TK RLP: Medikamentenlager sind gut gefüllt - 99 Prozent der Medikamente sofort verfügbar
Pressemitteilung aus Rheinland-Pfalz
Mainz, 9. Februar 2026. Die Debatten um Lieferengpässe werden häufig emotional geführt, doch rational betrachtet sind fast 99 Prozent der Medikamente sofort verfügbar. Aufgrund aktueller Auswertungen meldet die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz eine zuverlässige Generika-Versorgung. In ihrem "Lieferklima-Report 2025 - Logistik, Lagermengen und Lieferketten", der kürzlich erschienen ist, analysiert die TK die Wirkungen des Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetzes (ALBVVG) sowie die bundesweite Lagerpraxis bei Medikamenten.
Nach ALBVVG deutlich weniger Engpässe
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listete im Oktober 2025 nur noch 35 von rund 1.500 antibiotischen Präparaten als lieferunfähig - vor dem Inkrafttreten des ALBVVG im Juni 2023 waren es 166. Bundesweit gibt es etwa 83.000 relevante Arzneimittel für die gesetzliche Krankenversicherung.
"Trotz Berichten und Diskussionen zu Engpässen muss man die Fakten im Blick behalten: 98,9% der Medikamente sind prompt verfügbar, für 0,8% existieren gleichwertige Alternativen", betont Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz.
Rabattverträge sichern Vorratshaltung
Das ALBVVG verpflichtet Krankenkassen erstmals, Rabattverträge mit Herstellern an eine Mindestlagerung, die dem Bedarf von sechs Monaten entspricht, zu knüpfen. "Wir begrüßen die Verpflichtung zur Vorratshaltung in den Rabattverträgen. Die Lagerhaltung für Arzneimittel ist insgesamt sehr gut, allerdings ist die Einhaltung der Vorratspflicht von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Deshalb brauchen wir transparente Daten zu Beständen und Prognosen - für BfArM, Hersteller und Kassen gleichermaßen", sagt Simon. Gleichzeitig führt er aus, dass Rabattverträge nicht - wie häufig von verschiedenen Akteuren in den Medien behauptet - zu Lieferengpässen beitragen, sondern im Gegenteil diese helfen zu vermeiden.
"Rabattverträge sichern den Herstellern indirekt die Abnahme der Arzneimittel zu und geben deshalb Planungssicherheit. Lieferengpässe spielen sich tatsächlich fast doppelt so oft im rabattfreien Markt ab", erklärt Simon. "Rabattverträge sind Teil der Lösung und nicht Teil des Problems und sollten zu Lieferverträgen weiterentwickelt werden."
Ansatzpunkte für robustere Lieferketten
Aus Sicht der TK ist das ALBVVG ein erster Schritt, um gegen überraschende Mehrbedarfe gewappnet zu sein. Der Lieferklima-Report benennt fünf Handlungsfelder, um die Liefersicherheit weiter zu erhöhen. Die TK schlägt unter anderem ein regionales Mehrpartner-Modell vor, um besonders wichtige Arzneimittel zuverlässiger abzusichern. Da Rabattverträge für Kinderarzneimittel derzeit ausgeschlossen sind, fordert die TK, dass gesetzliche Krankenkassen auch hier entsprechende Vereinbarungen mit Herstellern abschließen dürfen, bei denen die Bevorratung Bestandteil des Vertrags ist.
Hinweis für die Redaktion
In der Vergangenheit kam es, unter anderem durch erhöhte Nachfragen aufgrund heftiger Infektionswellen, zu vermehrten Lieferengpässen bei patentfreien Arzneimitteln. Im Sommer 2023 wurde daraufhin das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) erlassen.