Migräne-App-Nutzerbefragung: 83 Prozent nutzen App-Daten beim Arzttermin
Pressemitteilung
- Laut TK-Versorgungsdaten waren 2025 bundesweit 10,4 Prozent der Frauen wegen Migräne in ärztlicher Behandlung, bei Männern waren es drei Prozent.
- Aktuelle Nutzerbefragung zeigt, wie digitale Kopfschmerzdokumentation Arztgespräche und Therapieentscheidungen unterstützt. 83 Prozent haben Informationen oder Auswertungen aus der Migräne-App bereits beim Arzttermin genutzt oder gezeigt.
- 59 Prozent berichten, dass die Migräne-App bereits dazu beigetragen hat, eine Behandlung mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zu besprechen, anzupassen oder neu zu beginnen.
Hamburg, 6. Oktober 2026. 83 Prozent haben Migräne-App-Daten zu ihrem Krankheitsverlauf bereits beim Arzttermin genutzt oder gezeigt, 55 Prozent regelmäßig. Das zeigt eine neue wissenschaftliche Befragung von 1.485 Nutzerinnen und Nutzern anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Migräne-App der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK). Wie relevant die Erkrankung ist, belegen aktuelle ambulante Versorgungsdaten der TK. Demnach waren 2025 10,4 Prozent der weiblichen TK-Versicherten wegen Migräne in ärztlicher Behandlung, bei den männlichen TK-Versicherten waren es drei Prozent.
Migräne schränkt den Alltag der Betroffenen häufig stark ein
Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Migräne geht mit intensiven Beschwerden einher und schränkt die Patientinnen und Patienten in ihrem Alltag häufig stark ein. Die Krankheit kann Betroffene für mehrere Tage außer Gefecht setzen. Das zeigt auch unser aktueller TK-Gesundheitsreport. Auf Platz acht der Diagnosen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitsfällen steht Migräne." So verzeichne der Report für 2025 im Schnitt gut drei Migräne-bedingte AU-Fälle (3,17) je 100 Versicherte. Dabei liegt die Anzahl der Fehltage je Fall durchschnittlich bei knapp vier Tagen (3,8). Insgesamt gab es 2025 rund 662.000 Migräne-bedingte Fehltage. Das entspricht 0,6 Prozent des gesamten, von der TK ausgewerteten AU-Geschehens.
Hochgerechnet rund vier Millionen Arbeitsunfähigkeitstage jährlich
Allein diese Fehltage bei TK-Versicherten entsprechen nach durchschnittlichen Berechnungswerten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rechnerisch einem Bruttowertschöpfungsausfall von rund 171 Millionen Euro. Auf die Erwerbspersonen in Deutschland hochgerechnet könnten Migräneerkrankungen damit jährlich für rund vier Millionen Arbeitsunfähigkeitstage stehen. Dies entspräche rechnerisch einem Bruttowertschöpfungsausfall von rund einer Milliarde Euro pro Jahr.
Gründe für Geschlechterunterschiede bei Migräne
Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel: "Migräne betrifft Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Dafür spielen biologische Faktoren eine wichtige Rolle, darunter genetische Einflüsse und hormonelle Veränderungen. Gleichzeitig dürfen wir Männer mit Migräne nicht aus dem Blick verlieren: Migräne ist keineswegs nur ein Frauenthema."
Migräne ist mehr als Kopfschmerz: Die Attacke beginnt oft schon vorher
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die weit mehr umfasst als Kopfschmerzen. Schon Stunden vor einer Attacke können sich Veränderungen bemerkbar machen, etwa Müdigkeit, häufiges Gähnen, Konzentrationsprobleme, Heißhunger oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Bei einer Migräne mit Aura können zusätzlich vorübergehende neurologische Symptome wie Seh- oder Sprachstörungen auftreten.
Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel: "Migräne beginnt häufig, schon lange bevor der eigentliche Kopfschmerz einsetzt. Das Nervensystem verarbeitet Reize während einer Attacke anders, und auch Denken, Konzentration, Sehen oder Sprache können betroffen sein. Deshalb ist Migräne nicht einfach Kopfschmerz, sondern eine komplexe neurologische Erkrankung. Wer seinen individuellen Verlauf kennt und dokumentiert, kann Veränderungen besser einordnen und die Behandlung gezielter mit der Ärztin oder dem Arzt abstimmen."
Migräne-App macht den individuellen Verlauf sichtbar
Mit der Migräne-App können Betroffene dokumentieren, wann Migräneattacken auftreten, wie häufig sie Akutmedikamente benötigen und wie sich die Erkrankung über längere Zeit entwickelt. Die Migräne-App bereitet diese Angaben in Verlaufsanalysen auf, die auch für das Arztgespräch genutzt werden können. Die App ist kostenfrei, ohne Rezept und unabhängig von der Krankenkasse zugänglich und wurde mittlerweile mehr als 1,2 Millionen Mal heruntergeladen.
