• DIHVA steht für "Digitale hausärztliche Versorgungsassistenz" und ist sowohl ein neues Versorgungsmodell als auch ein neues Berufsbild im hausärztlichen Umfeld.  

  • Standardisierbare medizinische Tätigkeiten werden an qualifizierte nicht-ärztliche Personen delegiert, um Hausarztpraxen zu entlasten. 

  • DIHVAs arbeiten mit einem telemedizinischen, KI-gestützten Diagnoserucksack und unterstützen insbesondere bei Anamnese und Routineuntersuchungen.  

  • Patientinnen und Patienten sparen dank DIHVA im Schnitt mehr als eine Stunde Fahrtzeit.

In ländlichen Gebieten kommen auf einen Hausarzt oder eine Hausärztin bereits heute bis zu 25 Prozent mehr Patientinnen und Patienten als in urbanen Regionen. Gleichzeitig bleiben Hausarztstellen auf dem Land unbesetzt. Genau in diesen Regionen kann ein neuer Beruf Hausärztinnen und Hausärzte entlasten: Die sogenannten "Digitalen hausärztlichen Versorgungsassistenzen" (DIHVA) sind speziell geschulte Personen, die den ersten Patientenkontakt übernehmen und eine strukturierte Anamnese sowie Routineuntersuchungen durchführen.

TK-Vorstand Baas zu DIHVA: "Kluge Aufgabenverteilung wichtiger Baustein"

"Eine kluge Aufgabenverteilung ist ein wichtiger Baustein, um die Versorgung auf dem Land zu sichern. Wir müssen im Gesundheitssystem mehr auf Delegation setzen, also dass bestimmte Versorgungsaufgaben von qualifiziertem Personal übernommen werden", sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Neu sei an dem Konzept von DIHVA die Kombination von Delegation mit einem KI-Ersteinschätzungsverfahren. "Patientinnen und Patienten werden so gezielt in die richtige Behandlung gelenkt. Diagnose und Therapieentscheidung verbleiben aber beim Arzt oder der Ärztin", so Baas. 

DIHVA unter­stützt Haus­arzt­praxen

TK-Infografik: DIHVAs können bis zu 50 medizinische Werte erheben - allesamt digital. Quelle: TK Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
DIHVAs können bis zu 50 medizinische Werte erheben - allesamt digital. Quelle: TK

Wer profitiert von DIHVA?

Patientinnen und Patienten profitieren durch einen schnellen, wohnortnahen Zugang zur Versorgung ohne lange Fahrtwege oder Wartezeiten, insbesondere in ländlichen Regionen. Im Schnitt können pro DIHVA-Besuch circa eine Stunde und 20 Minuten Wegzeit eingespart werden. Hausarztpraxen, Ärztinnen und Ärzte profitieren durch eine Entlastung im Alltag und vorbereitete Patientenkontakte: Teilnehmende Ärztinnen und Ärzte sparen laut eigener Aussage im Schnitt 12 Minuten pro Fall durch DIHVA. Über 60 Prozent der Behandelten benötigen nach einem DIHVA-Besuch nach eigener Aussage im Anschluss keinen physischen Praxisbesuch.

DIHVA ist erfolgreich gestartet in NRW 

Im Herbst 2025 haben die ersten fünf ausgebildeten Versorgungsassistenzen in zwei Hausarztpraxen in Etteln und Olpe in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit aufgenommen. Sie arbeiten dort Hand in Hand mit den Ärztinnen und Ärzten und sind die mobile Außenstelle der Praxis, wobei künftig auch Pflegeheime Einsatzorte für DIHVAs sein können. 

Nach dem erfolgreichen Start der beiden Pilot-Standorte, rollen TK und DFGVG das DIHVA-Modell jetzt in weiteren Bundesländern aus. Seit Juni sind zwei weitere DIHVAs in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz. Dort ist das Ärztenetz Haffnet mit vier Arztpraxen dem Projekt beigetreten.  

DIHVAs arbeiten mit KI-Ersteinschätzung und digitalen Tools 

Die Innovation des DIHVA-Modells ist, dass die Assistenzen von einer KI-gestützten Software durch die Behandlung geleitet werden. Mit dieser Software ermitteln DIHVAs die Krankheitssymptome der Patientinnen und Patienten und erhalten eine Empfehlung, welche körperlichen Untersuchungen für die Diagnose durch die Hausärztin oder den Hausarzt notwendig sind.

DIHVAs können bis zu 50 medizinische Werte erheben und zwar allesamt digital. So ist beispielsweise ein digitaler Rachenspatel im Einsatz, der dem Arzt oder der Ärztin eine Videoaufnahme des Rachens eines Patienten oder einer Patientin übermittelt oder ein digitales Stethoskop, das Herztöne oder Atemgeräusche aufzeichnet. Die Ergebnisse der Untersuchung werden direkt digital an den Hausarzt oder die Hausärztin geschickt. In einem anschließenden Gespräch per Telefon oder Videosprechstunde bespricht der Arzt oder die Ärztin mit den Patienten oder Patientinnen die Ergebnisse.  

Weitere Infos

Die Digitale Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft mbH (DFGVG), die das Konzept "DIHVA" entwickelt hat, wurde 2024 gegründet und hat ihren Sitz in Wenden (NRW). Die Zahlen zur Arzt-Patienten-Quote in ländlichen Gebieten stammen aus der Versorgungsanalyse der Stiftung Gesundheit, Stand 31.12.2024. 

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