Innovationsfonds: Teledermatologie

Projekt zur Allgemein-, Fach- und Notfallmedizin im ländlichen Raum am Beispiel Dermatologie

 

Derma-App
Telemedizin unterstützt bei der Behandlung von Hautkrankheiten.

 

Das Projekt zur teledermatologischen Behandlung von Patienten im ländlichen Raum, hat vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in der ersten Förderwelle des Innovationsfonds den Zuschlag erhalten. Das Versorgungsziel ist dabei mit der Sicherstellung der dermatologischen Patientenversorgung bzw. dem Ausgleich des dermatologischen Facharztmangels im strukturschwachen Raum mittels multidisziplinären, sektorenübergreifenden und digitalen Versorgungsstrukturen definiert.

 

Ausgangssituation

Bereits heute ist eine flächendeckende, fachärztliche, dermatologische Versorgung von Patienten in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr sichergestellt. Wartezeiten für Termine von mehreren Monaten sind mittlerweile üblich. Gegenwärtig sind 61 Hautärzte im Land niedergelassen. Diese können, gerade in der Fläche, die medizinisch erforderliche, dermatologisch fachärztliche Versorgung nicht mehr im notwendigen und ausreichenden Maß anbieten. Diese Versorgungsproblematik wird in der Zukunft noch deutlich zunehmen. Gegenwärtig sind die Hautarztpraxen im Land vor allem in Zentren und Mittelzentren (z. B. Rostock oder Schwerin) konzentriert. Gleichzeitig fehlen in ländlichen Gebieten des Landes, insbesondere im Osten und Süden, Dermatologen.

 

Zielsetzung

Ziel des Projektes ist es, die Behandlung von Patienten mit Hauterkrankungen durch multidisziplinäre, sektorenübergreifende und digitale Versorgungsstrukturen sicherzustellen und zu verbessern. Dabei soll die Zusammenarbeit zwischen Haus- und Hautärzten und Kliniken intensiviert werden. Der Schwerpunkt auf dem Auf- und Ausbau telemedizinischer Strukturen. Gerade die Dermatologie bietet sehr gute Voraussetzungen, die Möglichkeiten der Telemedizin zu nutzen. Hauterkrankungen sind fotografisch gut abbildbar und können auf digitalem Weg in angemessener Qualität versendet werden. Die Patienten benötigen dafür nicht mehr als ein Smartphone oder Tablet. Durch Nutzung dieser telemedizinischen Möglichkeiten kann ein potentielles Versorgungsdefizit zum Teil ausgeglichen werden. Mithilfe dieses Lösungsansatzes ist es möglich, Diagnostik, Konsultation und medizinische Notfalldienste aus der Ferne anzubieten.

 

Beitrag zur Weiterentwicklung der Versorgung

Der Beitrag der neuen Versorgungsform zur Weiterentwicklung der gesundheitlichen Versorgung wird durch die folgenden Aspekte gewährleistet:

  1. Die Verbesserung der Versorgungsqualität und die Reduktion von Versorgungsdefiziten: Die Implementierung und Nutzung der weiterentwickelten App kann zur langfristigen dermatologischen Versorgung der Patienten - insbesondere in ländlichen, strukturschwachen und vom Facharztmangel betroffenen Gebieten - beitragen.
  2. Die Verbesserung der Versorgungseffizienz durch Steuerung: Das bestehende Problemfeld, dass Hauterkrankungen häufig rezidivieren und erneut stationär versorgt werden, wird durch diese niedrigschwellige, interdisziplinär ausgerichtete und sektorenübergreifende, ambulante Versorgungsstruktur verbessert und dem Prinzip "ambulant vor stationär" gerecht.
  3. Die optimierte Zusammenarbeit zwischen den Versorgungsbereichen und Leistungserbringern: Durch gezielte Schnittstellenbildungen und spezifische Handlungsempfehlungen werden vorhandene Potentiale effektiver genutzt. Außerdem werden dauerhaft sektorenübergreifende Kompetenzen in der dermatologischen Patientenversorgung etabliert.
  4. Die Entwicklung fachlicher Kompetenzen: Die Rolle der Hausärzte wird durch das Versorgungsangebot gestärkt. Sie bilden in diesem Versorgungskonzept den Knotenpunkt in der Vernetzung zwischen Patienten und Spezialisten. Darüber hinaus können Leistungen von den Dermatologen an die Hausärzte delegiert werden. Dadurch können die dermatologischen Kompetenzen weiter verbessert werden.

