TK-Studie: Ein Viertel der Studierenden fühlt sich häufig oder manchmal einsam
Pressemitteilung
25 Prozent der Studierenden fühlen sich häufig oder manchmal einsam
Studierende im Fernstudium sind am wenigsten einsam
TK-Chef Baas: "Einsamkeit ist ein wichtiges Signal, um aktiv zu werden"
Hamburg, 15. Oktober 2026. In diesen Wochen startet an den deutschen Hochschulen das neue Wintersemester. Damit beginnt auch für viele junge Menschen, die ein Studium beginnen, ein neuer Lebensabschnitt. Doch obwohl die Studienzeit eine gute Gelegenheit ist, Gleichgesinnte zu treffen und neue Freundschaften aufzubauen, ist Einsamkeit auch an Hochschulen ein sehr aktuelles Thema. Laut des TK-Dossiers 2026: "Wie geht’s Deutschlands Studierenden?" der Techniker Krankenkasse (TK) fühlt sich ein Viertel der Studierenden mindestens manchmal einsam (25 Prozent). Für vier Prozent ist Einsamkeit sogar ein häufiger Begleiter.
Wie einsam sind Studierende?
Einsamkeit ist ein wichtiges Signal aktiv zu werden
Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Gerade der Beginn des Studiums ist eine Lebensphase, in der Einsamkeit verstärkt auftreten kann. Häufig ziehen Studierende in eine neue Stadt, müssen sich ein neues soziales Netzwerk aufbauen und selbständig Struktur in ihren Tagesablauf bringen. Das kann sehr herausfordernd sein." Dabei sei sozialer Austausch sehr wichtig für das psychische Wohlbefinden und somit auch für gute Leistungen, so Baas. "Das Gefühl von Einsamkeit weist darauf hin, dass wichtige soziale Bedürfnisse nach Nähe und Zugehörigkeit nicht erfüllt sind. Daher ist Einsamkeit ein wichtiges Signal, um aktiv zu werden. Denn Gemeinschaft fördert nachweislich Zufriedenheit und Gesundheit und ist somit ein wichtiger Baustein zum Aufbau von Resilienz."
Wohnsituation spielt eine Rolle beim Einsamkeitsgefühl
Besonders zwei Faktoren fallen im Hinblick auf das Einsamkeitsempfinden der Studierenden in der Befragung auf: So ist Einsamkeit erstaunlicherweise am meisten bei den Studierenden verbreitet, die in einem Studierendenwohnheim wohnen. Hier geben 43 Prozent an, sich häufig oder manchmal einsam zu fühlen. Bei Studierenden in einer Wohngemeinschaft sind es 34 Prozent. Im Vergleich dazu geben nur 29 Prozent der alleinlebenden Studentinnen und Studenten an, sich häufig oder manchmal einsam zu fühlen. Bei denjenigen, die noch bei den Eltern oder anderen Verwandten wohnen, sind es 23 Prozent. Am wenigsten einsam fühlen sich Studierende, die sich einen Haushalt mit ihrer Partnerin bzw. ihrem Partner teilen (17 Prozent).
Im Fernstudium sind die wenigsten einsam
Zum anderen gibt es auch Unterschiede bei der Präsenzart des Studiums und dem Einsamkeitserleben. Nur zwölf Prozent der Studierenden, die ein Fernstudium absolvieren, geben an, sich manchmal oder häufig einsam zu fühlen - deutlich seltener als Studierende in einem Teilzeitstudium (17 Prozent), einem dualen Studium (21 Prozent) oder im Vollzeitstudium (28 Prozent). Statistisch bedeutsame Unterschiede beim Einsamkeitserleben nach Fächerart, Geschlecht oder Region hat die Befragung nicht ergeben.
Mehr Miteinander stärkt den Zusammenhalt und eine motivierende Lernumgebung
TK-Chef Baas: "Hochschulen sind nicht nur ein Ort der Forschung und Lehre, sondern auch ein Ort, an dem viele Menschen zusammenkommen." Um den Zusammenhalt zu stärken und eine motivierende Lernumgebung zu schaffen, mache es Sinn, dass Hochschulen auch den sozialen Aspekt des Hochschullebens noch mehr in den Fokus rücken und entsprechende Angebote fördern. "Das könnten zum Beispiel Mentoring-Programme für Erstsemester-Studierende sein oder eine bewusste Förderung von Gruppenarbeit in Lehrveranstaltungen", so Baas.
Aber auch die Studierenden selbst sind gefragt, aktiv zu werden. "Es fördert nachweislich die Zufriedenheit, wenn sich Menschen aktiv für eine Sache engagieren. Das könnte zum Beispiel das Engagement in der Fachschaft sein, die Organisation von kulturellen Veranstaltungen oder soziales Engagement", so Baas. "Wichtig ist, dass die Hochschulen einen Rahmen bieten, der dieses Engagement niedrigschwellig anbietet, um möglichst viele Studierende mit einzubinden."
Hinweis für die Redaktion
Für die repräsentative telefonische Umfrage für das TK-Dossier 2026: "Wie geht’s Deutschlands Studierenden?" im Auftrag der TK befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 5. bis 22. Januar 2026 bundesweit insgesamt 1.000 Studierende ab 18 Jahren. Ein Abschnitt widmet sich auch dem Thema Einsamkeit. Hier gibt es das vollständige Dossier: TK-Dossier 2026: Wie geht's Deutschlands Studierenden? (PDF, 2.8 MB)
Psychisches Wohlbefinden ist ein wesentlicher Faktor für Erfolg und Gesundheit im Studium. Daher unterstützt die TK Hochschulen beratend und finanziell dabei, ein professionelles Gesundheitsmanagement an ihren Standorten aufzubauen. Weitere Infos zum Angebot und den Förderprojekten der TK gibt es auf dem Lebensweltenportal der TK .
In einem Pilotprojekt fördert die TK aktuell ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zur Einsamkeitsprävention und Verbundenheit an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW). Ziel ist es, bedarfsspezifisch und evidenzbasiert Maßnahmen zum Abbau von Einsamkeit sowie zur Förderung der sozialen Verbundenheit an der Hochschule gemeinsam mit Studierenden und Mitarbeitenden zu entwickeln. Die TK engagiert sich außerdem zum Thema Einsamkeit als aktives Mitglied der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG). Die GVG ist ein Zusammenschluss von mehr als 100 Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitswesen. Für den Einsamkeitsreport 2024 hat die TK bereits das Einsamkeitsempfinden der Gesamtbevölkerung abgefragt.
Definition: Was ist Einsamkeit?
Das Gefühl der Einsamkeit ist subjektiv. Laut wissenschaftlicher Definition versteht man darunter das unangenehme Gefühl, das entsteht, wenn die Qualität oder Quantität von persönlichen Beziehungen nicht den persönlichen Bedürfnissen entspricht. Jemand, der nur wenig Kontakte pflegt, muss sich nicht zwangsläufig einsam fühlen. Umgekehrt kann sich auch jemand einsam fühlen, der von außen betrachtet viele soziale Kontakte hat. (Quelle: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.)