•    36 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein hatten in den vergangenen drei Jahren plötzliche Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten - 41 Prozent von ihnen gingen in die Notaufnahme.

•    Angebote des ärztlichen Bereitschaftsdienstes werden nur selten genutzt: 9 Prozent riefen die 116 117 an, vier Prozent suchten direkt eine Bereitschaftspraxis auf.

•    TK sieht Notfallreform als große Chance, die Versorgungswege in der Notfallversorgung klarer zu ordnen.

Kiel, 23. April 2026. Wenn in Schleswig-Holstein die Arztpraxen geschlossen sind, führt der Weg vieler Menschen bei plötzlichen Beschwerden direkt in die Notaufnahme - obwohl es auch andere Anlaufstellen gibt. Darauf weisen aktuelle Ergebnisse einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) hin.

Demnach hatten 36 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein in den vergangenen drei Jahren plötzliche Gesundheitsbeschwerden außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten. Von diesen suchte ein Großteil (41 Prozent) die Notaufnahme eines Krankenhauses auf. Lediglich 4 Prozent entschieden sich dafür, in eine ärztliche Bereitschaftspraxis zu fahren. 9 Prozent haben unter der Nummer 116 117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktiert. Einen Krankenwagen über die 112 haben 21 Prozent der Menschen mit plötzlichen Gesundheitsbeschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten gerufen. 20 Prozent haben gewartet, bis ihre reguläre Arztpraxis wieder geöffnet hat.

Notfallreform als große Chance

"In Schleswig-Holstein gehen zu viele Menschen mit plötzlichen Beschwerden außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten direkt in die Notaufnahme, obwohl es auch andere Optionen für die Behandlung gibt, wie zum Beispiel den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Unsere Zahlen zeigen: Die bisherigen Strukturen lassen die Menschen im Zweifel oft ohne klare Orientierung. Die Notfallreform ist die Chance, dieses Nebeneinander von Anlaufstellen besser zu ordnen und Hilfesuchende gezielt in die für sie richtige Versorgung zu bringen - damit echte Notfälle schneller versorgt werden und unnötige Wege in die Klinik vermieden werden", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein.

Der gestern im Bundeskabinett beschlossene Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Notfallversorgung sieht unter anderem eine Vernetzung der Rufnummern der Rettungsleitstelle 112 sowie der Akutleitstelle der Kassenärztlichen Vereinigung 116 117 vor. Außerdem sollen Integrierte Notfallzentren (INZ) an geeigneten Krankenhausstandorten aufgebaut werden. Eine qualifizierte Ersteinschätzung soll die Menschen auf Grundlage ihrer Symptome schnellstmöglich in die für sie passende Versorgung führen. "Die Notfallreform ist eine große Chance, die oft unübersichtlichen Versorgungswege klarer zu ordnen", so Schmidt-Bodenstein. 

Hinweis für die Redaktion

Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa im September/Oktober 2025 insgesamt 500 Personen ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Schleswig-Holstein.
Befragungszeitraum: 25. September bis 21. Oktober 2025.

Die neue politische Position der TK zur Notfallreform ist im Presse- und Politikportal der TK abrufbar.