Erfurt, 11. Juni 2026. Viele Menschen in Thüringen gehen bei plötzlich auftretenden gesundheitlichen Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten direkt in die Notaufnahme oder rufen den Rettungsdienst. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage, die im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) im Freistaat durchgeführt wurde.

Von plötzlichen Gesundheitsproblemen außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten innerhalb der vergangenen drei Jahre berichteten 35 Prozent der Befragten. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) und damit der Großteil von ihnen ging direkt in die Notaufnahme. Mehr als jede bzw. jeder Sechste (17 Prozent) rief den Krankenwagen.

Ambulante Angebote wurden insgesamt deutlich seltener genutzt: 20 Prozent der Befragten kontaktierten bei plötzlichen Gesundheitsbeschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117, acht Prozent suchten eine kassenärztliche Bereitschaftspraxis auf. 14 Prozent warteten, bis ihre Arztpraxis wieder geöffnet hatte.

Wohin bei plötz­li­chen Gesund­heits­pro­ble­men?

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Der Großteil der Befragten aus Thüringen geht bei plötzlichen Gesundheitsproblemen in die Notaufnahme (Grafik/Quelle: repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der TK in Thüringen (September / Oktober 2025)

"Auch außerhalb der Praxisöffnungszeiten müssen Hilfesuchende versorgt werden, aber auch dann brauchen nicht alle einen Arzt, eine Ärztin oder gar den Besuch in der Notaufnahme. Die Notfallreform, die morgen im Bundesrat diskutiert werden soll, bietet eine echte Chance, die Qualität und Effizienz der Akut- und Notfallversorgung auch in Thüringen zu verbessern", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. "Der Rettungsdienst, der vertragsärztliche Notdienst und die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind im Freistaat bereits jetzt gut vernetzt. Dennoch werden Notaufnahmen und Rettungsdienst häufig auch dann in Anspruch genommen, wenn andere Versorgungsangebote geeigneter wären. Die im Gesetz vorgesehene qualifizierte Ersteinschätzung würde hier die nötige Orientierung bieten und gleichzeitig Notaufnahmen sowie den Rettungsdienst entlasten. Ich hoffe, dass die Reform ohne Verwässerung und Weichspülen durch den Gesetzgebungsprozess gebracht wird."

Etwa jeder Achte hält Behandlung in der Notaufnahme im Nachhinein selbst nicht für nötig

Die Frage, ob sie schon einmal wegen gesundheitlicher Beschwerden die Notaufnahme in einem Krankenhaus aufgesucht hätten, bejahten drei Viertel der Befragten Thüringerinnen und Thüringer (75 Prozent). 13 Prozent von ihnen gaben an, dass sie nach ihrer letzten Behandlung in der Notaufnahme selbst der Meinung seien, ihre gesundheitlichen Beschwerden hätten auch zeitnah in einer ambulanten Praxis behandelt werden können. Nicht einschätzen konnten das 6 Prozent und die übrigen 81 Prozent sagten, die Notaufnahme sei nötig gewesen.

"Dass jeder Achte im Nachhinein selbst sagt, die Behandlung in der Notaufnahme sei nicht nötig gewesen, zeigt einmal mehr, dass ein relevanter Teil der Menschen unsicher ist. Sie brauchen eine bessere Orientierung und die Notaufnahmen müssen entlastet werden. Deswegen begrüße ich die im Bundesgesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung vorgesehenen Integrierten Notfallzentren (INZ) ausdrücklich. Beim Einrichten solcher gemeinsamer Tresen von ambulanter und stationärer Notfallversorgung ist Thüringen bereits auf einem guten Weg."

Hinweis für die Redaktion

Die politische Position der TK zur Notfallreform ist im Presse- und Politikportal der TK abrufbar. Im aktuellen Interview mit Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT), lesen Sie, wie die Notfallversorgung mit einer digitalen Rettungskette entlastet wird. 

Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa vom 25. September bis 21. Oktober 2025 insgesamt 500 Personen ab 18 Jahre bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Thüringen.