Nachgefragt zur Landtagswahl 2026
Interview aus Baden-Württemberg
Am 8. März wählen die Menschen in Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Das ist auch ein wichtiger Tag für das Gesundheitswesen im Land, denn in den kommenden fünf Jahren müssen die Weichen in vielen Bereichen neu gestellt werden.
Um die Herausforderungen konkret zu benennen, hat die TK in Baden-Württemberg eine Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben. Im Interview erläutert Nadia Mussa, welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben und welche Positionen die TK zur digitalen, ambulanten und stationären Versorgung im Land entwickelt hat.
TK: Warum ist die Landtagswahl 2026 wichtig für das Gesundheitswesen in Baden-Württemberg?
Nadia Mussa: In den kommenden fünf Jahren müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden mit unmittelbarer Auswirkung auf die medizinische Versorgung. Dabei tragen die Regierung und die Abgeordneten eine große Verantwortung, denn eine funktionierende Gesundheitsversorgung ist von großer Bedeutung für die Lebensqualität der Menschen.
Jährlich werden rund zwei Millionen Menschen in Baden-Württemberg im Krankenhaus behandelt. Welche Bedingungen finden sie dort vor? In den Ländern wird die Krankenhausreform umgesetzt. Dabei gibt es Spielräume, die verantworgungsvoll genutzt werden müssen.
Viele niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Die knappen Ressourcen müssen gezielt und sinnvoll genutzt werden. Jeder Mensch mit medizinischem Behandlungsbedarf soll auch künftig gut versorgt werden. Dabei kann eine gezielte Steuerung des Zugangs in die Versorgung helfen.
Ein modernes Gesundheitswesen kommt ohne Digitalisierung nicht aus.
Nadia Mussa
Ein modernes Gesundheitswesen kommt ohne Digitalisierung nicht aus. Die derzeitige Regierung hat im Koalitionsvertrag versprochen, Baden-Württemberg zum Vorreiter bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens zu machen. Dieses Versprechen wurde mit ambitionierten Modellprojekten zum Teil eingelöst, eine flächendeckende Umsetzung steht aber noch aus. Auch hier gibt es also noch einiges tun für Regierung und Parlament in den kommenden fünf Jahren.
TK: Die TK hat die Menschen in Baden-Württemberg im Vorfeld der Wahl direkt gefragt, wie sie das Gesundheitswesen beurteilen. Was sind die zentralen Ergebnisse der Forsa-Umfrage?
Mussa: 91 Prozent der Befragten stufen die Gesundheitspolitik als sehr wichtig oder wichtig ein. Die Gesundheit steht damit an der Spitze auf einer Stufe mit der Arbeits- und Wirtschaftspolitik, noch vor Bildungspolitik, Finanzpolitik oder Innenpolitik.
29 Prozent der Befragten sehen grundlegenden und umfassenden Reformbedarf.
Ein Ergebnis früherer Befragungen wurde bestätigt: 76 Prozent sind mit der Gesundheitsversorgung zufrieden, davon 29 Prozent sogar sehr zufrieden. Diese Zufriedenheit bedeutet jedoch nicht, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Ganz im Gegenteil: 29 Prozent sehen grundlegenden und umfassenden Reformbedarf, 67 Prozent sehen stellenweise Reformbedarf. Das ist ein klares Signal an die kommende Regierung und die gesundheitspolitisch Verantwortlichen, dass strukturelle Reformen notwendig sind.
Bestätigung gibt die Umfrage all denen, die bei der Digitalisierung schneller vorankommen möchten. Denn viele Menschen möchten gerne mehr digital erledigen. Sieben von zehn Befragten möchten beispielsweise den Anamnesebogen vorab digital ausfüllen und einreichen oder Videosprechstunden wahrnehmen, neun von zehn Termine online buchen.
TK: Welche Forderungen an die kommende Landesregierung und die gesundheitspolitisch tätigen Abgeordneten stellen Sie konkret?
Mussa: Wir haben unsere Forderungen in drei Positionspapieren zur digitalen, ambulanten und stationären Versorgung gebündelt.
Für die nächste Legislaturperiode schlagen wir zum Beispiel vor, die Versorgungssysteme vollständig zu digitalisieren sowie die Digitalkompetenz der Bevölkerung und der Gesundheitsfachkräfte zu fördern.
Im Bereich der ambulanten Versorgung plädieren wir dafür, den Zugang in die Versorgung zu verbessern mit Hilfe digital unterstützter Steuerung, die Versorgungsformen im Land bedarfsgerecht zu gestalten und die Regelversorgung zu stärken.
Im stationären Sektor gilt es vor allem, die Krankenhausreform qualitätsgeleitet umzusetzen.
Im stationären Sektor gilt es vor allem, die Krankenhausreform qualitätsgeleitet umzusetzen. In diesem Zusammenhang muss das Landeskrankenhausgesetz in einem gemeinsamen Strategieprozess zukunftsfest weiterentwickelt sowie die Krankenhausplanung bedarfsgerecht und sektorenübergreifend gestaltet werden.
Diese Forderungen sind kein Selbstzweck, sondern haben das Ziel, die Behandlungen besser und effizienter zu machen. Wer via digitaler Ersteinschätzung zeitnah in die richtige Arztpraxis kommt, spart sich viel Sucherei und Wartezeiten. Mittels Telekonsil kann der Weg in die richtige Spezialklinik gebahnt werden, dadurch werden unnötige Fahrzeiten vermieden.