Lübeck/Kiel, 28. April 2026. Krampfadern (Varizen) sind auch in Schleswig-Holstein weit verbreitet - und für viele Betroffene ein schambehaftetes Thema. Wie eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) in Schleswig-Holstein zeigt, waren im Jahr 2024 knapp 30.000 TK-Versicherte im nördlichsten Bundesland wegen Varizen in ärztlicher Behandlung. Rund ein Drittel davon waren Männer.

"Krampfadern werden häufig als kosmetisches Problem und als typisches Frauenthema abgetan. Unsere Daten zeigen jedoch, dass in Schleswig-Holstein auch viele Männer betroffen sind", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Betroffene empfinden die sichtbaren Venenveränderungen häufig als unangenehm, sprechen ungern darüber und suchen oft erst spät ärztliche Hilfe. "Gerade bei Erkrankungen, über die wenig gesprochen wird, brauchen wir moderne, schonende Behandlungsangebote und klare Wege in die Versorgung", betont Schmidt-Bodenstein.

Minimalinvasive Behandlung von Krampfadern in Lübeck und Husum

Seit April können TK-Versicherte in Schleswig-Holstein ein neues spezialisiertes Behandlungsangebot für Krampfadern nutzen. In Lübeck (Venenzentrum Lübeck - Praxis für Gefäßchirurgie) und Husum (Klinik Dr. Winkler) kooperiert die TK mit erfahrenen Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen, die Varizen minimalinvasiv mit Laser- oder Radiofrequenztherapie behandeln. Als weiterer Standort ist Kiel geplant.

Bei der sogenannten endovenösen Therapie wird die erkrankte Vene mittels Laser- oder Radiofrequenzverfahren von innen thermisch verschlossen, sodass der krankhafte Rückfluss des Blutes unterbunden wird. Das Verfahren ist schonend und kann ambulant unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Ein stationärer Krankenhausaufenthalt ist in der Regel nicht erforderlich. "Aus Sicht der Patientinnen und Patienten ist vor allem die Kombination aus schonendem Verfahren und schneller Erholungszeit entscheidend. 

Wir arbeiten minimalinvasiv, das bedeutet ohne einen Schnitt in der Leiste. Dadurch gibt es praktisch keine Wundheilungsstörungen und die Blutungs- und Infektionsgefahr ist sehr gering", erklärt Dr. Katharina Moser-Notbom, Fachärztin für Gefäßchirurgie am Venenzentrum Lübeck. "Über 90 Prozent meiner Patientinnen und Patienten sind am nächsten Tag wieder voll belastbar. Das Langzeitergebnis ist dabei genauso gut wie bei der klassischen Operation."

Mehr als Kosmetik: Scham und gesundheitliche Risiken

Krampfadern sind für Betroffene häufig nicht nur ein medizinisches, sondern auch eine psychische Belastung. Gerade wenn die Beine stark verändert sind, fühlen sich viele Menschen unsicher. "Es gibt Patientinnen und Patienten, die trauen sich selbst im Hochsommer nicht mehr kurze Hosen anzuziehen oder an den Strand zu gehen", berichtet Dr. Moser-Notbom. "Ich erlebe in meiner Praxis, wie unterschiedlich Menschen mit Krampfadern umgehen - von sehr frühen Vorstellungen bis hin zu Befunden, die lange verdrängt wurden."

Medizinisch relevant sind Varizen vor allem dann, wenn sie ein bestimmtes Stadium überschreiten. Es steigt das Risiko für Thrombosen. Zudem können sich Hautveränderungen entwickeln, aus denen ein sogenanntes offenes Bein entstehen kann. "Krampfadern sind kein Luxusproblem. Spätestens wenn das Bein dicker wird und die Haut sich deutlich verändert, sprechen wir über ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild", so die Fachärztin.
Prävention: Was Betroffene selbst tun können

Ganz vermeiden lassen sich Krampfadern allerdings nicht immer. Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung. Auch sehr schlanke und sportliche Menschen können ausgeprägte Varizen entwickeln. Mit einem aktiven Lebensstil, regelmäßiger Bewegung und dem Vermeiden von langem Sitzen oder Stehen können Betroffene das Erkrankungsrisiko aber deutlich beeinflussen und den Verlauf positiv mitgestalten.
 

Hinweis für die Redaktion

Varizen sind krankhafte Erweiterungen der Venen, meist an den Beinen. Sie können zu Beschwerden wie Schweregefühl, Schmerzen, nächtlichen Krämpfen oder Schwellungen führen und bei fortgeschrittenen Stadien das Risiko für Thrombosen und chronische Wunden ("offene Beine") erhöhen.

Zum Interview mit Dr. Katharina Moser-Notbom