Das Gesundheitssystem muss sich an die neue Realität anpassen
Position aus Saarland
Extremwetter und Hitze belasten die Infrastruktur massiv. Auch das Gesundheitswesen ist davon betroffen. LV-Interims-Leiter Daniel Konrad erläutert in seinem Standpunkt, warum konsequenter Hitzeschutz eine zentrale Voraussetzung für Patientensicherheit ist.
Das Gesundheitswesen ist in allererster Linie darauf ausgelegt, Krankheiten zu verhindern und zu heilen. Damit dies in möglichst vielen Fällen gelingen kann, müssen Prozesse und Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Sicherheit der Patientinnen und Patienten gewährleistet ist. Doch das Thema Patientensicherheit betrifft so viele Aspekte des Gesundheitssystems, dass einzelne Bereiche noch zu wenig im Fokus stehen.
Daniel Konrad
Infrastruktur muss angepasst werden
Das hat uns erst kürzlich noch einmal die Hitzewelle im Saarland vor Augen geführt. Denn Hitze ist nicht nur eine generelle Gesundheitsgefährdung, besonders für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen oder Kleinkinder. Sie belastet auch das gesamte Gesundheitssystem. In Deutschland sind wir diese Temperaturen über einen längeren Zeitraum nicht gewohnt und unsere Einrichtungen des Gesundheitswesens sind dementsprechend nicht ausreichend darauf vorbereitet. Klimatisierte Räume oder andere Möglichkeiten zum Hitzeschutz und zur Abkühlung für Pflegebedürftige, Patientinnen und Patienten im Krankenhaus, aber auch für die Beschäftigten sind noch immer die Ausnahme.
Dabei sind sich die Expertinnen und Experten einig, dass Extremwetterlagen durch den Klimawandel auch in unseren Breitengraden häufiger und heftiger in ihrer Ausprägung werden. Spätestens dieser Sommer sollte den Verantwortlichen zeigen, dass hier dringend gehandelt werden muss. Dabei ist uns natürlich bewusst, dass viele dieser Maßnahmen Geld kosten und in Zeiten klammer Kassen schwer umzusetzen sind. Trotzdem ist der Handlungsdruck groß. Denn die Aufgabe des Staates ist nun mal die Daseinsvorsorge und die Infrastruktur muss dementsprechend an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Hier sind die Länder in der Verantwortung.
Krankenhausreform als Chance
Eine Chance dazu bietet die Krankenhausreform: Denn durch Konzentration und Spezialisierung können die vorhandenen Investitionsmittel sinnvoller auf die bedarfsnotwendigen Häuser aufgeteilt werden, was zu höheren Fördersummen pro Haus führt. Voraussetzung dafür ist eine mutige und zielgerichtete Krankenhausplanung der Länder.
Auch bei Pflegeeinrichtungen muss das Thema Hitzeschutz besser mitgedacht werden. Neben Lüftung und Klimatisierung spielen dabei auch die Beschattung und Begrünung der Außenfläche eine wichtige Rolle. Denn wenn die Räume erstmal aufgeheizt sind, sind natürliche Schattenplätze die einzige wirkliche Alternative. Damit die Einrichtungen diese Maßnahmen auch umsetzen können, ist es unbedingt nötig, dass die Länder ausreichend Investitionsmittel zur Verfügung stellen.
Klar ist: Hitze wird uns in Zukunft immer wieder begleiten. Daher sind jetzt Maßnahmen nötig, um die entsprechenden Rahmenbedingungen daran anzupassen. Die erarbeiteten Hitzeaktionspläne der Städte und Gemeinden sind dafür eine wichtige Basis. Doch ohne Investitionen wird es nicht gehen. Letztlich müssen sich die Verantwortlichen vor Augen führen, um was es dabei geht: die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, aber auch die Resilienz des gesamten Systems.