbessert und klinische Abläufe werden immer häufiger digital unterstützt. Gleichzeitig wird deutlich, dass der digitale Reifegrad von Nutzung digitaler Anwendungen im Patientenalltag und Einbindung der Patientinnen und Patienten - etwa über Portale, Telemedizin oder digitale Formulare - weiter gestärkt werden müssen.

212 Millionen für sächsische Kliniken

Bundesweit stehen den Krankenhäusern aus dem Krankenhauszukunftsfonds 4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung zur Verfügung; 1,3 Milliarden Euro werden von den Bundesländern bereitgestellt. In Sachsen fließen 212 Millionen Euro in digitale Projekte der Kliniken.

Hinweis für die Redaktion

Das Konsortium "DigitalRadar Krankenhaus" - bestehend aus HIMSS Europe, inav - Institut für angewandte Versorgungsforschung, Lohfert & Lohfert, dem RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Universität St. Gallen - wurde 2021 vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragt, den digitalen Reifegrad deutscher Krankenhäuser systematisch zu erfassen. Die große Zahl erneut teilnehmender Krankenhäuser ermöglicht eine belastbare Betrachtung der Entwicklungen über die Zeit. 

Der DigitalRadar zählt international zu den umfassendsten längsschnittlich angelegten Reifegradmessungen des digitalen Entwicklungsstandes von Krankenhäusern und erlaubt eine nahezu flächendeckende Betrachtung der Digitalisierung in Deutschland. Die Ergebnisse dienen als datenbasierte Grundlage für die weitere Ausgestaltung der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die bisher veröffentlichten Berichte des DigitalRadars sind hier abrufbar.