TK-Umfrage in SH: Zusammenarbeit bei medizinischer Behandlung für 38 Prozent nicht optimal
Pressemitteilung aus Schleswig-Holstein
- 38 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein haben in letzter Zeit erlebt, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behandlern nicht optimal funktionierte.
- 70 Prozent von ihnen geben an, dass wichtige Informationen nicht rechtzeitig vorlagen, und 60 Prozent waren nicht über nächste Behandlungsschritte informiert.
- 73 Prozent befürworten Primärversorgungssystem
Kiel, 12. Mai 2026. Medizinische Versorgung erfordert oft eine enge und koordinierte Abstimmung zwischen Haus- und Facharztpraxen, Kliniken sowie Pflegeeinrichtungen. 38 Prozent der Befragten in Schleswig-Holstein gaben an, dass sie in den letzten Jahren Situationen erlebt haben, in denen die Zusammenarbeit mehrerer Akteure bei einer medizinischen Behandlung nicht optimal war. Mehr als der Hälfte von ihnen (55 Prozent) fehlte eine klare Ansprechperson, die den Fortschritt der Behandlung im Blick hat und bei Fragen und Problemen ansprechbar ist. Bei 60 Prozent der Betroffenen kam es zu langen Wartezeiten zwischen Terminen, die die Behandlung verzögerten. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) in Schleswig-Holstein.
Schlechter Informationsfluss, Behandlungsdaten oft unvollständig
Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein, sieht die medizinische Versorgung der Menschen auf einem guten Niveau, erkennt aber auch Verbesserungspotenzial. "Luft nach oben besteht in der Koordination der Behandlungsabläufe und in der Informationsweitergabe zwischen den Behandlerinnen und Behandlern", so Schmidt-Bodenstein. Von den Befragten, bei denen die Zusammenarbeit der Akteure nicht wie gewünscht lief, gaben 70 Prozent an, dass wichtige Informationen nicht rechtzeitig vorlagen. Bei 65 Prozent wurden wichtige Informationen falsch oder unvollständig weitergegeben, 60 Prozent hatten keine Informationen darüber, was der nächste Behandlungsschritt sein sollte. Ein Drittel von ihnen (34 Prozent) erlebte unnötige Doppeluntersuchungen.
Elektronische Patientenakte ist zentrales Tool, um Versorgung zu verbessern
Schmidt-Bodenstein sieht hier die elektronische Patientenakte (ePA) als zentrales Tool, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden und den notwendigen Informationsfluss zu verbessern. Sie müsse fester Bestandteil im Behandlungsalltag werden: "Die ePA ist der zentrale, digitale Speicher für Diagnosen, ärztliche Berichte und Medikation. Zum Beispiel könnte nach einem stationären Aufenthalt der Entlassungsbrief sofort in die ePA eingespielt werden, sodass die weiterbehandelnde Praxis Zugriff auf alle wichtigen Informationen hat und die Therapie nahtlos fortführen kann."
Medizinische Ersteinschätzung sorgt für klare Abläufe und Zuständigkeiten
Um die Versorgung zu verbessern, strebt die Bundesregierung die Einführung eines Primärversorgungssystems an, bei dem ein Arzt oder eine Ärztin die Behandlungskoordination übernimmt und die notwendigen Überweisungen für Folgetermine ausstellt. "Das ist der richtige Ansatz, um die Versorgung strukturierter zu gestalten, mit klaren Behandlungswegen und Verantwortlichkeiten", betont Schmidt-Bodenstein. Nach Ansicht der TK führt ein Primärversorgungssystem aber nur dann zu effizienteren Abläufen, wenn Patientinnen und Patienten zunächst eine standardisierte medizinische Ersteinschätzung durchlaufen - digital, telefonisch oder vor Ort in der Praxis. Diese erfasst die Beschwerden und leitet Hilfesuchende anhand ihrer Symptome direkt zur passenden Versorgung. Der sogenannte Primärversorger, der alle weiteren Behandlungsschritte koordiniert, kann je nach Krankheitsbild dann der Haus- oder Facharzt sein. "Eine digitale Ersteinschätzung sorgt im Sinne der Patientinnen und Patienten für klare Zuständigkeiten und Ansprechpartner in ihrer medizinischen Behandlung", so Schmidt-Bodenstein. 73 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein finden die Idee eines Primärversorgungssystems gut oder sehr gut, 67 Prozent können sich vorstellen, eine Ersteinschätzung zu nutzen.
Hinweis für die Redaktion
Die Vorschläge der TK für eine bessere ärztliche Versorgung sind im Presseportal abrufbar. Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im September/Oktober 2025 insgesamt 500 Personen ab 18 Jahre bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Schleswig-Holstein.