Digitale Assistenz entlastet hausärztliche Praxen auf dem Land: DIHVA-Projekt startet nun auch in Mecklenburg-Vorpommern durch
Pressemitteilung aus Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin, 1. Juli 2026. Die Techniker Krankenkasse, das Ärztenetz HaffNet und die Digitale Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft (DFGVG) starten ein neues Versorgungsangebot in Ueckermünde.
Nach einem erfolgreichen Start der digitalen hausärztlichen Versorgungsassistenz (DIHVA) in Nordrhein-Westfalen im Herbst 2025, wird das Projekt seit Juni auch in Mecklenburg-Vorpommern angeboten.
KI-gestützte Versorgungsassistenz: mehr Zeit für Patientinnen und Patienten
DIHVAs sind speziell geschultes Personal, die den ersten Patientenkontakt und Routineuntersuchungen wie Blutdruckmessungen, Messungen am EKG, Blutabnahmen, Otoskopien oder die Dokumentation von Hautveränderungen übernehmen. Sie werden dabei von einer KI-gestützten Software durch die Behandlung geleitet. Die Werte werden digital erfasst und an die Hausarztpraxis weitergeleitet. DIHVAs übernehmen somit delegierbare Untersuchungen und schaffen so mehr Zeit für ärztliche Kernaufgaben wie Diagnosen und Therapieentscheidungen.
"Durch das Angebot der DIHVA können sich Ärztinnen und Ärzte auf Diagnose und Therapieentscheidungen fokussieren, während standardisierte ausführende Aufgaben delegiert werden. Dies sichert die verlässliche hausärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten, insbesondere im ländlichen Raum", so Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern.
Erste Erfahrungen aus den DIHVA-Modellregionen, in Etteln und Olpe in Nordrhein-Westfalen, zeigen, dass Hausarztpraxen spürbar von Routinetätigkeiten entlastet werden. "Hinzu kommt eine Reduzierung von etwa einer Stunde und 20 Minuten Fahrtzeit der Patientinnen und Patienten," sagt Alexander Baasner von der DFGVG. Auch bleibt die hausärztliche Versorgung weiterhin dort erreichbar, wo Nachwuchs und Nachbesetzungen fehlen.
"Gerade in einem Flächenland wie M-V brauchen wir intelligente, digitale und zugleich praxisnahe Lösungen, um die hausärztliche Versorgung auch in Zukunft zu sichern", betont Austenat-Wied.
Entlastung für Hausarztpraxen in unterversorgten Regionen
In Mecklenburg-Vorpommern wird das DIHVA-Projekt zunächst in Zusammenarbeit mit dem Ärztenetz HaffNet, einem regionalen Netzwerk von Hausarzt- und Facharztpraxen, umgesetzt. Aktuell nehmen vier Arztpraxen teil, weitere Praxen in der Region sollen sukzessive folgen. Die DIHVAs sind dabei gezielt in strukturschwachen, von Unterversorgung bedrohten Regionen rund um Ueckermünde im Einsatz. In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten zwei DIHVAs praxisübergreifend: Sie sind nicht an eine feste Praxis gebunden, sondern unterstützen die teilnehmenden Hausarztpraxen bedarfsorientiert.
Perspektivisch sollen die DIHVAs zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst unterstützen. Alexander Baasner betont: "DIHVA schafft einen strukturierten Versorgungspfad zwischen Patientinnen und Patienten, Versorgungsassistenz und Hausarztpraxis. Ärztinnen und Ärzte erhalten standardisiert erhobene, digital dokumentierte Befunde und können sich dadurch stärker auf medizinische Bewertung, Diagnose und Therapie konzentrieren. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: wohnortnähere Versorgung, kürzere Wege und weiterhin eine klare ärztliche Verantwortung."