Kiel, 31. Juli 2026. Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im vergangenen Jahr knapp 2,3 Milliarden Euro für die Gesundheit ihrer Versicherten in Schleswig-Holstein ausgegeben - so viel wie noch nie zuvor. Pro Kopf entspricht das 4.016 Euro. Zum Vergleich: 2024 gab die Krankenkasse noch 3.722 Euro pro Versicherten im Jahr aus. Innerhalb von zwölf Monaten ist dies ein Anstieg der Ausgaben pro Kopf von 7,9 Prozent.

TK fordert Strukturreformen

Der Großteil der Kosten entfällt auf Krankenhausbehandlungen mit rund 600 Millionen Euro, gefolgt von Ausgaben für Arzneimittel (400 Millionen Euro) und für die ambulante Versorgung (390 Millionen Euro). Den stärksten Anstieg gab es in der ambulanten Versorgung: Hier stiegen die Leistungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 14,1 Prozent. Zwar ist auch die Anzahl der Versicherten bei der TK in Schleswig-Holstein und damit die Gesamtausgaben gestiegen, doch auch pro Kopf gibt es einen deutlichen Anstieg in allen Bereichen, insbesondere bei den ambulanten Ausgaben. Hier kletterten die Ausgaben pro Versicherten von 2024 auf 2025 um 9,42 Prozent. Dazu sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein: "Die Zahlen machen einmal mehr den dringenden Reformbedarf in der gesetzlichen Krankenversicherung deutlich. Mit dem kürzlich verabschiedeten Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Ausgabenspirale in der GKV gebremst werden. Jetzt müssen echte Strukturreformen folgen."  

Bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten

Mit dem geplanten Primärversorgungssystem steht ein wichtiges Reformvorhaben der Bundesregierung bereits auf der Agenda. Schmidt-Bodenstein: "Wir müssen die Patientinnen und Patienten gezielter steuern, die ambulanten und stationären Versorgungsangebote besser verzahnen und dabei innovative, auch digitale Angebote stärker mit einbinden. Noch immer landen zu viele Menschen in Praxen, Kliniken oder anderen Versorgungsangeboten, die nicht optimal zu ihrem medizinischen Bedarf passen. Das ist für die Betroffenen und Leistungserbringenden belastend, bindet Ressourcen und treibt gleichzeitig die Kosten."

Die TK spricht sich dafür aus, den Zugang zur Versorgung nach dem Prinzip Digital vor ambulant vor stationär zu koordinieren. Die Patientinnen und Patienten schildern vor der Behandlung in einem strukturierten, digital unterstützten Dialog ihre Beschwerden. So soll der individuelle Behandlungsbedarf eingeschätzt und festgelegt werden, ob ein Praxisbesuch notwendig ist und falls ja bei welcher Fachrichtung.

Arzneimittelpreise senken

Mit 400 Millionen Euro entfällt ein großer Teil der Ausgaben auf Arzneimittel. Gerade hier sieht Schmidt-Bodenstein erhebliches Entlastungspotenzial für das Gesundheitssystem: "Deutschland hat im internationalen Vergleich ein sehr hohes Preisniveau. Vor allem neue Patentarzneimittel treiben die Kosten weiter in die Höhe. Obwohl sie nur knapp sieben Prozent der abgegebenen Packungen ausmachen, verursachen sie fast 54 Prozent der Ausgaben. Hier brauchen wir eine faire und transparente Preisgestaltung, die sich am tatsächlichen Nutzen der neuen Arzneimittel und an international vergleichbaren Preisen orientiert." Auch eine Absenkung der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von aktuell 19 Prozent auf den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent würde die GKV erheblich entlasten.

Krankenhausreform in Schleswig-Holstein konsequent umsetzen

Als dritten entscheidenden Punkt benennt der Leiter der TK in Schleswig-Holstein die Krankenhausplanung in Schleswig-Holstein. "Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist zeitintensiv und mit viel Aufwand für das Personal sowie für die Patientinnen und Patienten verbunden. Umso wichtiger ist es, dass wir mit der Krankenhausreform im Land jetzt konsequent auf Spezialisierung setzen. Werden bestimmte Leistungen nur noch an besonders geeigneten Standorten angeboten, verbessern sich die Qualität der Versorgung und die Behandlungsergebnisse für Patientinnen und Patienten spürbar. Gleichzeitig wird die Krankenhauslandschaft zukunftsfest und effizienter, weil Personal, Technik und finanzielle Mittel gezielt statt über viele Standorte verteilt eingesetzt werden."

Die TK sieht in der Kombination aus einer besseren Steuerung der Versorgung, fairen und international wettbewerbsfähigen Arzneimittelpreisen sowie einer qualitätsorientierten Krankenhausplanung zentrale Hebel, um die Versorgung in Schleswig-Holstein zukunftsfest zu machen und somit auch die Beiträge für Versicherte und Arbeitgeber langfristig mindestens stabil zu halten.

Leistungsausgaben im Überblick

•    Gesamtausgaben: 2,3 Milliarden Euro (2024: 2,0 Milliarden Euro)
•    Ausgaben pro Kopf: 4.016 Euro (2024: 3722 Euro)
•    Krankenhausbehandlungen: 600 Millionen Euro
•    Arzneimittel: 400 Millionen Euro
•    Ambulante Versorgung: 390 Millionen Euro 

Hinweis für die Redaktion

Die Zahlen beziehen sich auf die Leistungsausgaben der TK für ihre Versicherten in Schleswig-Holstein im Jahr 2025. Im Jahr 2024 lagen die Gesamtausgaben noch bei rund zwei Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 12,54 Prozent innerhalb eines Jahres. Berücksichtigt werden muss hier aber auch der Versichertenwachstum. Von 2024 auf 2025 wuchs die Anzahl der TK-Versicherten in Schleswig-Holstein um 4,2 Prozent.