Magdeburg, 24. Februar 2026. Wer in Sachsen-Anhalt eine fachärztliche Behandlung benötigt, braucht oft langen Atem: Laut einer aktuellen, repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) warten insgesamt 57 Prozent der Befragten länger als vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt. Für ein Drittel (33 Prozent) dauert es sogar mehrere Monate, bis sie eine Untersuchung erhalten.

"Lange Wartezeiten auf Facharzttermine verdeutlichen strukturelle Schwächen im ambulanten Bereich", sagt Steffi Suchant, Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen-Anhalt. "Wir brauchen ein patientenorientiertes Versorgungssystem mit klaren Anlaufstellen und definierten Behandlungswegen, damit Termine effizient anhand des tatsächlichen medizinischen Bedarfs vergeben werden."

Primärversorgungssystem kann Terminvergabe verbessern 

Nur zehn Prozent der Befragten erhielten einen Facharzttermin innerhalb weniger Tage, weitere zehn Prozent innerhalb von zwei Wochen, 18 Prozent innerhalb von vier Wochen. Um die Terminproblematik zu entschärfen, plant die Bundesregierung derzeit die Einführung eines Primärversorgungssystems.

Aus Sicht der TK bietet das Konzept große Chancen für eine effizientere Terminvergabe. Voraussetzung dafür ist, dass eine verbindliche Ersteinschätzung des gesundheitlichen Problems zum festen Bestandteil der Versorgung wird. Hilfesuchende sollten mithilfe der Ersteinschätzung, die sowohl digital in einer Krankenkassen-App als auch telefonisch oder in einer Praxis vor Ort erfolgen kann, auf Basis ihres Krankheitsbildes direkt zur der für sie passenden Behandlung geleitet werden. 

Je nach Bedarf kann das ein zeitnaher Haus- oder Facharzttermin, eine Videosprechstunde oder auch erstmal Bettruhe sein. Die TK fordert in diesem Zusammenhang eine einheitliche digitale Terminplattform, an die Arztpraxen ein festes Kontingent an freien Terminen melden.

Neue Engpässe in Hausarztpraxen vermeiden

Deutlich besser ist die Situation in den Hausarztpraxen: 74 Prozent der Befragten erhalten dort innerhalb weniger Tage einen Termin, weitere 13 Prozent innerhalb von zwei Wochen. "Diese gute Erreichbarkeit gilt es zu bewahren", betont Suchant. "Ein Primärversorgungssystem darf daher künftig keine neuen Engpässe bei Hausärztinnen und Hausärzten schaffen."

Deshalb müsse die von der TK geforderte Ersteinschätzung sicherstellen, dass nur jene Patientinnen und Patienten in die hausärztliche Versorgung geleitet werden, die dort optimal behandelt werden können. "Gerade in Regionen mit drohender oder bestehender hausärztlicher Unterversorgung ist das entscheidend", so Suchant. "Es muss für die Menschen daher auch zukünftig möglich sein, bei medizinischer Notwendigkeit direkt Fachärztinnen und Fachärzte aufzusuchen."

Hinweis für die Redaktion

Die neue Position der TK "Faire Regeln bei der Ersteinschätzung und Terminvergabe" mit konkreten Forderungen für die Ersteinschätzung und Terminplattform gibt es im Presse- und Politikportal.

Für die repräsentative telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa im September/Oktober 2025 insgesamt 502 Personen ab 18 Jahre bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Sachsen-Anhalt.