Projekt gegen Hausärztemangel auf dem Land - Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann besucht DIHVA in Olpe
Pressemitteilung aus Nordrhein-Westfalen
Olpe, 21. Januar 2026. In zehn Jahren werden bundesweit in 40 Prozent der Landkreise Hausarztpraxen fehlen, so eine Studie der Robert-Bosch-Stiftung. Mit dem Projekt "DIHVA - Digitale Hausärztliche Versorgungsassistenz" wollen die Techniker Krankenkasse (TK) und das Digitale Facharzt- und Gesundheitszentrum (DFGZ) in Olpe die medizinische Versorgung in der Region stärken.
"Mit der DIHVA können wir medizinische Hilfe in ländlichen Regionen sichern. Dabei greifen innovative Technologie und die menschliche Unterstützung durch eine hausärztliche Assistenz bestmöglich ineinander. Gleichzeitig werden so die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt", sagte Barbara Steffens, Leiterin der TK-Landesvertretung NRW, anlässlich des Besuches von Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Projektstandort. Die TK plane schon jetzt mit weiteren Standorten im Bundesgebiet.
Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärt anlässlich der Präsentation: "Mehr als die Hälfte der 11.000 Hausärztinnen und -ärzte in Nordrhein-Westfalen ist über 55 Jahre alt. Gerade im ländlichen Raum werden weitere Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner dringend benötigt. Mit der Landarztquote, zusätzlichen Medizinstudienplätzen und dem Hausarztaktionsprogramm, dessen Fördervolumen für dieses Jahr nochmal erhöht wurde, haben wir wichtige Instrumente geschaffen, um die wohnortnahe ärztliche Versorgung gerade in ländlichen Regionen und kleineren Kommunen zu stärken. Mindestens genauso wichtig ist es, dass aus der Praxis selbst - von der Ärzteschaft und den Krankenkassen - innovative Versorgungsmöglichkeiten erprobt werden, die dem demografischen Wandel begegnen. Das DIHVA-Projekt zielt darauf ab, die Gesundheitsversorgung in der Fläche sicherzustellen. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse des Projektes."
Die digitale Hausarzt-Assistenz arbeitet quasi als mobile Außenstelle der Hausarztpraxis, wobei auch Alters- oder Pflegeheime zukünftig Einsatzorte für eine DIHVA sein können. Zentraler Aspekt ist die Integration von digitalen KI-basierten Systemen, die den diagnostischen Prozess unterstützen. Diese Untersuchungstools analysieren die Beschwerden der Patientinnen und Patienten und leiten die Assistenten durch die notwendigen Untersuchungen.
Für Stefan Spieren, Hausarzt in Olpe und einer der Initiatoren des Konzepts, ist endscheidend, "dass die DIHVA nicht den Arzt oder die Ärztin ersetzt, sondern deren Arbeit ergänzt und bestmöglich vorbereitet. Mehr als 50 diagnostische Werte können von der DIHVA erfasst werden. Durch diese Vorarbeit kann ich mich als Arzt auf die Diagnose und Therapie konzentrieren. Dies verkürzt nicht nur die Wartezeiten für Patientinnen und Patienten, sondern verbessert auch die Effizienz der gesamten Versorgungskette."
"Die Ausbildung zur DIHVA ist ein Paradebeispiel für einen pragmatischen Ansatz. Ein modulares Curriculum ermöglicht medizinischem Fachpersonal den niederschwelligen Zugang zu einem spannenden Berufsfeld", ergänzt Alexander Baasner, zweiter DIHVA-Initiator und Forschungsleiter.
Bei den Bürgerinnen und Bürgern finden solche innovativen Ansätze ein positives Echo, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK zeigt. "Wir wissen aus unserem TK-Meinungspuls, dass schon heute zwar 50 Prozent der Befragten mit dem Angebot an Hausarztpraxen in ihrer Umgebung zufrieden sind, jede fünfte oder jeder fünfte aber eben nicht", erläutert Steffens. Gleichzeitig begrüßten fast 90 Prozent die Möglichkeit, das medizinische Fachkräfte bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen könnten - das entlaste dann Ärztinnen und Ärzte. "Mit der DIHVA liefern wir ein passendes Angebot."
Hinweis für die Redaktion:
Für den TK-Meinungspuls, eine bevölkerungsrepräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Januar und Februar 2025 bundesweit insgesamt 2.052 Personen ab 18 Jahren.