Patientensteuerung mit docdirekt: Digital vor ambulant vor stationär
Interview aus Baden-Württemberg
Ein Gastbeitrag von Tobias Binder, dem Leiter des Geschäftsbereichs Service und Beratung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.
Als eine zentrale Aufgabe sehen die Gesundheitsökonomen und -politiker die Einführung von mehr patientenbezogenen Steuerungselementen in das System der Gesundheitsversorgung, verbunden mit echten strukturellen Reformen im Bereich der Notfallversorgung und auch in der Regelversorgung.
Medizinische Ersteinschätzung: Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
Künftig sollen Patientinnen und Patienten im Rahmen eines Primärversorgungssystems stärker auf der Basis eines medizinischen Ersteinschätzungsverfahrens zum richtigen Zeitpunkt in die für sie empfohlene Versorgungseben gesteuert werden. Digital vor ambulant vor stationär heißt das Credo der künftigen Gesundheitsversorgung.
Die telemedizinische Versorgung wird künftig eine stärkere Rolle spielen.
Die telemedizinische Versorgung der Menschen in Baden-Württemberg wird also künftig eine stärkere Rolle als bislang spielen (müssen), um die Regelversorgung zu entlasten und um die Menschen im Land bedarfsgerecht versorgen zu können.
docdirekt vereint alle Vorteile einer hybriden Versorgungssteuerung
Das telemedizinische Versorgungsangebot der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) docdirekt vereint alle Vorteile, die mit einer hybriden Versorgungssteuerung einhergehen:
- 24/7-verfügbarer digitaler Zugang zum 116117-Patientenservice
- digitale medizinische Ersteinschätzung auf der Basis von SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland)
- Ad-hoc Zugang zu einer Videosprechstunde bei entsprechender SmED-Empfehlung sowie
- die gesteuerte Überleitung in die Strukturen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes oder in die vertragsärztliche Regelversorgung. Auch ein Hausbesuch kann darüber ermöglicht werden.
Dazu vernetzt die digitale Versorgungsplattform docdirekt die an der Versorgung beteiligten Akteure (Patientinnen und Patienten, Teleärztinnen und Teleärzte sowie 116117-Disponentinnen und -Disponenten) und stellt die versorgungsrelevanten Daten an den entsprechenden Versorgungsendpunkten digital zur Verfügung.
Der Erfolg gibt docdirekt Recht.
25.000 Patientinnen und Patienten wurden telemedizinisch versorgt
Der Erfolg gibt docdirekt Recht: seit dem Go-Live der Plattform am 3. November 2025 wurden bereits rund 25.000 Patientinnen und Patienten telemedizinisch versorgt, davon 74 Prozent fallabschließend. Derzeit sind 100 Teleärztinnen und Teleärzte bei docdirekt aktiv, allesamt niedergelassene Fachärzte für Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten ohne Schwerpunktbezeichnung sowie Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin.
docdirekt wird kontinuierlich verbessert
Aktuell steht die Integration eines Praxisverwaltungssystems mit mobilem Zugriff auf die Telematikinfrastruktur und ihre Fachdienste (e-Verordnung und -Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) auf der Roadmap. Ziel ist, die digitale Versorgungsplattform nutzerzentriert mit versorgungsorientierten Mehrwerten auszubauen, ganz im Sinne von digital vor ambulant vor stationär.
Zur Person:
Tobias Binder leitet den Geschäftsbereich Service und Beratung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) sowie die Bezirksdirektion Stuttgart. Er hat Studien der Sozialpädagogik (BA) und der Betriebswirtschaftslehre (FH) absolviert und verfügt über langjährige Erfahrung als Berater und Referent für Ärzte und Psychotherapeuten sowie deren Praxispersonal. Zudem engagiert er sich als Lehrbeauftragter an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, Fachbereich Gesundheitsökonomie sowie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart, Fachbereich Gesundheitswissenschaften und Management.