Nutzerbefragung: 98 Prozent nutzen digitalen Kopfschmerzkalender
Wie hilfreich der digitale "Helfer in der Hosentasche" von den Betroffenen eingeschätzt wird, zeigt die aktuelle Nutzerbefragung. Demnach dokumentieren 98 Prozent ihre Kopfschmerztage digital, 89 Prozent erfassen ihre Akutmedikation und 87 Prozent nutzen aggregierte Auswertungen zum Verlauf ihrer Kopfschmerz- und Migränetage.
Migräne-App: Drei Viertel behalten ihre Akutmedikamente bewusster im Blick
Insbesondere der Überblick über die Medikamenteneinnahme ist für viele Betroffene wichtig. Rund drei Viertel (74 Prozent) geben an, durch die App bewusster darauf zu achten, wie häufig sie Akutmedikamente einnehmen. Etwa die Hälfte (51 Prozent) berichtet, Migräne- und Kopfschmerztage besser erkennen zu können. Rund 63 Prozent sagen, dass sie sich mit Hilfe der App besser auf Arztgespräche vorbereiten können.
83 Prozent zeigen in der Arztpraxis Auswertungen aus der Migräne-App
Ein besonders wichtiges Ergebnis betrifft die medizinische Versorgung. Gut acht von zehn Befragten (83 Prozent) haben Informationen oder Auswertungen aus der App bereits bei einem Arzttermin genutzt oder gezeigt - 55 Prozent regelmäßig, weitere 29 Prozent gelegentlich. Noch deutlicher wird die praktische Bedeutung bei Therapieentscheidungen: 59 Prozent aller Befragten berichten, dass die App schon einmal dazu beigetragen hat, gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt eine Behandlung zu besprechen, anzupassen oder neu zu beginnen.
Migräne-App bietet Aura-Simulation oder physiotherapeutische Übungen
Die Migräne-App wurde seit dem Start im Herbst 2016 kontinuierlich weiterentwickelt. Sie enthält heute neben Informationen über Migräne und Kopfschmerzen beispielsweise auch eine Aura-Simulation und physiotherapeutische Übungen für die Halswirbelsäule. Ganz neu ist ein von Künstlicher Intelligenz (KI) gestütztes Angebot, über das Nutzerinnen und Nutzer Fragen stellen können. Die Antworten basieren dabei auf fachlichem Wissen, etwa aus Leitlinien, Fachinformationen und Lehrbüchern.
Weitere Informationen zur Migräne-App bietet die TK-Website. Ein Interview mit dem Migräne-Experten der Schmerzklinik Kiel gibt es auf dem Unternehmensblog WirTechniker .
Hinweis für die Redaktion
Versorgungsdaten der TK: Die Auswertungen zu Migränediagnosen beziehen sich auf die ambulanten Leistungsdaten aller TK-Versicherten (Prozentwerte gerundet, Daten von 2020 - 2025).
Migräne-bedingte Fehltage: Die Angaben zu den Migräne-bedingten Fehltagen und AU-Fällen sind dem
Gesundheitsreport 2026
(PDF, 3.8 MB)
entnommen.
Hochrechnung volkswirtschaftlicher Auswirkungen: Die Hochrechnung wurde auf Grundlage der TK-Daten zu migränebedingten Fehltagen vorgenommen. Der TK-Gesundheitsreport 2026 basiert auf Daten von rund 6,2 Millionen TK-versicherten Erwerbspersonen und damit etwa jeder sechsten Erwerbsperson in Deutschland. Unter der Annahme einer Übertragbarkeit auf die Erwerbspersonen in Deutschland ergeben sich rechnerisch rund vier Millionen migränebedingte Fehltage pro Jahr. Zur Abschätzung des Bruttowertschöpfungsausfalls wurde der durchschnittliche Bruttowertschöpfungsausfall je Arbeitsunfähigkeitstag nach Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zugrunde gelegt.
Nutzerbefragung zur Migräne-App: An der Online-Befragung der Schmerzklinik Kiel vom 8. bis 12. September 2026 nahmen 1.485 Nutzerinnen und Nutzer teil. Eine Person unter 18 Jahren wurde entsprechend den Einschlusskriterien von der wissenschaftlichen Auswertung ausgeschlossen; die Analysen beruhen auf 1.484 Teilnehmenden. Es liegt ein positives Votum der Ethik-Kommission der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vor (Az. D 588/26). Die Teilnahme war freiwillig. Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben der Nutzerinnen und Nutzer.
Migräne-App: Die Migräne-App wurde gemeinsam von Expertinnen und Experten der Schmerzklinik Kiel, des bundesweiten Kopfschmerzbehandlungsnetzes und der TK entwickelt. Eine frühere wissenschaftliche Evaluation untersuchte Veränderungen des Gesundheitsverhaltens und dokumentierte eine verringerte Kopfschmerzhäufigkeit im Zusammenhang mit der Nutzung der Migräne-App. Weitere Informationen zur Migräne-App sind auf der Website der TK verfügbar.