• Die Krankenhäuser im Südwesten machen bei der Digitalisierung deutliche Fortschritte.
  • Baden-Württemberg liegt im Bundesvergleich nur auf Platz 13.
  • Größere Defizite sind in den Bereichen Telemedizin und Patientenpartizipation zu erkennen.

Stuttgart, 22. Juli 2026. Die Krankenhäuser im Südwesten machen bei der Digitalisierung deutliche Fortschritte. Das zeigt die dritte Erhebung des Konsortiums "Digitalradar Krankenhaus" im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums. Der digitale Reifegrad der Kliniken in Baden-Württemberg hat sich nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) auf 52,3 von 100 möglichen Punkten verbessert. Im Jahr 2021 lag der Wert noch bei 33,4 Punkten, gefolgt von 41,1 Punkten im Jahr 2024. 

Deutlich unter Bundesdurchschnitt

Trotz dieser Steigerung um rund 57 Prozent seit der ersten Erhebung, nimmt Baden-Württemberg im Vergleich der Bundesländer nur den 13. Platz ein. Damit liegt es einen Platz schlechter als 2024 und deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (55 Punkte). Die am Digitalradar Krankenhaus beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus mehreren Instituten haben insgesamt über 150 Krankenhäuser aus dem Südwesten unter die Lupe genommen, bundesweit waren es über 1.500. Sachsen ist mit 60,3 Punkten Spitzenreiter, dicht gefolgt von Berlin mit 59,4 Punkten.

MEDI:CUS schnell in Regelbetrieb überführen

"Die Ergebnisse zeigen, dass Baden-Württemberg bei der Digitalisierung zwar vorankommt, ein flächendeckend digital vernetztes Gesundheitswesen aber noch in weiter Ferne ist", sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. "Die Ankündigung im Koalitionsvertrag, das Projekt MEDI:CUS in den Regelbetrieb zu überführen, sollte nun so schnell wie möglich umgesetzt werden", so Mussa. Mit MEDI:CUS will das Land eine sichere, landesweite, cloudbasierte Datenplattform für den Gesundheitsbereich aufbauen. Derzeit werden in einer Pilotphase insgesamt 17 Kliniken nach und nach an die Plattform angebunden.

Schwachpunkte: Telemedizin und Patientenpartizipation 

Der digitale Reifegrad wird in sieben Dimensionen gemessen, basierend auf der Erfassung relevanter Daten sowie der Selbsteinschätzung der Krankenhäuser. Dazu gehören unter anderem die IT-Sicherheit, der Ablauf klinischer Prozesse oder Organisation und Datenmanagement. Baden-Württemberg liegt in fast allen Dimensionen unter dem Bundesdurchschnitt, insbesondere in den Bereichen Telemedizin und Patientenpartizipation.

Hintergrund zum Digitalradar Krankenhaus

Der Digitalradar Krankenhaus wurde eingeführt, um zu eruieren, in welchem Umfang die Mittel aus dem "Krankenhauszukunftsfonds" zu einer Verbesserung der Digitalisierung führen. Bundesweit erhielten Kliniken durch den Fonds rund 4,3 Milliarden Euro für digitale Projekte. Die Bundesländer haben dafür 1,3 Milliarden Euro bereitgestellt, Baden-Württemberg beteiligte sich mit 167 Millionen Euro.