Für die Studie hat Professor Dr. Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Centre for Health Economics (HCHE), die Versorgungssituation von TK-Versicherten, die in 13 Bundesländern an der HzV teilnehmen, mit TK-Versicherten, die nicht daran teilnehmen, verglichen. Beide Versicherten-Gruppen sind statistisch so zusammengesetzt, dass sie in Bezug auf den Gesundheitszustand und die demografischen Merkmale identisch sind.

Das klare Ergebnis der Evaluation: Teilnehmende des Hausarztprogramms werden nicht besser durch Versorgung gelotst. Würde die HzV ihre Ziele einer besseren Versorgungssteuerung erfüllen, müssten teilnehmende Versicherte beispielsweise weniger Facharztkontakte und Krankenhausaufenthalte aufweisen und die Ausgaben für die Versorgung müssten insgesamt geringer sein. Dies tritt jedoch nicht ein.

"Die Studie zeigt, dass die HzV nur eine bedingte Steuerungswirkung aufweist. Unter anderem führt sie zu mehr Facharztkontakten und die Zahl der Krankenhausaufenthalte ist durch die HzV-Teilnahme nicht zurückgegangen. Im Ergebnis führt sie zu Mehrausgaben im Vergleich zur Regelversorgung."
Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Centre for Health Economics (HCHE)

Die wichtigsten Ergebnisse der HzV-Evaluation auf einen Blick

Zahl der Hausarztkontakte nahezu unverändert

HzV-Teilnehmende verpflichten sich, bei medizinischen Angelegenheiten immer zuerst ihren festen HzV-Hausarzt oder -Hausärztin aufzusuchen. In der Praxis ist die Zahl der Hausarztkontakte bei den HzV-Teilnehmenden nahezu unverändert.

- 0,2 Hausarztkontakte pro Teilnehmenden und Jahr

Zahl der Facharztkontakte steigt

HzV-Teilnehmende brauchen für einen Facharztbesuch immer eine hausärztliche Überweisung. Das soll unnötige Facharztbehandlungen vermeiden und die Facharztpraxen entlasten. Dieser Effekt tritt jedoch nicht ein. Im Gegenteil: Die Zahl der Facharztkontakte steigt mit HzV sogar leicht an.

+ 1,2 Facharztkontakte pro Teilnehmenden und Jahr

Krankenhausaufenthalte werden nicht vermieden

Die enge Betreuung durch den HzV-Hausarzt oder -Hausärztin führt nicht zu weniger Krankenhausaufenthalten.

Zahl der Krankenhausaufenthalte bei HzV-Teilnehmenden nahezu unverändert 

Keine bessere Arzneimittelversorgung

Der Vergleich der beiden Gruppen zeigt, dass auch bei den Arzneimittelverordnungen keine relevante Verbesserung festzustellen war. 

Keine relevante Verbesserung bei Arzneimittelverordnungen in der HzV

Mehr Krankengeldtage  

Die Zahl der Krankengeldtage wird durch die HzV-Teilnahme nicht reduziert: Stattdessen verzeichnen die HzV-Teilnehmenden der TK sogar mehr Krankengeldtage als diejenigen, die nicht am Vertrag teilnehmen.

+ 4 Krankengeldtage pro Teilnehmenden und Jahr

Mehrkosten von 160 Millionen Euro pro Jahr bei der TK

Der Vergleich der beiden Versichertengruppen zeigt, dass die HzV zu hohen Mehrkosten in allen Leistungsbereichen führt.

+ 160 Millionen Euro pro Jahr Mehrkosten für HzV-Teilnehmende bei der TK

Was die Ergebnisse bedeuten

Angesichts der Herausforderungen in der ambulanten Versorgung braucht es aus Sicht der TK ein gut durchdachtes Primärversorgungssystem. Die Evaluation liefert dafür wertvolle Erkenntnisse. Da sich die Beschränkung der Versorgungskoordination auf Hausärztinnen und Hausärzte nach dem Prinzip der HzV nicht bewährt, sollte die HzV nicht ausgeweitet werden. 

Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK: "Die Hausärzte sind das Rückgrat der medizinischen Versorgung in Deutschland. Gleichzeitig brauchen wir ein durchdachtes Primärversorgungssystem, das Hilfesuchende gezielt durch die Versorgung führt. Die Evaluation zeigt, dass die HzV in der jetzigen Form dafür keine geeignete Grundlage ist."

Die TK fordert stattdessen ein Primärversorgungssystem nach dem Prinzip "Digital vor ambulant vor stationär". Eine verbindliche digitale Ersteinschätzung des medizinischen Anliegens muss die erste Anlaufstelle sein. Auf Basis der Symptome sollen Patientinnen und Patienten dann direkt in die für sie passende Versorgung geleitet werden - je nach Bedarf ein zeitnaher Haus- oder Facharzttermin, eine Videosprechstunde oder auch erstmal Bettruhe. Primärarzt beziehungsweise Primärärztin ist die von der Ersteinschätzung vorgeschlagene Fachrichtung, die für diesen Fall alle nötigen Behandlungsschritte koordiniert.  

HCHE: Evalua­tion der TK HzV-Bund-Verträge

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