Wo stehen wir bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen - und wie soll es aus Sicht der TK weitergehen? Antworten hierzu von Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. 

TK: Wir diskutieren seit rund fünf Jahren intensiv über das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen. Was ist seitdem passiert?

Maren Puttfarcken: Eine ganze Menge - vor allem in der letzten Zeit: Sei es beim Thema Akzeptanz in der Bevölkerung und beim medizinischen Personal, bei den vielen neuen Ideen und Entwicklungen - und natürlich in der Gesetzgebung: Dass etwa die Kostenübernahme von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DIGAs), der Ausbau der Telematik-Infrastruktur oder die Einführung des elektronischen Rezepts mittlerweile gesetzlich geregelt sind.  

Besonders wichtig ist für uns aber die elektronische Patientenakte (ePA). Sie wird ab 2021 auf dem Markt sein. Ein echter Meilenstein! Wir sind davon überzeugt, dass die ePA dazu beitragen wird, die Versorgung der Menschen zu verbessern. Unser Anspruch aber geht weiter: Wir wollen die digitale Versorgung mitgestalten. Deshalb bieten wir als TK bereits viele Möglichkeiten, Anliegen online zu erledigen und digitale Versorgungsangebote in Anspruch zu nehmen. Darunter ist zum Beispiel auch ein komplett digitales Fernbehandlungsangebot - von der Diagnose über eine digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis hin zum elektronischen Rezept. Die Vorteile haben sich während der Corona-Pandemie besonders gezeigt und auch dazu geführt, dass die Akzeptanz von digitalen Gesundheitslösungen noch einmal gestiegen ist.  

Trotzdem braucht es weitere Anstrengungen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, noch stärker die Patientensicht und das Thema Transparenz in den Blick zu nehmen. Auch bestehende Prozesse können und müssen digitaler und zeitgemäßer gestaltet werden, und da wollen wir im Gesundheitswesen voranschreiten. 

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Welche Herausforderungen gibt es, und wie will die TK diese angehen?

Puttfarcken: Das Thema Datenschutz und Datensicherheit hat immer höchste Priorität, aber die sensiblen Gesundheitsdaten dürfen weder "Opfer" der Digitalisierung werden noch dürfen sie als Totschlagargument gegen die Digitalisierung dienen. 

Auf das Gesundheitswesen in Deutschland insgesamt geschaut, ist die größte Herausforderung, passende Schnittstellen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern zu schaffen und die Leistungserbringer sektorenübergreifend zur vernetzen. In Hamburg arbeiten wir gerade mit dem Projekt H3 - Hamburg Health Harbour - genau an diesen Schnittstellen und möchten eine digitale Plattform schaffen, über die die unterschiedlichen Leistungserbringer miteinander kommunizieren können. Das hätte viele Vorteile, so könnten Arzt und Patient gemeinsam auf die kompletten Versorgungsdaten schauen. Damit könnten Über-, Unter- und Fehlbehandlungen vermieden werden.   

Aus unserer Sicht ist es wichtig, noch stärker die Patientensicht und das Thema Transparenz in den Blick zu nehmen. Auch bestehende Prozesse können und müssen digitaler und zeitgemäßer gestaltet werden, und da wollen wir im Gesundheitswesen voranschreiten. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Wenn wir konkret nach Hamburg schauen, wie hat sich die Digitalisierung des Gesundheitswesens schon heute ausgewirkt?

Puttfarcken: Wir haben in Hamburg in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht. Der Hamburger Senat hat im Januar 2020 eine Digitalstrategie beschlossen. Darunter werden auch unterschiedliche Vorhaben im Gesundheitswesen gefasst, wie zum Beispiel das H3-Projekt oder der Digital Health Hub der Gesundheitswirtschaft Hamburg . Ebenso plant Hamburg digitale Informationsplattformen für die Bürger in den unterschiedlichen Quartieren. Dort soll unter anderem über generationsübergreifende Quartiersprojekte über Präventions-, Jugend- und Seniorenangebote, Optionen der Gesundheitsförderung und Verbraucherberatung bis hin zu lokalen Betriebspartnerschaften zur Gesundheitsförderung informiert werden.

Als TK konnten wir in Hamburg mit unterschiedlichen Projekten wichtige Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Digitalisierung sammeln. So haben wir vor drei Jahren den Health Innovation Port (HIP) , einen Co-Working Space für Start-ups aus dem Gesundheitswesen, gemeinsam mit Philips feierlich eröffnet. Seitdem hat er sich enorm weiterentwickelt und beherbergt  - Stand heute - 26 Gründerinnen und Gründer.  2019 haben wir unser erstes Pilotprojekt zum elektronischen Rezept gestartet, und auch einige der ersten elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen kamen aus Hamburg. Mit unserem Innovationsfondsprojekt NetzWerk GesundAktiv haben wir erprobt, ob eine digitale Plattform ältere Menschen dabei unterstützen kann, länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben. Und seit August 2020 nehmen mehrere Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen in und um Hamburg an einem Projekt zur Digitalen Anschluss-Reha Recare teil.

TK: In wenigen Wochen sind die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, ihren Versicherten die elektronische Patientenakte (ePA) anzubieten. Was ändert sich dadurch?

Puttfarcken: Wir freuen uns sehr, dass es ab 2021 die gesetzliche Verpflichtung gibt, allen Versicherten eine ePA anzubieten. Wir haben seit Mai 2019 die elektronische Gesundheitsakte TK-Safe mit aktuell 250.000 aktiven Nutzern. Ziel muss es sein, dass wir perspektivisch wegkommen vom Papier und alle wichtigen Unterlagen rund um die eigene Gesundheit für die Versicherten digital bereitstellen können. 

Aus unserer Sicht ist es dabei ganz wichtig, dass die ePA für die Versicherten nutzerorientiert ausgestaltet ist. Sie braucht eine einfache, angenehme und schnelle Bedienung. Und sie  muss einen echten Mehrwert bieten, zum Beispiel durch Services wie eine Impf- oder Vorsorgeerinnerung. 

All das wird nicht von Tag Eins möglich sein. Aber es ist wichtig, dass wir anfangen und die Strukturen stehen. Dann werden wir in den kommenden Jahren sicherlich noch viel größere Fortschritte beim Thema Digitalisierung erleben.