"E-Health ist aus meiner Sicht kein Generationenthema"

Frank Dastych ist Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Er erklärt im Interview, unter welchen Bedingungen ein Projekt wie das GlucoTab auch auf den ambulanten Bereich übertragen werden könnte.

 

TK spezial: Würde das GlucoTab in die ambulante Versorgung übertragen werden, könnte es dafür sorgen, dass an Diabetes erkrankte Patienten ihre Werte weitestgehend selbst überwachen. Wo sehen Sie hier die größten Potentiale?


Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung HessenFrank DastychDastych: Zurzeit wird GlucoTab verwendet, um unter stationären Bedingungen prospektiv die optimale Insulindosis hinsichtlich der Wiedereinstellung sowie prä- und poststationärem Management zu finden. Das heißt, GlucoTab ist damit in der Hand von Health-Professionals, ein ärztliches Back-Office also vorhanden. Grundsätzlich könnte man das Verfahren in die ambulante Versorgung übertragen, grundsätzlich auch dem Patienten übertragen. Dies wäre sicher eine hervorragende Möglichkeit, eine Schnittstelle zwischen Patienten und diabetologischen Schwerpunktpraxen einzuführen. Dazu muss GlucoTab in die Hand des Patienten, und geschulte Diabetiker haben sicherlich auch eine große Erfahrung im Umgang mit der eigenen Erkrankung. Das bedeutet aber nicht, dass man die Patienten auf dem gleichen Niveau wie ausgebildete Health-Professionals einordnen darf. Aus meiner Sicht muss deshalb mit der Einführung eines solchen Produkts die Forderung nach hohen Sicherheitsstandards verbunden sein - dies sollte zum Beispiel in der Online-Übertragung von problematischen Blutzuckerwerten oder Insulindosen an ein Back-Office liegen. Die größten Potentiale bestehen meines Erachtens darin, dass dadurch noch mehr Versorgung zu Hause abgebildet werden kann und sicherlich die Insulintherapie als solche optimiert wird.

 

TK spezial: Wie würde sich das Arzt-Patienten-Verhältnis dadurch verändern?


Dastych: Das Arzt-Patienten-Verhältnis wird sich durch einen solchen Schritt nicht signifikant verändern.

 

Zur Person

Frank Dastych wurde 1961 geboren und studierte von 1984 bis 1991 Medizin in Gießen. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 1992 erhielt er seine Approbation. Seit 1995 ist Dastych als HNO-Arzt in Bad Arolsen niedergelassen. Er ist seit 2002 Bezirksvorsitzender der Bezirksgruppe Kassel im Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte. Von 2006 bis 2010 war er zudem Mitglied des Vorstands im HNO-Bundesverband. Seit 2013 ist Dastych Fachärztlicher Vorstand der KV Hessen und deren Vorstandsvorsitzender.

TK spezial: Wie schätzen Sie die Akzeptanz der hessischen Ärzteschaft gegenüber solchen Projekten ein? Gibt es hier einen Unterschied zwischen den Generationen?


Dastych: E-Health ist aus meiner Sicht kein Generationenthema. Man muss vielmehr sehen, ob eine Anwendung im individuellen Fall geeignet ist - sowohl für den Arzt als auch den Patienten. Auf Seite des Arztes dürften die Persönlichkeitsstruktur und die Innovationsbereitschaft entscheidend sein. Innovationsbereitschaft und der Einsatz eines solchen Systems sind dabei nicht gleichbedeutend. Auch Ärzte müssen geschult und überzeugt werden. Gelingt es, den Mehrwert zu vermitteln, dann wird kaum ein Arzt - unabhängig vom Alter - eine solche Innovation nicht nutzen.

 

 

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