In der historischen Kulisse der Orangerie im Schweriner Schloss ging es um die Frage, wie Gesundheitspolitik die Voraussetzungen für ein gesundes und selbstbestimmtes Älterwerden verbessern kann: Wie lassen sich frühzeitig die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen in Mecklenburg-Vorpommern gesund und selbstbestimmt älter werden können?

Die Diskussion zeigte: Die Gesunderhaltung der Bevölkerung muss stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Grundlagen für ein gesundes Leben im Alter werden nicht erst im höheren Lebensalter gelegt, sondern bereits in Kindheit, Jugend und im Erwachsenenalter. Einzelne Projekte reichen dafür nicht aus. Es braucht einen gesamtgesellschaftlichen Wandel, der gesunde Lebensweisen in allen Lebensphasen und alltäglichen Lebenswelten unterstützt - also dort, wo Menschen leben, lernen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.

Gesünder altern in M-V: Das ist unser Ziel. Damit dies gelingt, muss Gesundheitsförderung lebensbegleitend gedacht werden - ganz ohne Lücken, von der Kita an bis ins hohe Alter.
Manon Austenat-Wied

Sylvia Grimm, Staatssekretärin des Ministeriums für Soziales, Gesund und Sport M-V, betonte, dass entsprechende Angebote Menschen jeden Alters erreichen müssen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen. Sie sollten dabei helfen, die eigene Gesundheit zu erhalten und gesundheitliche Risiken möglichst früh zu erkennen. Dr. Jens Placke, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, hob die Bedeutung von Gesundheitskompetenz hervor. Menschen müssten in die Lage versetzt werden, Gesundheitsinformationen zu verstehen, einzuordnen und für ihre eigene Gesundheit zu nutzen. Nur so könne langfristig ein tragfähiges Verständnis für Gesundheit entstehen.

"Health in All Policies" als Leitprinzip der Landespolitik

Gesundheitsförderung ist nicht allein Aufgabe des Gesundheitswesens. Zur gesellschaftlichen Verantwortung gehört auch, Menschen zu eigenverantwortlichem Handeln zu befähigen. Dafür benötigen sie verständliche Informationen, geeignete Angebote und gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen.

Deshalb sollte "Health in All Policies" - Gesundheit in allen Politikbereichen - als landespolitisches Leitprinzip etabliert werden. Der Ansatz bedeutet, die gesundheitlichen Auswirkungen politischer Entscheidungen von Anfang an mitzudenken - beispielsweise in der Bildungs-, Verkehrs-, Arbeits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik.

Uwe Borchmann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, bezeichnete eine ressortübergreifende Zusammenarbeit als wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und gesundes Leben. Politik, Gesundheitswesen, Wirtschaft, Bildung und Verkehr müssten gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Gesundheitskompetenz und Selbstständigkeit entstehen nicht kurzfristig. Der Prozess sollte möglichst früh beginnen - idealerweise bereits in der Kindheit oder während der Schwangerschaft. Dafür braucht es auch ein stärkeres Engagement des Landes.

Digitale Angebote können die Primärversorgung im ländlichen Raum ergänzen

Gerade im ländlichen Raum können digitale Versorgungsangebote dazu beitragen, Entfernungen und Zugangshürden zu verringern. Ältere Menschen erreichen medizinische Einrichtungen aufgrund weiter Anfahrtswege teilweise nur schwer.

Videosprechstunden können ärztliche Kontakte ermöglichen, ohne dass für jeden Termin eine längere Anfahrt notwendig ist. Telekonsile erleichtern den fachlichen Austausch zwischen Leistungserbringenden und können bei der Einschätzung von Befunden unterstützen.

Eine Anfang des Jahres durchgeführte Forsa-Umfrage zeigte, dass auch ältere Menschen digitale Kanäle nutzen, wenn diese unkompliziert und niedrigschwellig zugänglich sind. Digitale Anwendungen sollten daher nicht als zusätzliche Hürde, sondern als Einstieg in die Versorgung gestaltet werden.

Dafür kommen unterschiedliche Zugangswege infrage:

  • Smartphone-Apps
  • telefonische Angebote über die 116117
  • Unterstützung in Arztpraxen, beispielsweise am Empfang
  • weitere wohnortnahe und niedrigschwellige Anlaufstellen

Erfahrungen aus anderen Bundesländern, darunter Baden-Württemberg, zeigen, dass solche Ansätze grundsätzlich funktionieren können. Entscheidend ist, dass digitale Lösungen verständlich, niedrigschwellig zugänglich und im Versorgungsalltag praktisch einsetzbar sind. Sie sollten bestehende Angebote ergänzen und auch Menschen erreichen, die digitale Unterstützung benötigen.

Programm für Patient Empowerment und digitale Gesundheitskompetenz entwickeln

Eine zentrale Schlussfolgerung der Diskussionsrunde lautet: Das Land Mecklenburg-Vorpommern sollte gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen und den maßgeblichen Leistungserbringerorganisationen ein Programm für Patient Empowerment und digitale Gesundheitskompetenz entwickeln.

Das Programm sollte sich sowohl an Patientinnen und Patienten als auch an Leistungserbringende richten. Ziel wäre es, die sichere, verständliche und selbstbestimmte Nutzung digitaler Gesundheitsangebote zu fördern.

Dazu gehören insbesondere:

  • verständliche Informationen zu digitalen Gesundheitsangeboten
  • Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Anwendungen
  • Orientierung zu Datenschutz und Datensicherheit
  • Qualifizierung von Leistungserbringenden
  • niedrigschwellige Hilfe bei der Nutzung digitaler Versorgungsangebote
  • analoge Zugänge für Menschen, die digitale Angebote nicht oder nur eingeschränkt nutzen können

Häufige Fragen

Was bedeutet "Health in All Policies"?

"Health in All Policies" bedeutet, gesundheitliche Auswirkungen in allen Politikbereichen mitzudenken. Neben der Gesundheitspolitik betrifft das beispielsweise Bildung, Verkehr, Arbeit, Wirtschaft und Soziales.

Warum beginnt Prävention bereits in der Kindheit?

Gesundheitsverhalten und Gesundheitskompetenz entwickeln sich über viele Jahre. Frühzeitige Unterstützung kann dazu beitragen, gesundheitsförderliche Entscheidungen und Lebensweisen langfristig zu verankern.

Welche Rolle spielen digitale Angebote in der Primärversorgung?

Digitale Angebote können insbesondere im ländlichen Raum den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern. Dazu zählen beispielsweise Videosprechstunden, Telekonsile und telefonische Beratungsangebote über die 116117.

Was ist Patient Empowerment?

Patient Empowerment bedeutet, Menschen zu befähigen, sich informiert und selbstbestimmt an Entscheidungen über ihre Gesundheit und Versorgung zu beteiligen.

Was sollte ein Programm für digitale Gesundheitskompetenz leisten?

Ein solches Programm sollte verständliche Informationen, praktische Unterstützung sowie Orientierung zu Datenschutz, Datensicherheit und zur Auswahl digitaler Gesundheitsangebote bieten. Es sollte sich an Patientinnen und Patienten sowie an Leistungserbringende richten.