Fehlzeiten bei Pflegekräften deutlich höher als in anderen Berufsgruppen
Pressemitteilung aus Baden-Württemberg
Stuttgart, 17. Juni 2026. Pflegepersonal in Baden-Württemberg fehlte im Jahr 2025 an durchschnittlich 22,8 Tagen krankheitsbedingt bei der Arbeit. Das ergab eine aktuelle Auswertung der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK). Zum Vergleich: Über alle Berufe hinweg waren in Baden-Württemberg lebende TK-Versicherte im letzten Jahr durchschnittlich rund 14,5 Tage krankgeschrieben.
Besonders hohe Ausfallzeiten verzeichnen die Altenpflegekräfte. Sie kamen im Jahr 2025 auf durchschnittlich 27,6 Fehltage, Beschäftigte in der Krankenpflege auf 20,9 Tage. Betrachtet man die Vorjahre ist der Krankenstand von Pflegekräften im Bundesland etwas gesunken (Höchstwert 2022: 25,3 Tage, 2024: 24,1 Tage), bleibt jedoch auf hohem Niveau.
Hohe mentale Belastung
Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg erklärt: "Die große mentale Belastung in der Pflege ist einer der Hauptgründe für die erhöhte Anzahl an Fehltagen. Hinzu kommt die körperliche Beanspruchung und teilweise ein gesteigertes Infektionsrisiko." Tatsächlich waren im vergangenen Jahr im Land 4,6 Fehltage von Pflegekräften auf psychische Erkrankungen zurückzuführen, 4,4 Fehltage waren Erkrankungen des Atmungssystems geschuldet und 3,9 Fehltage kamen durch Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zustande.
"Um die pflegerische Versorgung zukunftssicher zu machen, müssen auch die Arbeitsbedingungen in den Fokus gerückt werden", so Mussa. "Es ist möglich, Strukturen zu schaffen, die Belastung reduzieren und Wertschätzung fördern. Das macht es Pflegekräften leichter, ihren anspruchsvollen Job gesund und längerfristig auszuüben". Das sei eine Erkenntnis aus verschiedenen Projekten zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), die die TK auch Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg anbietet.
Ein mehrjähriges Organisationsprojekt mit Schwerpunkt auf Führungskräftecoaching und Kommunikation hat das Seniorenzentrum Martha-Maria in Stuttgart durchlaufen. Einrichtungsleiterin Christiane Krämer bestätigt: "Die Mitarbeiterzufriedenheit ist durch unser BGM-Projekt definitiv gestiegen. Wir haben kaum noch Fluktuation und müssen nicht mehr auf Zeitarbeitende zurückgreifen", erklärt sie. Außerdem sei die Zahl der Krankheitstage signifikant gesunken.
TK unterstützt bei gesundem Arbeiten in der Pflege
Die TK hat sich zum Ziel gesetzt, über ihren gesetzlichen Präventionsauftrag in der Pflege Impulse für ein zukunftssicheres Pflegewesen und ein gesundes Arbeitsumfeld zu geben. Sie unterstützt stationäre, teilstationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen in den Unternehmen aufzubauen - für Beschäftigte, Patientinnen und Patienten sowie Pflegebedürftige. Schwerpunkte liegen dabei beispielsweise auf Teambildung, Gesunder Führung, Stress- oder Gewaltprävention sowie Bewegung und Ergonomie.
Hinweis für die Redaktion:
Für die aktuelle Auswertung hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ihrer rund 6,2 Millionen versicherten Erwerbspersonen betrachtet, davon rund 640.000 mit Wohnsitz in Baden-Württemberg. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie Empfänger und Empfängerinnen von Arbeitslosengeld I.
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