Kiel, 14. Januar 2026. Arzneimittel sind in Deutschland deutlich teurer als in vielen anderen Ländern - und das belastet auch die gesetzlich Versicherten in Schleswig-Holstein. Eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Würden sich die Preise der 30 umsatzstärksten Medikamente am internationalen Niveau orientieren, ließen sich allein in Schleswig-Holstein jährlich rund 230 Millionen Euro an Arzneimittelausgaben einsparen. Mit Blick auf das gesamte Bundesgebiet wären es insgesamt 4,73 Milliarden Euro.

Verglichen mit anderen Industrienationen wie beispielsweise unseren skandinavischen Nachbarn in Dänemark oder Ländern wie Japan und Norwegen zahlen wir hierzulande deutlich mehr für dieselben Medikamente. Einige Arzneimittel sind in anderen Ländern bis zu 76 Prozent günstiger.  

"Angesichts der ohnehin angespannten Finanzsituation in der gesetzlichen Krankenversicherung und der zuletzt erneut gestiegenen Zusatzbeiträge können wir es uns schlicht nicht leisten, bei Arzneimitteln dauerhaft internationale Höchstpreise zu zahlen", betont Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. "Wenn allein in Schleswig-Holstein fast 230 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden könnten, dann geht es hier nicht um Rechenspiele, sondern um eine ganz konkrete finanzielle Entlastung der Beitragszahlenden." Hier müsse der Gesetzgeber handeln und besonders die patentgestützten Arzneimittel in den Blick nehmen. 

Patentgestützte Arzneimittel als Kostentreiber

Patentgeschützte Arzneimittel sind Medikamente, für die ein Unternehmen zeitlich begrenzte exklusive Rechte auf Herstellung und Verkauf hat. Solange das Patent gilt, gibt es keinen Wettbewerb, was die Preise oft deutlich nach oben treibt. Im vergangenen Jahr haben die gesetzlichen Krankenkassen mehr als 55 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben. Obwohl die patentgestützten Arzneimittel mit sieben Prozent nur einen vergleichsweise kleinen Anteil der abgegebenen Packungen ausmachen, verursachen sie mit fast 54 Prozent der Ausgaben einen überproportional hohen Teil der Kosten. Ein Beispiel ist das neue Demenz-Therapeutikum Leqembi®, welches mit jährlichen Therapiekosten von 40.000 Euro zu Buche schlägt.  

Kurzfristige Stellschrauben zur Entlastung

Nach Einschätzung der TK ließen sich die Ausgaben für Arzneimittel durch mehrere kurzfristig umsetzbare Maßnahmen spürbar senken. Ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel von aktuell 19 auf sieben Prozent könnte bis zu sieben Milliarden Euro einsparen. Ein höherer Herstellerabschlag von Patentarzneimittel auf 17 Prozent würde noch mal drei Milliarden bringen. Die Einführung sogenannter Arzneimittel-Fokuslisten würde für eine weitere Milliarde weniger Kosten sorgen.  Diese Listen könnte Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen. 

Hinweis für die Redaktion

Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP. Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt. 

Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 kB) zusammengefasst.