Pflege ist ein Thema, mit dem die meisten von uns früher oder später in Berührung kommen oder es schon sind. Mit der Pflege sind zwangsläufig viele Emotionen verknüpft.

Wer einen Pflegeberuf ergreift, ist dann für die Menschen da, wenn sie besonders verletzlich sind. Damit die Pflegenden diese wichtigen Aufgaben stemmen können, müssen sie belastbar sein. Die Voraussetzung dafür ist eine stabile Gesundheit. 

Höhere Fehlzeiten bei Pflegekräften

Doch Beschäftigte in der Pflege sind nicht nur häufiger und insgesamt länger krank. Sie verzeichnen auch insbesondere bei Erkrankungen des Bewegungsapparats und bei psychischen Erkrankungen viel höhere Fehlzeiten als der Schnitt der Berufstätigen. Oder mit anderen Worten: Pflege kann  - deutlich stärker als andere Berufe - auf die Gesundheit gehen, allem voran auf den Rücken und die Psyche. 

Rund um die gesetzlichen Maßnahmen zur Pflege heiß diskutiert wird nach wie vor in erster Linie die Frage, wie es gelingt, neue Kräfte für die Pflege zu gewinnen. 

Doch für eine zukunftssichere Pflege ist auch eine andere Frage zentral: Die Frage der Pflege beantworten wir nicht, indem wir nur auf potenzielle neue Pflegekräfte schauen. Wir müssen uns insbesondere auch um die kümmern, die heute schon pflegen. Sie machen diese wichtigen Jobs bereits - oder haben diese zumindest einmal erlernt. In der Regel steht oder stand dahinter eine äußerst soziale und verantwortungsbewusste Entscheidung.

Entscheidung fürs Leben

Wie kann es also gelingen, diejenigen zu überzeugen, die kurz vor dem "Pflexit" stehen oder diesen bereits hinter sich haben, die also den einst bewusst gewählten Job nicht mehr ausüben können - oder wollen? 

Gelingt es künftig, diesen Menschen den Berufsalltag so zu gestalten, dass er nicht mehr "krank" macht, hilft das nicht nur den einzelnen Pflegenden und Gepflegten, sondern ist auch Teil der Lösung gegen den Fachkräftemangel in der Pflege. Denn: In der Regel sind Pflegeberufe eben leider keine "Entscheidung fürs Leben" - viele Pflegekräfte kehren der Station nach einigen Berufsjahren den Rücken, teilweise schon direkt nach der Ausbildung. Zudem übt rund die Hälfte aller Pflegekräfte ihren Beruf nur in Teilzeit aus. 

Der Schlüssel, die Zahl der Pflegekräfte  zu erhöhen - durch mehr Vollzeitarbeit, längere Verweildauer im Beruf oder eine Rückkehr in die aktive Pflege -, liegt in der Attraktivität dieser Berufe. Das geht nicht ohne gesunden Berufsalltag.

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Christian Bredl

Pflegeberufe attraktiver zu gestalten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehört auch eine höhere Vergütung, aber eben nicht nur. Es gilt auch, neue Modelle zu entwickeln, etwa die Rückkehr für Wiedereinsteiger familiengerecht zu gestalten, neue Karrierepfade zu entwickeln oder eine altersgerechte Arbeitsorganisation zu ermöglichen.

Doch nützt das alles nichts, wenn der Berufsalltag, die Menschen krank macht. 

Unser Beitrag beginnt nicht erst dann, wenn es darum geht, Therapien für den kaputten Rücken oder die strapazierte Seele zu ermöglichen - oder Krankengeld auszuzahlen. Das tun wir als gesetzliche Kranken- und Pflegekasse ohnehin jeden Tag. 

Neben der professionellen Pflege müssen wir auch an die informelle Pflege denken. Schließlich werden mehr als 70 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause betreut. Die Angehörigen tragen also den größten Teil der Belastung. Auch deren Gesundheit gilt es zu schützen. 

Digitalisierung als Stütze

Wir haben daher Angebote entwickelt, die aufzeigen, wo beispielsweise Digitalisierung in der Pflege eine echte Stütze für Pflegende sein kann: Für pflegende Angehörige haben wir einen digitalen Pflegekurs entwickelt. 

In einem Pilotprojekt setzen wir künstliche Intelligenz ein, um sturzbedingten Krankenhauseinweisungen vorzubeugen. Und pflegende Angehörige von TK-Versicherten können sich bei Belastungen online mit einem Psychologenteam austauschen. 

Für die Menschen, die professionell in der Pflege arbeiten, ist Betriebliches Gesundheitsmanagement ein entscheidender Faktor für einen gesunden Berufsalltag.

Wir als TK unterstützen stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Mitarbeiter, für Patienten und für Pflegebedürftige. 

Diese Unterstützung ist vielschichtig. In Bayern finden momentan Projekte in zwölf Pflegeeinrichtungen statt. Durch die wissenschaftliche Begleitung sollen Konzepte entstehen, die sich auf alle Pflegeheime ausrollen lassen. 

Insgesamt gilt es das gesamtgesellschaftliche Engagement für mehr Prävention und gesunde Arbeitsbedingungen in der informellen wie der formellen Pflege weiter intensiv zu steigern, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. In diesem Zusammenhang ist es deutlich zu begrüßen, dass mit dem Gesetzentwurf zum GKV-FKG die Präventionsorientierung gestärkt wurde.