Übertragbarkeit der Erkenntnisse

Die teledermatologische Behandlung wird in Mecklenburg-Vorpommern modellhaft angewandt. Eine Adaption auf andere Regionen mit ländlichen Charakter ist möglich. Die dermatologische Behandlung via Telemedizin ist weder an Ort und Zeit gebunden. Auch eine Übertragbarkeit auf andere Indikationen ist möglich. Dabei stellt die Abbildbarkeit einer Erkrankung die einzige Voraussetzung dar.

 

Evaluation

Während der 36-monatigen Projektphase wird eine wissenschaftliche Evaluation erfolgen. Untersuchungsgegenstand ist die Messung, inwiefern sich die Qualität der dermatologischen Patientenversorgung in Mecklenburg-Vorpommern durch eine telemedizinische Mitbetreuung via App verbessert.

 

Bezugnehmend auf diese Fragestellung werden folgende Hypothesen überprüft:

  1. Die Rate an Überweisungen vom Hausarzt an den Dermatologen kann durch den Einsatz der App reduziert und die Qualität der Versorgung verbessert werden. Die Fälle für die persönliche Behandlung werden somit auf schwere Fälle konzentriert.
  2. Die durchschnittliche Wartezeit der Patienten nimmt ab.
  3. Die Zufriedenheit der Patienten bzw. der behandelnden Ärzte mit der Organisationsform der hautärztlichen Versorgung steigt.
  4. Die Zufriedenheit der Patienten bzw. der behandelnden Ärzte mit dem Therapieergebnis steigt.
  5. Der Kostenaufwand für die dermatologische Versorgung mit App ist geringer als ohne die Anwendung des Telekonsils.

Die Evaluation ist als Methodenmix konzipiert. Dabei wird zum einen auf Routinedaten der Krankenkassen zurückgegriffen und zum anderen sollen Patienten und Ärzte befragt werden. Die Evaluation der App-Anwendung erfolgt in zwei Szenarien:

  1. In der Pilotphase erfolgt eine einarmige Kohortenstudie mit einer Interventionsgruppe. Dabei erfolgt die Weiterentwicklung, Testung und Implementierung der App mit dem Fokus der Evaluation auf die qualitative Erhebung bezüglich der Akzeptanz und des Nutzens seitens der Leistungserbringer und der Patienten.
  2. In der Projektphase erfolgt eine dreiarmige Kohortenstudie für den Vergleich der zweiten Kohortenstudie mit zwei Kontrollgruppen. Des Weiteren erfolgt dann der Roll-Out der Technik und die Anwendung der App im Rahmen der dermatologischen Versorgung.

Das Ziel ist die Evaluation von versorgungsrelevanten Endpunkten.

 

Umsetzungspotential

Durch die leicht adaptierbare und gute Skalierbarkeit hat dieses Projekt großes Potential für die Übernahme in die Regelversorgung. Sofern Patienten kurzfristig keinen Termin bei Dermatologen erhalten, müssen sie nun nicht zwangsläufig eine Klinik aufsuchen. Sie können sich an ihren bereits behandelnden Hausarzt wenden und werden mittels Telekonsile trotzdem parallel von Spezialisten beraten bzw. behandelt. Darüber hinaus können mögliche Versorgungsdefizite ausgeglichen werden. So wird ein Beitrag zu einer ökonomischen Krankheitsversorgung geleistet.

 

Konsortialpartner

Die Konsortialpartner des Innovationsfondsprojektes sind die Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH Neubrandenburg (Infokom) und das Institut für angewandte Versorgungsforschung GmbH (inav). Mit den Partnern wurden die folgenden Interviews aufgenommen:

 

Zum Hintergrund

Aus dem von der Bundesregierung aufgelegten Innovationsfonds werden von 2016 bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro (Anmerkung: 225 Mio. Euro für neue Versorgungsformen und 75 Mio. Euro für Versorgungsforschung) an förderungswürdige Projekte vergeben. Übergeordnetes Ziel ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Vorrangig sollen innovative und sektorenübergreifende Projekte im Gesundheitswesen gefördert werden. Die Mittel für den Fonds kommen von den gesetzlichen Krankenkassen sowie aus dem Gesundheitsfonds und werden vom Bundesversicherungsamt verwaltet. Angesiedelt ist der Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Von den insgesamt 120 eingereichten Anträgen zur ersten Förderwelle im Bereich der neuen Versorgungsformen entschied der Innovationsauschuss des G-BA die Förderung von 29 Projekten.