Mainz, 21. Januar 2026. "Die hohen Preise für Arzneimittel und der jährliche Anstieg der Ausgaben dafür schlagen sich auch in den Beitragssätzen der GKV nieder", sagt Jörn Simon, Leiter der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK). "Wir zahlen in Deutschland deutlich mehr für die gleichen Medikamente als andere Länder. Allein in Rheinland-Pfalz ließen sich rund 209 Millionen Euro über alle gesetzlichen Kassen einsparen, wenn die Preise der 30 umsatzstärksten Medikamente auf internationalem Niveau lägen", führt Simon aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung der TK, die für das gesamte Bundesgebiet ein Einsparpotenzial von 4,73 Milliarden Euro ermittelt hat. 

Zieht man andere Industrienationen wie Südkorea, Japan oder Norwegen zum Vergleich heran, gibt es große Preisunterschiede. In manchen Ländern sind einzelne Arzneimittel bis zu 76 Prozent günstiger als in Deutschland. 

Hersteller nutzen Marktmacht

Bei neuen, patentgeschützten Arzneien nutzen Hersteller ihre Marktmacht, um sehr hohe Preise durchzusetzen, was zu einer starken Konzentration der Ausgaben auf einen kleinen Teil der Verordnungen führt. "Im vergangenen Jahr wurden aus Beiträgen der gesetzlich Versicherten mehr als 55 Milliarden Euro für Arzneimittel bezahlt. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 54 Prozent, entfielen auf patentgeschützte Arzneimittel, die aber mit sieben Prozent nur einen kleinen Anteil an allen abgegebenen Packungen haben", sagt Simon. Auf alle Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung bezogen, verursachen die zehn umsatzstärksten Arzneimittel rund elf Prozent der Gesamtkosten. Ein Beispiel für solche potenziellen Blockbuster ist das neue Demenz-Therapeutikum Leqembi®, welches mit jährlichen Therapiekosten von 40.000 Euro zu Buche schlägt.

Hohe Preise sichern keinen Standort

"Das Argument der Hersteller, dass höhere Erstattungspreise den Standort Deutschland sichern, beeindruckt zwar häufig die Politik, entspricht aber nicht den Tatsachen. Demnach müssten die meisten Medikamente in Deutschland produziert werden, tatsächlich stehen die Fabriken aber in Drittstaaten wie Indien oder China, wo geringere Produktionskosten anfallen", erläutert der TK-Landesvertretungsleiter. 

Forderungen für kurzfristige Maßnahmen

Die TK habe konkrete Vorschläge, was die kurzfristige Senkung der Arzneimittelpreise angehe, sagt Simon. So solle der Herstellerabschlag von patentgeschützten Arzneimitteln auf 17 Prozent erhöht werden, was etwa drei Milliarden Euro an Einsparung bringen würde. Noch wirkungsvoller und ebenfalls kurzfristig umsetzbar wäre das Absenken des Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel von derzeit 19 auf sieben Prozent. Hierdurch könnten laut TK rund sieben Milliarden Euro eingespart werden. Eine weitere Reduzierung der Kosten um eine Milliarde hat die TK durch die Einführung sogenannter Fokuslisten ermittelt. Diese Listen könnten Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Alternative zu wählen. "Die kurzfristigen Maßnahmen werden auf Dauer nicht ausreichen. Wir brauchen eine Diskussion über die Preisfestlegung für neu auf den Markt kommende Arzneimittel. Es kann nicht sein, dass die Pharmabranche Mondpreise aufruft, die die gesetzliche Krankenversicherung und damit auch die Versicherten und Arbeitgeber übermäßig belastet", sagt Simon. 

Hinweis für die Redaktion

Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP. Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt. 
Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet zusammengefasst.