DIHVA-Projekt gegen Hausärztemangel auf dem Land wird ausgerollt
Pressemitteilung
Hamburg, 1. Juli 2026. Die Techniker Krankenkasse (TK) rollt gemeinsam mit der Digitalen Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft (DFGVG) ein neues Projekt gegen den Hausärztemangel auf dem Land aus. In ländlichen Gebieten kommen auf einen Hausarzt oder eine Hausärztin bereits heute bis zu 25 Prozent mehr Patientinnen und Patienten als in urbanen Regionen. Gleichzeitig bleiben Hausarztstellen auf dem Land unbesetzt. Genau in diesen Regionen kann ein neuer Beruf Hausärztinnen und Hausärzte entlasten. Die sogenannten "Digitalen hausärztlichen Versorgungsassistenzen" (DIHVA) sind speziell geschulte Personen, die den ersten Patientenkontakt übernehmen und eine strukturierte Anamnese sowie Routineuntersuchungen durchführen. "Eine kluge Aufgabenverteilung ist ein wichtiger Baustein, um die Versorgung auf dem Land zu sichern. Wir müssen im Gesundheitssystem mehr auf Delegation setzen, also dass bestimmte Versorgungsaufgaben von qualifiziertem Personal übernommen werden", sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Neu sei an dem Konzept von DIHVA die Kombination von Delegation mit einem KI-Ersteinschätzungsverfahren. "Patientinnen und Patienten werden so gezielt in die richtige Behandlung gelenkt. Diagnose und Therapieentscheidung verbleiben aber beim Arzt oder der Ärztin", so Baas.
DIHVA ist erfolgreich gestartet in NRW
Im Herbst 2025 haben die ersten fünf ausgebildeten Versorgungsassistenzen in zwei Hausarztpraxen in Etteln und Olpe in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit aufgenommen. Sie arbeiten dort Hand in Hand mit den Ärztinnen und Ärzten und sind die mobile Außenstelle der Praxis, wobei künftig auch Pflegeheime Einsatzorte für DIHVAs sein können. Nach dem erfolgreichen Start der beiden Pilot-Standorte, rollen TK und DFGVG das DIHVA-Modell jetzt in weiteren Bundesländern aus. Seit Juni sind zwei weitere DIHVAs in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz. Dort ist das Ärztenetz Haffnet mit vier Arztpraxen dem Projekt beigetreten.
Patienten sparen im Schnitt mehr als eine Stunde Fahrtzeit
"Für Patientinnen und Patienten ist der große Vorteil, dass sie einen DIHVA-Termin schneller bekommen und sich den Weg in die Hausarztpraxis sparen. In unserer Evaluation des DIHVA-Projekts mit der Universität Siegen gaben Patientinnen und Patienten an, dass sie durch DIHVA im Durchschnitt eine Stunde und 20 Minuten Fahrtzeit sparen", sagt Alexander Baasner von der DFGVG, der das Konzept gemeinsam mit einem hausärztlichen Kollegen entwickelt hat. Christian Hönnscheidt, Hausarzt am DIHVA-Standort Ueckermünde, sagt: "Der Vorteil des Konzepts ist für mich, dass wir das Patientenaufkommen entzerren können, weil ich zeitversetzt zu meiner Assistenz arbeiten kann. Ich kann zeitlich flexibel einteilen, wann ich die Untersuchungsergebnisse der DIHVA bewerte und den Patienten anrufe." Das sei eine spürbare Entlastung im Praxisalltag.
DIHVAs arbeiten mit KI-Ersteinschätzung und digitalen Tools
Die Innovation des DIHVA-Modells ist, dass die Assistenzen von einer KI-gestützten Software durch die Behandlung geleitet werden. Mit dieser Software ermitteln DIHVAs die Krankheitssymptome der Patientinnen und Patienten und erhalten eine Empfehlung, welche körperlichen Untersuchungen für die Diagnose durch die Hausärztin oder den Hausarzt notwendig sind. DIHVAs können bis zu 50 medizinische Werte erheben und zwar allesamt digital. So ist beispielsweise ein digitaler Rachenspatel im Einsatz, der dem Arzt oder der Ärztin eine Videoaufnahme des Rachens eines Patienten oder einer Patientin übermittelt oder ein digitales Stethoskop, das Herztöne oder Atemgeräusche aufzeichnet. Die Ergebnisse der Untersuchung werden direkt digital an den Hausarzt oder die Hausärztin geschickt. In einem anschließenden Gespräch per Telefon oder Videosprechstunde bespricht der Arzt oder die Ärztin mit den Patienten oder Patientinnen die Ergebnisse.
Hinweis für die Redaktion
Die Zahlen zur Arzt-Patienten-Quote in ländlichen Gebieten stammen aus der Versorgungsanalyse der Stiftung Gesundheit, Stand 31.12.2024.
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