Notaufnahmen in Rheinland-Pfalz stark belastet - Steigende Inanspruchnahme
Pressemitteilung aus Rheinland-Pfalz
Mainz, 22. Dezember 2025. Die Notaufnahmen in den rheinland-pfälzischen Krankenhäusern waren im Jahr 2024 erneut stark belastet - mit steigender Tendenz. Im vergangenen Jahr wurden landesweit rund 648.000 Menschen im Krankenhaus als ambulante Notfälle behandelt. 2019, im Jahr vor der Coronapandemie, waren es nur 486.000 Behandlungen, und damit knapp 162.000 Behandlungen weniger. Das entspricht einer Steigerung von 33,3 Prozent, deutlich mehr als im Bundeschnitt. Bundesweit lag die Zahl nämlich im Jahr 2024 bei 13 Millionen - das entspricht einem Zuwachs von 19,3 Prozent gegenüber den 10,9 Millionen Menschen im Jahr 2019. Dabei beruft sich die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Viele Fälle belasten Notaufnahmen und Krankenhäuser
Tatsächlich mussten bundesweit im Jahr 2024 jedoch nur vier von zehn Patientinnen und Patienten, die eine Notaufnahme aufsuchten, auch stationär aufgenommen werden. Die übrigen Notfälle konnten ambulant behandelt werden, wie aus einer repräsentativen GKV-Versichertenbefragung im Auftrag des GKV-Spitzenverbands hervorgeht.
"Die hohe Zahl der ambulanten Behandlungen in den Notaufnahmen zeigt, dass diese stark belastet sind. Das liegt daran, dass im Gesundheitswesen ein gutes Wegeleitsystem fehlt. Nicht in jedem Fall ist direkt der Weg in die Notaufnahme nötig. Unter Umständen kann Patientinnen und Patienten in einer ambulanten Praxis oder in einer Bereitschaftspraxis viel schneller geholfen werden, statt viele Stunden Wartezeit in der Notaufnahme zu verbringen. Deshalb brauchen wir eine digitalgestützte Ersteinschätzung des medizinischen Anliegens und eine Notfallreform. Ziel muss sein, dass Patientinnen und Patienten schneller auf den passenden Behandlungspfad geführt werden - das entlastet auch die Notaufnahmen", erklärt Jörn Simon, Leiter der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK).
Neuer Anlauf für die Notfallreform
Die vorherige Bundesregierung hatte die Notfallreform bereits im vergangenen Jahr auf ihre politische Agenda gesetzt. Mit dem Regierungswechsel ist die Reform jedoch ins Stocken geraten. Der jetzt vorliegende Referentenentwurf nimmt den Prozess wieder auf.
"Wir als TK begrüßen die Reform und unterstützen notwendige Verbesserungen in der Notfallversorgung. Gerade in einem ländlich geprägten Bundesland wie Rheinland-Pfalz sind klare Anlaufstellen und Verantwortlichkeiten im Notfall essenziell", betont Jörn Simon. "Die geplante Reform kann die lang erwarteten Verbesserungen für Patientinnen und Patienten sowie für die Mitarbeitenden in der Notfallversorgung bringen", erläutert Simon.
Vorgesehen sind unter anderem eindeutige Anlaufstellen für Menschen in akuten Notsituationen - etwa neue Akutleitstellen und Integrierte Notfallzentren (INZ). Diese sollen gemeinsam mit einer strukturierten Ersteinschätzung des medizinischen Bedarfs den zentralen Zugang zur Notfallversorgung bilden und gewährleisten, dass Betroffene schnell und gezielt die bestmögliche Hilfe erhalten. Auch wichtig sind die vorgesehenen besseren Standards im Rettungsdienst.
Moderne Strukturen für ein leistungsfähiges Notfallsystem
Bezogen auf Rheinland-Pfalz ist die erfolgte Umsetzung von landesweiten Telenotarztzentralen ein wichtiges Element für dünner besiedelte Regionen, die den Zugang zu ärztlicher Expertise erleichtert. Zudem sollen Notfallsanitäter als Erstversorger unter ärztlicher Absprache umfangreichere Befugnisse wie die Durchführung von medikamentösen und invasiven Maßnahmen erhalten. Auch die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) sieht die TK als wichtigen Fortschritt auf dem Weg zu einem digitalen Gesundheitssystem. Jörn Simon: "Besonders in der Notfallversorgung ermöglicht die ePA beispielsweise Notfallsanitätern, schnell auf Medikationspläne zuzugreifen, um Patienten optimal zu versorgen."
Hinweis für die Redaktion:
Die Datengrundlage bildet die Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamts (Suchbegriff "Krankenhausstatistik Notfälle", mit Stand vom 03.12.2025). Die Daten umfassen sowohl gesetzlich versicherte als auch nicht gesetzlich versicherte Notfallpatientinnen und -patienten.
Weitere Informationen:
•
Positionspapier der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz zur Notfallversorgung
• Untersuchung des GKV-Spitzenverbandes "Ohne Not in die Notaufnahme"
•
Reform der Notfallversorgung
(PDF, 1.0 MB)
•
Großbaustelle Notfallversorgung