Medizinische Ersteinschätzung: Wann wird welcher Arzt gebraucht?
Artikel aus Thüringen
Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen: Sollte sich das eine Ärztin ansehen? Oder brauche ich nur Tee, Wärmflasche und Bettruhe? Sollte ich mit meinen Rückenschmerzen zum Orthopäden oder zum Hausarzt?
Die Suche nach einer passenden medizinischen Versorgung ist für viele Menschen in Thüringen herausfordernd. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der TK sagten 42 Prozent der Befragten, dass es ihnen schwer oder sogar sehr schwer falle, bei neuen gesundheitlichen Beschwerden die passende Ärztin oder den passenden Arzt zu finden.
Schwierigkeiten, die passende Arztpraxis zu finden
Ärztinnen und Ärzte sind Hauptinfoquelle bei Arztsuche
Suchen Menschen dann die passende Facharztrichtung, sowie eine geeignete Arztpraxis für ihr Anliegen, fragt der größte Teil direkt bei seinem Arzt oder seiner Ärztin nach. Fast neun von zehn Menschen in Thüringen (87 Prozent) sagten das bei der Forsa-Befragung. Familie und der Bekanntenkreis (68 Prozent) und Webseiten von Arztpraxen (37 Prozent) liegen auf Platz zwei und drei der genutzten Informationsquellen.
Auffällig ist, dass Erwerbstätige sich sowohl häufiger bei Familie und Bekannten umhören als nicht-Erwerbstätige (73 Prozent versus 61 Prozent) als auch häufiger auf Webseiten recherchieren (42 Prozent versus 31 Prozent). Ein Grund dafür könnte sein, dass sie Arztpraxen weniger gut telefonisch erreichen.
Informationsquellen bei Arztsuche
Systematische Navigation durch medizinische Versorgung
Dem würde mit einer zentrale Anlaufstelle bei neuen medizinischen Problemen in Form einer standardisierten Ersteinschätzung begegnet werden. Sie würde den Hilfesuchenden zielgenaue Orientierung geben. Zudem würde das Ärztinnen und Ärzte entlasten, deren wertvolle Zeit für anderes genutzt werden könnte als die Hilfe bei der Arztsuche.
"Wichtig ist, dass die Einschätzung überall gleich ausfällt. Egal, ob ich bei der 116117 anrufe, in der Arztpraxis am Tresen stehe oder die Einschätzung digital in der Kassen-App durchführe. Wenn ich zum Beispiel mit der medizinischen Fachangestellten spreche, muss ich noch nicht einmal merken, dass sie sich im Hintergrund durch ein standardisiertes System navigiert. Aber sie sollte es tun", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.
Der erste Kontakt zum Gesundheitssystem bei einer neuen Beschwerde und die Entscheidung, wann ich wo versorgt werden, würden mit so einem System einheitlichen Kriterien folgen. Die sollten immer die medizinisch gebotene Behandlung sein. Aus diesem Grund muss die Ersteinschätzung von Ärztinnen und Ärzten entwickelt werden. Mit Systemen wie SmED, das zum Beispiel die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen im ärztlichen Bereitschaftsdienst seit 2019 erfolgreich nutzt, gibt es dafür bereits eine sehr gut erprobte Basis.
61 Prozent können sich vorstellen, medizinische Ersteinschätzung zu nutzen
Die TK und inzwischen auch viele andere plädieren dafür, einem Primärversorgungsmodell, das zentrales Ziel der Bundesregierung ist, eine verpflichtende digitale bzw. digitalgestützte Ersteinschätzung voranzustellen. Je nachdem, wo man diese durchläuft, sollte die Ersteinschätzung nach Ansicht der TK mit einer einheitlichen digitalen Terminplattform gekoppelt sein. An diese würden Arztpraxen ein festes Kontingent freier Termine melden. Dann bräuchte es nicht zwingend den Anruf beim Arzt, um den passenden Termin zu bekommen.
Ersteinschätzung nutzen
"Passender Termin" impliziert, dass er nicht zwangsläufig beim Hausarzt stattfinden muss, der dann weitervermittelt. Vielleicht ist ein direkter Termin beim Facharzt medizinisch geboten. Je nach Beschwerden könnte auch eine Beratung durch medizinisches Fachpersonal sinnvoll sein, als erster Schritt Bettruhe oder - das andere Ende der Dringlichkeitsskala - ein Notarzt.
Ein Großteil der Menschen in Thüringen, nämlich 61 Prozent, kann sich laut Forsa-Befragung vorstellen, eine solche Ersteinschätzung zu nutzen.
Zum Hintergrund
Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa vom 25. September bis 21. Oktober 2025 insgesamt 500 Personen ab 18 Jahre bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Thüringen. Die ausführlichen Forderungen der TK finden Sie auf der dazugehörigen Themenseite
"Zukunft der ambulanten Versorgung"
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