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Was auch immer man gerade macht, es dauert zu lange. Nichts scheint zu klappen. Und vom eigenen Partner ist man auch genervt. Schlechte Laune hat jeder mal. Doch die hat manchmal auch einen ganz einfachen Grund: Hunger. Für diese schleichende Hungerwut gibt es im Englischen sogar einen Begriff: "hangry". Man ist "hungry", hungrig, und "angry", wütend, zugleich. 

So schlägt Hunger auf die Stimmung

Wenn wir essen, werden Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette in unserem Körper in Amino-, in Fettsäuren und in Zucker zerlegt. Diese Stoffe gelangen in unsere Blutlaufbahn, strömen zu den Organen und versorgen sie mit Energie. Wenn wir länger nichts gegessen haben, sinkt der Glukosewert im Blut. Den niedrigen Blutzuckerspiegel melden Rezeptoren in Leber und Magen dem Gehirn. Denn gerade das Gehirn benötigt dringend Zucker, um leistungsfähig zu sein.

Das Hirn im Ruhezustand

Wenn das Gehirn bei Unterzuckerung auf Nachschub wartet, fährt es zunächst in eine Art Energiesparmodus. Es wartet auf Nahrung, alles andere wird zweitrangig. Die Folge davon ist, dass unsere mentalen Fähigkeiten abnehmen: Wir können uns weniger gut konzentrieren und machen häufiger Fehler.

Wer bei den ersten Hinweisen nicht für Glukose-Nachschub sorgt, also etwas isst oder trinkt, riskiert nicht nur Fahrigkeit und Fehler, sondern auch schlechte Stimmung. Hunger führt auch deshalb zu Wut, weil es dem Gehirn im Schonbetrieb schwer fällt, Emotionen zu kontrollieren. Hält der Hunger nämlich länger an, alarmiert das Gehirn andere Organe, Glukose zu liefern. Bei dieser plötzlich geforderten Glukose-Produktion werden Stresshormone ausgeschüttet, die den Körper in einen Alarmzustand versetzen und auf die Stimmung drücken.

Süßes hilft nur kurzfristig

Die Lösung ist so einfach wie effektiv: essen. Wer frühzeitig für Nachschub sorgt, hält den Blutzuckerspiegel konstant. Und wenn der im Gleichgewicht ist, sind wir es auch. Mit Süßigkeiten und Fast Food, was beides viele Kohlenhydrate enthält, tut man sich jedoch keinen Gefallen: Der Zucker aus diesen einfachen, schnell resorbierbaren Kohlenhydraten sorgt zwar für eine kurzzeitige Besserung, weil das Gehirn seinen Bedarf decken kann. Aber so schnell, wie der Blutzuckerspiegel dadurch ansteigt, so schnell fällt er auch wieder ab. Und dann dauert es nicht lange bis zum nächsten hangry-Tief.

Stabil bleibt der Glukose-Spiegel hingegen bei einer Ernährung, die reich an Nährstoffen und Ballaststoffen ist – also viel Obst und Gemüse und lange sättigende Lebensmittel wie Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte. Diese komplexen Kohlenhydrate müssen vom Körper in einem mehrstufigen Prozess erst in Einfachzucker zerlegt werden. Dadurch verzögert sich der Blutzuckeranstieg. Der Glukose-Spiegel im Blut bleibt länger konstant, und wir länger satt.

Traubenzucker als Umfeldschutz

Wer von sich oder seinem Partner weiß, dass er oder sie anfällig für hangry-Attacken ist, kann ganz einfach vorsorgen: Am besten immer einen kleinen Snack in der Tasche haben. Traubenzucker beispielsweise gelangt besonders schnell ins Blut. Und kann so effektiv das soziale Umfeld schützen. 

Hangry: wirk­lich wütend oder nur hung­rig?

Doktor Johannes Wimmer erklärt im Video, wie Hunger zu Wut wird.