Im Interview stellt der neue Leiter Dr. Frank Hofschulte die Arbeit des KCGs vor. Dr. Hofschulte wechselte im Jahr 2020 als Oberarzt in die damalige imland Klinik Eckernförde, wo er 2022 leitender Oberarzt wurde und auch nach dem Trägerwechsel zu den Schön Kliniken bis 2025 blieb.

TK: Herr Dr. Hofschulte, Sie sind seit Februar 2026 Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie. Was genau ist die Aufgabe des KCG und welches Ereignis hat sie in Ihrer Anfangszeit besonders beeindruckt?

Dr. Frank Hofschulte: Das KCG ist eine unabhängige Gemeinschaftseinrichtung aller Medizinischen Dienste mit Sitz in Hamburg. Wir beraten alle gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände in geriatrischen Fragestellungen, entwickeln Begutachtungsstandards weiter und bearbeiten Grundsatzfragen der Geriatrie. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht stets der ältere Mensch mit seinen individuellen Ressourcen, Einschränkungen und Bedürfnissen. Unser Ziel ist es, zu einer fairen, qualitativ hochwertigen und bedarfsgerechten geriatrischen Versorgung beizutragen.

Kurz nach meinem Start im KCG fand das diesjährige Expertenforum Geriatrie in Hamburg statt, zu dem wir eingeladen hatten. Beeindruckt hat mich die Offenheit und das gemeinsame Engagement innerhalb der geriatrischen Fachwelt, die geriatrische Versorgung älterer Menschen interprofessionell und nachhaltig weiterzuentwickeln. Genau dieser Gedanke prägt auch unsere Arbeit im KCG.

Dr. Frank Hofschulte

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Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie

Unser Ziel ist es, zu einer fairen, qualitativ hochwertigen und bedarfsgerechten geriatrischen Versorgung beizutragen. Dr. Frank Hofschulte, Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie

TK: Wenn Sie auf die aktuellen Entwicklungen der geriatrischen Versorgung in Deutschland blicken, was stimmt Sie hoffnungsvoll und welche Entwicklungen bereiten Ihnen eher Sorgen? 

Hofschulte: Hoffnungsvoll stimmt mich die gewachsene Wahrnehmung der Geriatrie. Imme mehr Akteure erkennen, dass ältere Menschen eine eigenständige, multiprofessionelle und sektorenübergreifende Versorgung benötigen. In der Kinder- und Jugendmedizin ist das Verständnis für eine besonders bedarfsgerechte Versorgung seit Langem etabliert. 

Sorgen bereiten mir dagegen Fachkräfteengpässe bei einer stetig steigenden Zahl hochaltriger Menschen und eine zu starke Ökonomisierung der geriatrischen Versorgung. Gute Geriatrie braucht Zeit, Erfahrung, engagierte Teamarbeit und persönliche Zuwendung. Gleichzeitig muss die Geriatrie offen für Innovationen bleiben. Digitalisierung und Telemedizin können sinnvoll und gezielt unterstützen, die unmittelbare Expertise jedoch nicht ersetzen. Große Potenziale sehe ich zudem im Bereich Advanced Practice Nursing, das in der Geriatrie bislang noch nicht ausreichend etabliert ist. 

TK: In Hamburg hat die Bürgerschaft gerade einen Antrag von SPD und GRÜNEN zum Aufbau von geriatrischen stationären Rehabilitationsplätzen beschlossen. Wie bewerten Sie dieses Vorhaben aus Sicht des KCG und was braucht es darüber hinaus in der geriatrischen Versorgung in Hamburg?

Hofschulte: Die stationäre geriatrische Rehabilitation schließt in Hamburg eine Lücke. Sie bietet multimorbiden geriatrischen Patientinnen und Patienten, bei denen eine vollstationäre Krankenhausbehandlung nicht oder nicht mehr erforderlich ist, die bestmögliche Chance auf den Erhalt von Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität. Das ist dringend erforderlich, um dem Grundsatz "Reha vor und bei Pflege" gerecht zu werden sowie Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und zu verringern - ein zunehmend wichtiges Behandlungsziel in einer alternden Gesellschaft.

Neben stationären Angeboten wünsche ich mir aber auch Angebote der mobilen geriatrischen Rehabilitation. Sie ist für geriatrische Patientinnen und Patienten sinnvoll, die nur im häuslichen Umfeld in Kooperation mit Zu- und Angehörigen therapiert werden können. 

Entscheidend bleibt zudem eine sektorenübergreifende geriatrische Versorgung mit nahtlosen Übergängen zwischen Krankenhaus, Rehabilitation, ambulanter Versorgung und Pflege.