Arzneimittel: 91,7 Millionen Euro Einsparpotenzial in Mecklenburg-Vorpommern
Pressemitteilung aus Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin, 22. Januar 2026. Die deutschen Arzneimittelpreise sind im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch - das trifft auch die Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). So besteht allein in Mecklenburg-Vorpommern bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten ein jährliches Einsparpotenzial von rund 91,7 Millionen Euro an Arzneimittelausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Bundesweit ließen sich dadurch jedes Jahr rund 4,73 Milliarden Euro an Arzneimittelausgaben sparen.
"Eine gute Versorgung braucht wirksame Medikamente, aber die Preise dürfen nicht aus dem Ruder laufen. Im Vergleich zu anderen Industriestaaten wie Japan, Südkorea oder Norwegen zahlen wir deutlich mehr für dieselben Medikamente", betont Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern.
Am Ende geht es bei den dringend notwendigen Einsparungen im Bereich der Arzneimittel um eine finanzielle Entlastung für die Mitglieder und Arbeitgeber, die die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung tragen. "Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage in der GKV und der jüngsten Erhöhung der Zusatzbeiträge können wir uns keine internationalen Spitzenpreise für Arzneimittel erlauben", so Austenat-Wied weiter.
Hohe Kosten durch patentgeschützte Arzneimittel
Mit über 55 Milliarden Euro erreichten die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen 2024 einen Rekordwert. Insbesondere patentgeschützte Medikamente lassen die Kosten weiter ansteigen. Bei patentgeschützten Arzneimitteln handelt es sich um Medikamente, für die ein Unternehmen zeitlich begrenzte exklusive Rechte auf Herstellung und Verkauf besitzt. Solange das Patent gilt, gibt es keinen Wettbewerb. Obwohl die patentgeschützten Arzneimittel lediglich rund sieben Prozent der ausgegebenen Packungen ausmachen, sind sie für nahezu 54 Prozent der Gesamtausgaben verantwortlich. Ein Beispiel für einen solchen Hochpreiser stellt das neu zugelassene Demenz-Medikament Leqembi® dar, dessen jährliche Behandlungskosten mehr als 40.000 Euro betragen.
Elf Milliarden Einsparungen durch drei wirksame Maßnahmen
Bereits drei Maßnahmen könnten die GKV kurzfristig um bis zu elf Milliarden Euro entlasten: Ein Absenken der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von 19 auf sieben Prozent bietet ein Einsparpotenzial von bis zu sieben Milliarden Euro. Die Erhöhung des Herstellerabschlags für patentgeschützte Arzneimittel auf 17 Prozent könnte bis zu drei Milliarden Euro jährlich einbringen. Eine Milliarde Euro ließe sich durch die Einführung von sogenannten Arzneimittel-Fokuslisten einsparen. Diese Fokuslisten würden es den Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen.
Hinweis für die Redaktion
Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP. Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt.
Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 kB) zusammengefasst.