Die sehr gute Nachricht: 90 Prozent der Menschen in Thüringen sind laut einer repräsentativen Befragung mit der hausärztlichen Versorgung mindestens zufrieden. In einer telefonischen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der TK im Freistaat durchführte, sagten 42 Prozent der Befragten, sie seien sehr zufrieden, 48 Prozent sie seien zufrieden.

Top Bedingungen für Hausärztinnen und Hausärzte in Thüringen

Gleichzeitig reicht ein kurzer Blick in die Thüringer Medien, um zu wissen, dass diese Einschätzung kein Selbstläufer ist. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT), der Landesregierung, von Landkreisen, Gemeinden und anderer Akteure im Gesundheitssystem für eine flächendeckende Hausarztversorgung.
Alle Verantwortlichen arbeiten kontinuierlich daran, dass es weder einen realen noch empfundenen Mangel gibt.

Die Bewerbungsphase für die ersten Menschen, die über die sogenannte "Landarztquote" studieren möchten, läuft gerade aus. Sie ermöglicht ein Medizinstudium ohne den Numerus clausus, wenn die Studentinnen und Studenten dafür in dünn versorgten Regionen Thüringens als Haus- oder Zahnärztin beziehungsweise Zahnarzt tätig werden. Einige Landkreise zahlen für das gleiche Versprechen während des Medizinstudiums bis zu 1000 Euro Stipendium im Monat. Die KVT unterstützt u. a. mit Sicherstellungspraxen und verschiedenen Niederlassungsberatungen.

Für Erwerbstätige wird es zur Herausforderung, ihre medizinische Versorgung zu organisieren

64 Prozent der befragten Thüringerinnen und Thüringer sind auch mit der Versorgung mit spezialisierteren Fachärztinnen und -ärzten mindestens zufrieden (24 Prozent "sehr zufrieden", 40 Prozent "zufrieden").

Allerdings gab es bei den Antworten zu dieser Frage einen signifikanten Unterschied zwischen Erwerbstätigen und nicht Erwerbstätigen. Erwerbstätige sind deutlich weniger zufrieden, nämlich 58 Prozent der Befragten. Bei den nicht Erwerbstätigen gaben 70 Prozent an, mit der fachärztlichen Versorgung sehr zufrieden oder zufrieden zu sein. 

Ein Grund dafür könnte sein, dass es für Erwerbstätige eine größere Herausforderung zu sein scheint, Arztpraxen für Terminvereinbarung oder Rückfragen zu erreichen. 31 Prozent der Befragten Erwerbstätigen sagten, dass sie mit der telefonischen Erreichbarkeit der Arztpraxis, die sie am häufigsten aufsuchen, weniger zufrieden oder unzufrieden seien. Bei den nicht Erwerbstätigen sagten das mit 13 Prozent nicht einmal halb so viele.

Zentrale Terminvergabe nach medizinischer Dringlichkeit

Aus Sicht der TK könnte eine übergreifende, digital erreichbare Terminplattform hier Abhilfe schaffen. Über diese könnten Menschen, die weniger Raum haben, auf freie Telefonleitungen zu warten, aber dennoch ein medizinisches Problem haben, selbstständig Termine buchen.

Unsere Idee ist, dass die Terminplattform ein mögliches Ergebnis einer digitalen bzw. digital gestützten medizinischen Ersteinschätzung ist. Wer die Ersteinschätzung selbst, zum Beispiel über die Kassen-App, durchlaufen möchte, kann im Anschluss einen Termin in der medizinisch gebotenen Zeit beim passenden Arzt oder der passenden Ärztin buchen. Arztpraxen müssten dafür ein festes Kontingent freier Termine an die Plattform melden.

Diese Position ist die Weiterentwicklung des Gedankens, dass Terminvergabe viel mehr nach medizinischen Kriterien erfolgen sollte, als es bisher der Fall ist. Wann Menschen wie versorgt werden, hängt noch zu oft vom Zufallsprinzip (Rufe ich zur richtigen Zeit die richtige Person an?), der eigenen Beharrlichkeit am Telefon (Rufe ich noch zehnmal an, wenn das Telefon besetzt ist oder niemand rangeht? Bin ich eher zurückhaltend oder beharrlich im Gespräch?) oder auch von Vergütungsanreizen (Stichwort: Quartalsmedizin) ab.

Standardisierte medizinische Ersteinschätzung

Wenn wir aber ein Primärversorgungssystem an eine standardisierte medizinische Ersteinschätzung koppeln, die immer zum gleichen Ergebnis kommt, ob, bei welcher Fachrichtung und in welcher Zeit ein Arzttermin nötig ist, kann medizinische Versorgung passgenauer werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die medizinische Fachangestellte die Einschätzung mittels Anamnesefragen im Hintergrund durchläuft, ohne dass der Patient oder die Patientin Kontakt zum digitalen System haben oder ob Menschen mit einem medizinischen Problem sich selbst durch die standardisierte Ersteinschätzung klicken, wie sie es schon heute mit dem Patienten-Navi der 116117 können. Wichtig ist, dass die Ersteinschätzung zukünftig an jeder Kontaktstelle zum Gesundheitssystem angewendet wird und damit der Zugang zu diesem ist.

Warte­zeiten

So lange warten Versicherte auf einen Haus- oder Facharzttermin (Grafik/Quelle: repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der TK) Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
So lange warten Versicherte auf einen Haus- oder Facharzttermin. 

Durch medizinisch indizierte Navigation Ressourcen besser nutzen

Wenn allen Menschen mit einem medizinischen Anliegen klar ist, dass sie nach denselben medizinischen Kriterien behandelt werden wie anderen, trägt das hoffentlich zu noch mehr Zufriedenheit und Verständnis bei.

Gleichzeitig könnten mit so einem System auch Kapazitäten frei werden. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit muss ein gut eingestellter Chroniker gar nicht jedes Quartal zu seiner Ärztin oder seinem Arzt, wenn deren Vergütung nicht mehr daran gekoppelt ist. Und vielleicht fällt das Warten auf einen Vorsorge- oder Früherkennungstermin leichter, wenn die Menschen sensibler dafür werden, dass Termine nach medizinischer Dringlichkeit vergeben werden und man solche Termine auch länger im Voraus vereinbaren könnte.

Facharzttermine: 54 Prozent der Menschen in Thüringen warten länger als vier Wochen

Über die Hälfte der Menschen in Thüringen warten laut Forsa-Befragung länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin.

Vier von zehn der befragten Frauen (41 Prozent) gaben an, mehrere Monate zu warten. Bei den Männern sagten das nur 27 Prozent.

Zudem gaben vier Prozent der befragten Erwerbstätigen an, länger als vier Wochen auf einen Hausarzttermin zu warten. Von den nicht Erwerbstätigen sagte das niemand.

Die Länge der Wartezeiten auf Termine sind für viele Menschen ein Indikator dafür, wie gut das ambulante System funktioniert. Damit sie nicht zum Schmerzpunkt werden, brauchen wir klarere Anlaufstellen und Behandlungswegen. Wenn Patientinnen und Patienten lange warten, sollten sie sicher sein dürfen, dass sie an der richtigen Stelle im Versorgungssystem warten und dass sich die Wartezeit nicht negativ auf ihre Gesundheit auswirkt.

Zum Hintergrund

Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa vom 25. September bis 21. Oktober 2025 insgesamt 500 Personen ab 18 Jahre bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Thüringen. Die ausführlichen Forderungen der TK finden Sie auf der dazugehörigen Themenseite "Zukunft der ambulanten Versorgung" .