Digitale Hilfe aus Kiel begleitet Betroffene bis ins Arztgespräch
Pressemitteilung aus Schleswig-Holstein
- Seit zehn Jahren unterstützt die gemeinsam von der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK) entwickelte Migräne-App Betroffene - inzwischen wurde sie mehr als 1,14 Millionen Mal heruntergeladen.
- Aktuelle Versorgungsdaten zeigen: 13,7 Prozent der TK-Versicherten waren 2025 in Schleswig-Holstein wegen Migräne oder Kopfschmerzen in Behandlung - Frauen deutlich häufiger als Männer.
- Neue Befragung unter 1.485 Nutzerinnen und Nutzern: Viele verwenden die App über Jahre. 83 Prozent haben Informationen oder Auswertungen daraus bereits bei einem Arzttermin genutzt oder gezeigt.
Kiel, 6. Oktober 2026. Wie viele Migränetage hatte ich im vergangenen Monat? Wie oft habe ich Medikamente genommen und hat die Behandlung überhaupt etwas verändert? Für Menschen mit Migräne sind solche Informationen wichtig, im Alltag aber nicht immer leicht im Blick zu behalten. Die Migräne-App kann dabei zum digitalen Begleiter werden: Eine neue wissenschaftliche Befragung zeigt, dass viele Nutzerinnen und Nutzer mit ihrer Hilfe bewusster auf die Einnahme von Akutmedikamenten achten, ihre Migräne- und Kopfschmerztage besser erkennen und sich besser auf Arztgespräche vorbereitet fühlen. Die gemeinsam von der Techniker Krankenkasse (TK) und der Schmerzklinik Kiel entwickelte Anwendung feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen.
Digitale Innovation aus Schleswig-Holstein
Als die Migräne-App 2016 entwickelt wurde, waren Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) noch kein eigenes Leistungssegment in der Gesundheitsversorgung. Die Idee hinter der App: digitale Möglichkeiten nutzen, um die Versorgung von Menschen mit Migräne zu verbessern und gleichzeitig Ärztinnen und Ärzten relevante Informationen für die Behandlung zur Verfügung zu stellen. Die App ist bis heute kostenlos, ohne Rezept und unabhängig von der jeweiligen Krankenkasse nutzbar.
"Mit der Migräne-App ist vor zehn Jahren in Schleswig-Holstein ein digitales Versorgungsangebot entstanden, lange bevor Gesundheits-Apps fester Bestandteil der Versorgung wurden. Heute wurde die App mehr als 1,14 Millionen Mal heruntergeladen und wird weit über die Landesgrenzen hinaus genutzt. Das zeigt, wie aus einer innovativen Idee aus Kiel ein Angebot werden kann, das Menschen dauerhaft in ihrem Alltag unterstützt", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein.
Seit ihrem Start wurde die App kontinuierlich weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht der Kopfschmerzkalender, mit dem Betroffene unter anderem ihren Kopfschmerzverlauf und die Einnahme von Medikamenten dokumentieren und auswerten können. Hinzugekommen sind beispielsweise Entspannungstrainings, physiotherapeutische Übungen und zuletzt ein KI-gestützter Informationsassistent.
Viele Menschen in SH wegen Migräne in Behandlung
Wie relevant das Thema Kopfschmerzen für die Versorgung im Land ist, zeigen aktuelle Daten der TK: 2025 waren 13,7 Prozent* der TK-Versicherten in Schleswig-Holstein wegen Migräne oder Kopfschmerzen in Behandlung. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: 70 Prozent der Betroffenen waren Frauen. Dazu sagt Prof. Dr. Hartmut Göbel, ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel: "Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Ihr Nervensystem reagiert deutlich empfindlicher auf Reize und Veränderungen, hinzu kommen genetische Einflüsse sowie hormonelle Veränderungen." Gleichzeitig betont er, dass Migräne keineswegs nur ein Frauenthema ist. Männer würden oftmals unter sehr starken Attacken leiden.
Neue Befragung: Die App kommt mit zum Arzt
Wie die Migräne-App nach zehn Jahren tatsächlich genutzt wird, zeigt eine neue wissenschaftliche Online-Befragung unter 1.485 Nutzerinnen und Nutzern. Viele von ihnen verwenden die Anwendung langfristig: Knapp zwei Drittel nutzen die Migräne-App bereits seit mindestens drei Jahren.
Besonders deutlich wird die Verbindung zwischen digitaler Unterstützung im Alltag und ärztlicher Versorgung: 83 Prozent der Befragten haben Informationen oder Auswertungen aus der Migräne-App bereits bei einem Arzttermin genutzt oder gezeigt; 55 Prozent regelmäßig und weitere 29 Prozent gelegentlich. 58,6 Prozent berichten zudem, dass die App schon einmal dazu beigetragen hat, gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt eine Behandlung zu besprechen, anzupassen oder neu zu beginnen.
"Die App soll die ärztliche Behandlung nicht ersetzen. Sie hilft den Menschen, ihren Migräneverlauf im Alltag zu verstehen und die entscheidenden Informationen in das Arztgespräch mitzunehmen", sagt Göbel. "So profitieren beide Seiten: Die Betroffenen haben ihren Verlauf besser im Blick und Ärztinnen und Ärzte erhalten konkrete Informationen, um die Therapie zu beurteilen und zu steuern."
Bessere Vorbereitung auf Arztgespräche
Auch im Alltag wird die App viel eingesetzt: 98 Prozent der Befragten nutzen den Kopfschmerzkalender, 89 Prozent dokumentieren ihre Akutmedikation und 87 Prozent verwenden die persönlichen Auswertungen ihrer Kopfschmerz- und Migränetage. Rund 74 Prozent geben an, durch die App bewusster darauf zu achten, wie häufig sie Akutmedikamente einnehmen. 63 Prozent fühlen sich damit besser auf Arztgespräche vorbereitet.
"Nach zehn Jahren zeigt sich für uns vor allem eines: Digitale Versorgung funktioniert nicht allein deshalb, weil sie digital ist. Sie muss einfach zugänglich sein und dauerhaft einen konkreten Mehrwert im Alltag bieten. Dass Menschen die Migräne-App über Jahre nutzen und ihre Daten selbstverständlich mit ins Arztgespräch nehmen, ist dafür ein starkes Signal", sagt Schmidt-Bodenstein.
Hinweis zur Studie
An der wissenschaftlichen Online-Befragung zum zehnjährigen Bestehen der Migräne-App nahmen 1.485 Nutzerinnen und Nutzer teil. Rund 82 Prozent leben seit mehr als zehn Jahren mit Migräne. Die Teilnahme war freiwillig. Für die Studie liegt ein positives Votum der Ethik-Kommission der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vor (Az. D 588/26).
Hinweis zu den Versorgungsdaten
*Bei den ärztlichen Diagnosen wird zwischen verschiedenen Formen der Migräne und verschiedenen Varianten von Kopfschmerzen unterschieden. 2025 waren 13,7 TK-Versicherte in SH wegen Migräne oder Kopfschmerzen in Behandlung. Dazu gehören verschiedene Formen wie Migräne mit oder ohne Aura, Spannungskopfschmerz oder auch chronischer posttraumatischer Kopfschmerz. Betrachtet man ausschließlich die von Migräne Betroffenen, so waren 7,6 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein wegen Migräne in Behandlung. Die Zahl der TK-Versicherten in SH betrug 2025 insgesamt 566.488.