• Zahl der Neuerkrankten nimmt zu, auch dank mehr Aufmerksamkeit
  • 10 bis 15 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen
  • Projekt ENDO-EVE will Diagnose und Behandlung verbessern 

Stuttgart/Halle, 24. September 2026. Oft als unvermeidlich abgetan, können starke Schmerzen oder Blutungen während der Menstruation auf eine ernsthafte Krankheit hinweisen: Nach einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) waren im Jahr 2024 allein in Baden-Württemberg mehr als 6.700 bei der TK versicherte Frauen von Endometriose betroffen. Fast 1.775 davon sind Neuerkrankte. Bei ihnen wurde die chronische Erkrankung 2024 erstmals gesichert festgestellt. Das teilt die TK-Landesvertretung anlässlich des Tags der Endometriose am 29. September mit.

Oft späte Diagnose

"Endometriose ist eine Krankheit, die für betroffene Frauen viel Leid bedeuten kann. Lange wurde sie im Versorgungsalltag und in der Forschung vernachlässigt. Gut, dass nun das Bewusstsein für diese Erkrankung immer weiter zunimmt, auch auf Seiten der Ärztinnen und Ärzte", sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Es sei positiv zu werten, dass immer mehr Frauen eine Diagnose erhielten: "Bisher vergingen nach Expertenschätzungen oft mehr als sieben Jahre bis zu einer Diagnosestellung. Das muss sich künftig ändern", betont Mussa.

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen, von der schätzungsweise jede achte Frau im gebärfähigen Alter betroffen ist. Mit Symptomen wie chronischen Schmerzen, psychischer Belastung und Unfruchtbarkeit kann sie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Projekt testet neues Therapiekonzept

Um die Versorgung der Betroffenen nachhaltig zu verbessern, unterstützt die TK das Innovationsfonds-Projekt ENDO-EVE. "Die Abkürzung steht für Endometriose effektiv erkennen und koordiniert ganzheitlich therapieren", erklärt Prof. Dr. Stephanie Wallwiener von der Universitätsmedizin Halle. Sie ist Projektleiterin und war bis 2023 Sektionsleiterin der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Heidelberg, das sich genauso wie das Universitätsklinikum Tübingen an ENDO-EVE beteiligt.

Gemeinsam mit niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt wird ein neuartiges standardisiertes Diagnostik- und Überweisungsprogramm getestet, das es ermöglichen soll, Verdachtsfälle präzise zu identifizieren und Patientinnen gezielt an spezialisierte Endometriosezentren zu überweisen, wo ein personalisiertes, multimodales Behandlungsprogramm eingeleitet wird.

Schneller erkennen, besser behandeln

"Wir wollen die Versorgung von Frauen mit Endometriose grundlegend verändern. Durch ein strukturiertes Behandlungsprogramm und den Einsatz digitaler Technologien möchten wir nicht nur die Diagnose beschleunigen, sondern auch den Leidensdruck der Patientinnen langfristig verringern sowie die Lebensqualität verbessern", erklärt Wallwiener.

Digitale Begleitung soll unterstützen

Neben einer evidenzbasierten Therapie bekommt ein Teil der teilnehmenden Frauen digitale Begleitung in Form einer App, die unter anderem beim Schmerzmanagement und mentalen Problemen unterstützt. "Digitale Angebote können den Arztbesuch nicht ersetzen, aber sie sind ein wichtiger Baustein, um Betroffenen zwischen den Terminen Sicherheit zu geben und den Therapieverlauf zu dokumentieren", so TK-Leiterin Mussa.

Das Projekt ENDO-EVE wird wissenschaftlich begleitet und die neuartige Diagnostik sowie die Behandlung im Vergleich zur Standardtherapie evaluiert. In den interdisziplinären Teams der Endometriosezentren sind neben Gynäkologinnen und Gynäkologen, Psychologinnen und Psychologen sowie Schmerztherapeutinnen und -therapeuten an der Therapie beteiligt.

Informationen für die Redaktionen

ENDO-EVE wird vom Innovationsfonds des G-BA mit 5,9 Mio Euro über eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren gefördert. Neben Versicherten der Techniker Krankenkasse können Versicherte der AOK Baden-Württemberg, AOK Sachsen-Anhalt und mehrerer Betriebskrankenkassen (GWQ ServicePlus AG) teilnehmen.

Unabhängig vom Projekt unterstützt die TK betroffene Frauen mit verschiedenen Informations- und Behandlungsangeboten. Über die digitale Therapie- und Aufklärungsplattform FEMNA können sich TK-Versicherte in einem zwölfmonatigem Online-Programm umfassend über Endometriose informieren. In mehreren Modulen vermittelt das Programm Wissen über die Erkrankung und zeigt, wie sich verschiedene Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Stress oder Schlaf auf die Beschwerden auswirken können. Ergänzend gibt es Selbsthilfeangebote wie Yoga- oder Entspannungsübungen zur Schmerzlinderung sowie Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Betroffenen.