TK: Liebe Frau Rubai, der Slogan der Saarländischen Krebsgesellschaft lautet "Wir sind da, wenn alles anders ist." Warum beschreibt dieser Satz die Arbeit Ihres Teams so gut?

Sabine Rubai: Dieser Satz beschreibt, was Menschen in einer extrem verletzlichen Lebensphase wirklich brauchen: verlässliche Unterstützung. 

Eine Krebsdiagnose verändert ein Leben schlagartig - für Betroffene ebenso wie für ihre Angehörigen. Viele Betroffene fühlen sich in dieser Situation verunsichert, überfordert oder oft allein mit ihren Sorgen. Genau in dieser Zeit stehen wir als Saarländische Krebsgesellschaft an ihrer Seite: Wir hören zu, vermitteln Wissen und schaffen Entlastung. Wir begleiten die Betroffenen durch diese schwere Zeit und helfen ihnen, wieder Orientierung und Stabilität zu finden. Das umfasst psychologische Beratung, alltagspraktische Unterstützung, verlässliche Informationen und konkrete Entlastung für Familien.

Mit unserem multiprofessionellen Team unterstützen wir Menschen mit Krebs und Ihre Angehörigen in allen Phasen der Erkrankung und darüber hinaus. Kurz: Wir sind da, wenn das Leben aus den gewohnten Bahnen gerät - empathisch, kompetent und an der Seite der Menschen im Saarland.

Sabine Rubai

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Geschäftsführerin Saarländische Krebsgesellschaft e.V.

TK: Wo liegen aktuell die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Sabine Rubai: Wir arbeiten derzeit besonders intensiv an zwei zentralen Schwerpunkten: 

Unser Ziel ist es, die ambulante psychoonkologische Versorgung im Saarland weiter zu stärken - dabei richten wir unseren Fokus ausdrücklich auch auf Angehörige und Familien mit Kindern. Eine Krebserkrankung belastet immer das gesamte Umfeld. Deshalb unterstützen wir Betroffene und ihre Familien mit Beratungsangeboten, Entlastungsformaten und niedrigschwelligen Hilfen.

Zudem bauen wir derzeit unsere Präventionsarbeit umfassend aus. Dazu gehören Gesundheitsförderung in Kitas, Schulen und Vereinen ebenso wie Präventionsangebote in Betrieben. Wir führen Informationsveranstaltungen durch, kooperieren mit verschiedenen Partnern und nutzen gezielte Öffentlichkeitsarbeit, um das Thema Krebs zu enttabuisieren und Menschen für Vorsorge, Früherkennung und gesundheitsbewusstes Verhalten zu sensibilisieren. Prävention bedeutet für uns: Wissen vermitteln, Hemmschwellen abbauen und Zugänge schaffen - für alle Altersgruppen und Lebensbereiche.

TK: Wir haben vor Kurzem einen Projektvertrag geschlossen und dabei die Kinder in den Blick genommen. Warum ist "Spielend stark" so wichtig und wieso ist gerade die Kindheit für ein gesundes Leben so entscheidend?

Sabine Rubai: "Spielend stark" ist ein Projekt, das uns sehr am Herzen liegt, weil es genau dort ansetzt, wo Gesundheit langfristig entsteht: in der frühen Kindheit. 

Kinder lernen spielerisch und frühe Erfahrungen entscheiden oft darüber, wie selbstverständlich Gesundheit später gelebt wird. Im Vorschulalter sind Kinder unglaublich offen: Sie probieren aus, bewegen sich intuitiv und entwickeln ganz nebenbei Vorlieben für bestimmte Lebensmittel oder Aktivitäten. Wenn wir sie in dieser Phase für Bewegung und eine ausgewogene Ernährung begeistern, legen wir ein Fundament, das sie durchs ganze Leben begleiten kann.

