Der Verwaltungsrat ist das höchste Entscheidungsgremium der TK. Insgesamt 30 Frauen und Männer engagieren sich ehrenamtlich in diesem Selbstverwaltungsgremium. Ihre Aufgaben sind vielfältig und verantwortungsvoll; sie handeln im Interesse der Versicherten und bilden ihre eigene "Unternehmeraufsicht".

TK: Was motiviert Sie persönlich, sich für die Versicherten der TK zu engagieren?

Claudia Goymann: Da ich bereits seit 2002 Versichertenberaterin der TK bin, kenne ich die Nöte und Belange der Versicherten gut. Für mich persönlich ist es immer eine Erfüllung, wenn ich Versicherten helfen und ihnen eine Lösung für ihr Problem aufzeigen kann. Es ist mir ein großes Bedürfnis, Menschen Unterstützung zu geben, welche sich nicht mehr selbst helfen können. Aus diesem Grund habe ich mich auch bereit erklärt, im Widerspruchsausschuss der TK mitzuarbeiten und meine Erfahrungen aus meiner Tätigkeit als Versichertenberaterin der Deutschen Rentenversicherung Bund (seit 2011) mit einzubringen.

TK: Die Bedeutung des Ehrenamtes wird von der Politik gern betont, trotzdem beklagen viele Organisationen sinkendes Interesse an ehrenamtlicher Arbeit. Warum engagieren sich so wenige?

Claudia Goymann: Ich denke, das Problem liegt in der unterschiedlichen Handhabung der Freistellung durch den Arbeitgeber. Im Ehrenamt tätige Mitarbeiter müssen vom Arbeitgeber freigestellt werden. Zum Teil sieht die Situation in der Praxis jedoch anders aus.

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Claudia Goymann

Ungeachtet dessen, müssen die ehrenamtlichen Mitarbeiter auch viel Freizeit für ihre Tätigkeiten opfern, das ist nicht jedermanns Sache und das ist unter dem hohen Druck der bestehenden Arbeitswelt sehr kompliziert.

Ich bin froh und schätze es sehr, dass ich in den Genuss der großzügigen Regelung durch meinen Arbeitgeber komme. Gleichzeitig muss man aber auch die entsprechende Unterstützung durch sein Kollegium bekommen, welches in der Zeit der Abwesenheit die Arbeiten mit erledigen muss.

TK: Welche Bedeutung hat eine Sozialwahl eigentlich für Versicherte?

Claudia Goymann: Die Versicherten sichern sich durch ihre gewählten Vertreter im Verwaltungsrat eine Mitsprache und die Umsetzung ihrer Forderungen oder Wünsche in der Politik. Deshalb sehe ich die Einführung der Online-Wahl bei der Sozialwahl als einen wichtigen Schritt der Modernisierung und Chance, auch jüngere Menschen daran zu beteiligen, denn jede Stimme ist wichtig.

Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie wenig die Versicherten über die Sozialwahl wissen und welche Möglichkeiten sich daraus für sie ergeben. Ich denke, dort müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten.

TK: Als Rentenberaterin kümmern Sie sich auch um die Interessen von Rentnerinnen und Rentnern. Welche Themen nehmen Sie aus der Rentenberatung in Coswig mit in den Verwaltungsrat der Techniker Krankenkasse?

Claudia Goymann: Aus meiner Tätigkeit als Versichertenberaterin für die Deutsche Rentenversicherung kann ich viele Erfahrungen in mein Ehrenamt im Verwaltungsrat der Krankenversicherung mit übernehmen.

Ich denke da beispielsweise an die Erweiterung und den Ausbau der Vorsorgeleistungen. Diese führen zur Erhaltung der Arbeitskraft und reduzieren gleichzeitig die steigende Anzahl von Erwerbsminderungsrenten. Außerdem führen Verknüpfungen in verschiedensten Bereichen der Verwaltung zur schnelleren Bearbeitung von Anträgen und Eindämmung von Widersprüchen.

TK: Selbstverwaltung ist ein Grundprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Der TK-Verwaltungsrat fordert von der Politik "eine starke Selbstverwaltung nachhaltig zu festigen." Haben Sie denn Sorge um die Zukunft der Selbstverwaltung?

Claudia Goymann: Die Selbstverwaltung muss es geben, um die Stimme der Versicherten zu transportieren und ein Mitbestimmungsrecht zu wahren. Ohne Sozialwahl kein Ehrenamt im Sozialwesen, dessen ist sich der überwiegende Teil der Menschen leider nicht bewusst.

TK: Welche Probleme muss die Politik im Gesundheitswesen unbedingt lösen?

Claudia Goymann: Da gibt es viele Dinge, welche in Angriff genommen werden müssen. Die Verbesserung der ärztlichen Versorgung auf dem Lande, die Besetzung von offenen Stellen im Pflegebereich, leistungsgerechte Bezahlung sowie bessere Arbeitsbedingungen und entsprechende Ausbildung der Pflegekräfte sind Themen, die unbedingt und sehr kurzfristig auf der Tagesordnung stehen.

Genauso wichtig ist, die Ausstattung der Pflegeheime oder den Pflegeschlüssel pro Patient anzupassen. Das weitere Vorantreiben der  Digitalisierung z. B. der Patientenakte halte ich ebenso für unerlässlich.