"Die fehlenden ärztlichen Kapazitäten insbesondere im ländlichen Raum zwingen uns in Sachsen, neue Wege zu gehen. Mit Simo Murovski haben wir eine Innovation entwickelt", erklärt Simone Hartmann, Leiterin der Arbeitsgruppe. "Diese zukunftsweisende Idee in die Tat umzusetzen, hat uns immer wieder ermutigt. Der Mehrwert für unsere Patienten ist so überzeugend. Allen Partnern danke ich, sich gemeinsam dafür eingesetzt zu haben."

Digitale Untersuchungen schaffen mehr Sprechstundenzeit

Augenarzt Simo Murovski aus Zschopau hat dafür seine Praxisorganisation um eine Telesprechstunde erweitert. In der Augenarztpraxis erhebt speziell qualifiziertes Personal an modernen augenärztlichen Untersuchungsgeräten die Befunde. Nach einem vorangegangenen persönlichen Kontakt mit dem Patienten greift der Facharzt unabhängig von Ort und Zeit auf die verschlüsselten Untersuchungsergebnisse zu und bewertet sie. Der Patient erhält schriftlich seinen Befund.

Im Falle von krankhaften Veränderungen wird der Patient zum weiteren persönlichen Gespräch mit dem Facharzt eingeladen. Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Patienten mit Diabetes, bei denen augenärztliche Kontrollen notwendig sind. Die Telesprechstunde entlastet den Arzt von regulären Wiederholungsuntersuchungen und verschafft ihm wertvolle Sprechstundenzeit für die Behandlung von Patienten.

Krankenkassen und KV gehen neue Wege

"Die Möglichkeiten, die digitale und telemedizinische Anwendungen für Ärzte und Patienten, vor allem auch in ländlichen Gebieten eröffnen, sind enorm. Ich freue mich, dass die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen dieses Modellprojekt ermöglichen und dass es engagierte Ärzte gibt, die neue digitale Anwendungen erproben", sagt Gesundheitsministerin Barbara Klepsch.

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Von links nach rechts: Jörg Markert (Mitglied des Sächsischen Landtages), Simo Murovski (Augenarzt) Barbara Klepsch (Sozialministerin in Sachsen), Simone Hartmann (Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen), Andrea Keßler (Patientin) und Susann Leschner (Augenoptikermeisterin)

Die modernen Untersuchungsgeräte liefern dem Arzt eine hochauflösende Darstellung des Auges, anhand derer er eine exakte Diagnose stellen und seine Therapie ausrichten kann. Der Erfolg des Projektes wird wissenschaftlich untersucht. Der Datenschutz wird sowohl bei der Befunderhebung als auch bei der Auswertung der Untersuchungsergebnisse beachtet.

Mehr Termine in ländlichen Gebieten

"Das Projekt ist in dieser Form bisher einmalig in Sachsen. Moderne Technik und qualifiziertes Fachpersonal ermöglichen eine neue Sprechstundeneinteilung und effizientes Arbeiten bei hoher Qualität", sagt Simo Murovski. "Ich bin zuversichtlich, dass ich mit diesem telemedizinischen Angebot mehr Patienten versorgen kann als bisher - und auch schneller."

Der große Vorteil für die Patienten in der Region Marienberg besteht darin, schneller als bisher einen Termin beim Augenarzt vereinbaren zu können. Für Berufstätige bietet die Praxis Sprechstundenzeiten an zwei Tagen in der Woche bis 18 Uhr an.

Hintergrund

Das Projekt ist auf die Modellregion Marienberg zugeschnitten. Hier besteht in einigen ambulanten Facharztbereichen sogenannte drohende Unterversorgung. Das Gemeinsame Landesgremium nach  § 90a SGB V aus sächsischem Sozialministerium und Partnern der Selbstverwaltung hat deshalb Marienberg und Weißwasser zu Modellregionen in Sachsen ausgewählt und sieben Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Arbeitsaufträgen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung eingesetzt.