"Spielend stark" setzt genau hier an. Das Projekt verbindet ein Lernspiel mit Bewegungsideen und einfachen Ernährungserfahrungen. Die Kinder erleben, dass gesund sein nichts mit Verzicht zu tun hat, sondern mit Freude, Neugier und gemeinsamem Ausprobieren. Gleichzeitig stärken wir die pädagogischen Fachkräfte und beziehen die Eltern ein, damit das Projekt nachhaltig wirkt und im Alltag weiterlebt. 

Je früher wir Kinder erreichen, desto größer ist die Chance, dass gesundheitsförderliches Verhalten selbstverständlich wird - und genau das ist unser Ziel.

Prävention bedeutet für uns: Wissen vermitteln, Hemmschwellen abbauen und Zugänge schaffen - für alle Altersgruppen und Lebensbereiche. Sabine Rubai, Geschäftsführerin der Saarländischen Krebsgesellschaft 

TK: Das Projekt soll 2027 saarlandweit ausgerollt werden, wird dazu parallel evaluiert. Was muss gelingen, damit das Projekt auch wirklich erfolgreich ist?

Sabine Rubai: Damit das Projekt "Spielend stark" nachhaltig Wirkung entfalten kann, braucht es vor allem eine gute Verzahnung von Qualität, Struktur und Beteiligung. Zunächst müssen die Inhalte fachlich überzeugend sein und in den Kitas alltagsnah umgesetzt werden können. 

Für den Erfolg von "Spielend stark" ist entscheidend, dass das Projekt in den Kitas wirklich ankommt und dort als Bereicherung erlebt wird. Das Lernspiel, die Materialien und die Bewegungs- und Ernährungseinheiten sollten praxistauglich sein und den Alltag der Fachkräfte unterstützen - nicht zusätzlich erschweren. Wenn Kinder, Erzieherinnen und Erzieher und Eltern gleichermaßen Freude am Format haben, ist das ein wichtiger Schritt.

Ebenso wichtig ist der Aufbau stabiler Strukturen. Wir brauchen engagierte Kitas, verlässliche Partner und klare Abläufe - nur so kann das Projekt flächendeckend funktionieren. Die Einbindung der Eltern spielt ebenfalls eine große Rolle, denn Gesundheitsförderung wirkt dann besonders nachhaltig, wenn sie nicht an der Kitagrenze endet, sondern auch im Familienalltag weiterlebt.

Die wissenschaftliche Begleitung durch ein Institut schließlich sorgt dafür, dass wir während des gesamten Prozesses lernen und nachsteuern können. Sie hilft uns, Stärken auszubauen, Herausforderungen früh zu erkennen und das Projekt kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wenn Qualität, Strukturen und Beteiligung zusammenkommen, kann "Spielend stark" langfristig einen echten Beitrag zur Gesundheitsförderung von Kindern im Saarland leisten.

TK: Noch eine abschließende Frage: Welche Ziele haben Sie und Ihr Team für das kommende Jahr?

Sabine Rubai: Für das kommende Jahr haben wir uns viel vorgenommen. Ein zentrales Ziel ist es, unsere psychoonkologische Beratung weiter auszubauen, damit Betroffene und ihre Familien noch schneller und umfassender Unterstützung erhalten. Gerade in belastenden Lebenssituationen braucht es verlässliche Ansprechpartner - und diese Rolle wollen wir weiter stärken.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Prävention. Wir wollen bestehende Angebote weiterentwickeln, neue Formate erproben und noch stärker in die Breite gehen. Uns ist wichtig, möglichst viele Menschen zu erreichen, Barrieren abzubauen und fundiertes Wissen zugänglich zu machen. In diesem Rahmen freuen wir uns sehr auf das Projekt "Spielend stark" gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse. 

Und schließlich möchten wir die Saarländische Krebsgesellschaft noch sichtbarer machen - als kompetente Ansprechpartner, als aktive Gestalter von Prävention und Versorgung im Land und als verlässliche Unterstützung für alle Menschen, die von einer Krebserkrankung betroffen sind.